Ein Schlupfloch, aber keine Lösung: Trampolinanlage in Waldkraiburg endgültig vor dem Aus

Das Trampolin auf der Minigolfanlage in Waldkraiburg-Süd (rechts oben), dass auf diesem Archivbild noch mit vier statt sechs Sprungflächen zu sehen ist, ist wohl nicht mehr zu retten. Betreiber Gerhard Zeiller scheut die Kosten für ein schalltechnisches Gutachten, weil der Ausgang des Verfahrens ungewiss ist.
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Das Trampolin auf der Minigolfanlage in Waldkraiburg-Süd (rechts oben), dass auf diesem Archivbild noch mit vier statt sechs Sprungflächen zu sehen ist, ist wohl nicht mehr zu retten. Betreiber Gerhard Zeiller scheut die Kosten für ein schalltechnisches Gutachten, weil der Ausgang des Verfahrens ungewiss ist.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Bis zuletzt hat der Betreiber der Trampolinanlage auf dem Minigolfplatz in Waldkraiburg-Süd versucht, ein Baugenehmigungsverfahren zu umgehen. Doch selbst in diesem Fall kommt er um ein Schallgutachten nicht herum. Es sieht nicht gut aus für die Attraktion des Freizeitgeländes.

Waldkraiburg – Am Donnerstag (10. September) bekommt der Bürgermeister Besuch im Rathaus. Der 16-jährige Daniel Richter und einige seiner Kumpels wollen Robert Pötzsch berichten, wie wichtig ihnen die Trampolinanlage in Waldkraiburg-Süd ist. „Vielleicht können wir doch noch etwas erreichen“, sagt Daniel. Aber auch er weiß: Es sieht nicht gut aus.

Nach 15 Jahren könnte es endgültig vorbei sein mit dem Freizeitspaß auf dem Minigolfgelände zwischen Kraiburger- und Joseph-Haydn-Straße. Denn: Die Hoffnung von Gerhard Zeiller, des Betreibers der Freizeitanlage mit Kiosk, er könnte um einen nachträglichen Bauantrag für das Trampolin und damit ein schalltechnisches Gutachten herumkommen, geht wohl nicht auf.

Hohe Gutachterkosten

Weil die Anlage, die dauerhaft und ortsfest betrieben wird, nicht genehmigt ist, muss nachträglich ein Bauantrag eingereicht werden. Und dafür braucht es das Gutachten, das aufzeigt, dass und unter welchen Umständen die zulässigen Immissionsschutzrichtlinien und -werte eingehalten werden können, und die Prüfung durch die zuständige Fachbehörde des Landratsamtes besteht.

Seit die Stadt Anfang August die Nutzung nach einer Beschwerde eines Nachbarn wegen Lärmbelästigung untersagt hat, ist das Trampolin, das in jedem Sommerhalbjahr nach Zeillers Angaben etwa 3000 Kinder und Jugendliche anlockt, gesperrt. Seitdem sucht Zeiller nach einem Weg, das baurechtliche Verfahren und vor allem Gutachterkosten im hohen vierstelligen Euro-Bereich zu vermeiden.

Ist Trampolin eine Bauanlage?

Sein Ansatzpunkt: Bei dem Trampolin handle es sich gar nicht um eine ortsfeste bauliche Anlage. Sein Lieferant, Wolf Wagenbreth, der weltweit Trampolinanlagen be- und vertreibt, bestätigt diese Einschätzung. „Ich mach das jetzt seit 30 Jahren. Mit einer Baugenehmigung für ein Trampolin hatte ich noch nie zu tun“, sagt der Unternehmer aus Mecklenburg-Vorpommern.

Das Trampolin sei ja eine Mobilanlage, stehe auf Füßen, sei nicht mit dem Boden verbunden. „Es kann jeden Moment auf einer anderen Ecke des Geländes wieder aufgebaut werden. Oder im Winter abgebaut.“

Stadt: Auch andere Trampolins haben Baugenehmigung

Das städtische Bauamt belegt dagegen seine Position mit Rechtskommentaren zu den einschlägigen Paragrafen der Bayerischen Bauordnung. Und verweist darauf, dass auch kleinere Trampolinanlagen, etwa auf dem städtischen Megakiss-Spielplatz, ebenfalls in Waldkraiburg-Süd, oder an der Jugendherberge in Mühldorf, auf der Grundlage von schalltechnischen Gutachten ordentlich genehmigt seien.

Bauamtsleiter: „Wir wollen nichts verhindern, was wir genehmigen könnten“

„Wir wollen nichts verhindern, was wir genehmigen könnten“, sagt Carsten Schwunck, Leiter des Bauamtes, und räumt ein, dass es ein Schlupfloch für Zeiller gebe, das aber keine Lösung seines Problems darstelle: Tatsächlich könnte der Betreiber alle drei Monate den Standort wechseln, um der Genehmigungspflicht zu entgehen. Schwunck: „Das hilft ihm nicht weiter. Er wechselt nur den Sachbearbeiter, vom Bauamt zum Ordnungsamt.“ Sobald sich ein Nachbar beschwere, müsse die Nutzung untersagt werden und der Immissionsschutz des Landratsamtes die Anlage prüfen.

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Und Einwände von Nachbarn würden nicht lange auf sich warten lassen. Auch die Jugendlichen um Daniel Richter haben bei einem Gespräch mit einem Beschwerdeführer vor einigen Wochen kein Gehör bei ihm gefunden, wie der 16-Jährige berichtet.

Schon seit Längerem Anlieger-Beschwerden

Schon seit Längerem gibt es aus dem Umfeld der Freizeitanlage Beschwerden wegen Lärmbelästigung, nicht nur wegen des Trampolins, auch weil sich Anlieger durch Musik bei Feiern gestört fühlten.

Auch der Hinweis darauf, dass der Gesetzgeber Kinderlärm privilegiert hat, zieht in diesem Fall nicht. Die Grenze liegt bei 14 Jahren. Die Trampolinanlage nutzen viele Jugendliche ab 14.

Rechtssicherheit für die Trampolinanlage gebe nur ein Genehmigungsverfahren, betont Schwunck.

Betreiber lässt offen, wie es weiter geht

Ob er diesen Weg weiterverfolgt, wie es ohne Trampolin mit der gesamten Anlage weiter geht, lässt Gerhard Zeiller offen. Für heuer ist die Hüpfsaison sicher zu Ende. Zeiller ist frustriert, fürchtet aufgrund von Signalen aus dem Landratsamt, dass die Chancen für eine Genehmigung trotz eines teueren Gutachtens nur sehr gering seien.

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Den Vorschlag, das Trampolin von der Wohnbebauung weiter weg auf den Parkplatz an der benachbarten Squashanlage zu verlegen, hält er nicht für realisierbar. Dann sei ein kontrollierter Betrieb mit Eintritten nicht mehr möglich. „Da können wir es gleich der Stadt schenken.“

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