"Ein Paket mit sehr guten Cigarren"

Mühle und Sägewerk von Anton Maier mitten in Jettenbach zeigt diese historische Aufnahme. Allerdings weiß der Heimat- und Kulturkreis, dem dieses Foto übergeben wurde, nicht aus welchem Jahr es stammt. Fotos re
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Mühle und Sägewerk von Anton Maier mitten in Jettenbach zeigt diese historische Aufnahme. Allerdings weiß der Heimat- und Kulturkreis, dem dieses Foto übergeben wurde, nicht aus welchem Jahr es stammt. Fotos re

Der Jettenbacher Heimat- und Kulturkreis hat die vollständigen Aufzeichnungen des Briefwechsels des Mühlenbesitzers Anton Maier während seines Kriegseinsatzes und der anschließenden Gefangenschaft in Frankreich.

Jettenbach - Seit rund vier Jahren ist die Maiermühle verlassen. Mit dem Tod von Martin Maier, der keine Erben hatte, wurde die Mühle stillgelegt. Maria Geier hat den Junggesellen bis zu seinem Tod gepflegt. In seinem Nachlass fand sie zahlreiche Bilder, Briefe und Belege von Maiers Vater, Anton Maier, der im Ersten Weltkrieg in Frankreich gekämpft hatte und dort in Kriegsgefangenschaft geraten war. Die Unterlagen übergab sie an Elvira Schreiner, die Vorsitzende des Jettenbacher Heimat- und Kulturkreises. Diese hatte im Rahmen der landkreisweiten Ausstellung zum Ersten Weltkrieg in Jettenbach einen Aufruf gestartet. "Erst kam das Material nur sehr zögerlich, doch dann hatten wir soviel, dass wir gar nicht alles bewältigen konnten", erinnert sie sich.

Die Unterlagen, die sie von Maria Geier bekam, zeichneten sich dadurch aus, dass sie beinahe lückenlos registrierten, wo sich der Mühl- und Sägewerksbesitzers-Sohn Anton Maier während des Krieges und der anschließenden Kriegsgefangenschaft aufgehalten hatte beziegungsweise gefangen gehalten wurde.

Zum anderen zeigen Einzahlungsbelege, dass Anton Maier während der Kriegs- und Kriegsgefangenenjahre regelmäßig von seiner Mutter Maria Maier Geldbeträge überwiesen bekam. Diese Überweisungen wurden von der Deutschen Bank Berlin über die "Banque de Montreux" in der Schweiz abgewickelt. Die Belege zeigen, dass von Dezember 1914 bis Juli 1918 insgesamt 647,27 Francs überwiesen worden waren. Die Einzahlungsbelege, die von Anton Maier quittiert wurden, liegen lückenlos vor.

Dabei kann man auch feststellen, dass es meistens rund einen Monat gedauert hat, von der Einzahlung des Geldes bis es Anton Maier ausgezahlt wurde. Diese Einzahlungsbelege zeigen, dass Soldaten und Kriegsgefangene, sofern sie in der Heimat den notwendigen finanziellen Background hatten, auch im damals feindlichen Ausland, über finanzielle Mittel verfügen konnten.

Anton Maier hatte aber auch einen regen Briefwechsel mit seiner Mutter in der Zeit von Februar 1915 bis Oktober 1918 gepflegt. In dieser Zeit schrieb er wöchentlich abwechselnd je eine Karte und einen Brief aus Frankreich an seine Mutter Maria in Jettenbach. So übermittelt er am 19. Dezember 1914 die besten Neujahrswünsche "auch meinen lieben Buberl".

In einem Brief schreibt Maier am 4. Februar 1915 an seine Mutter und listet alles auf, was er bereits bekommen hat. Dabei nennt er unter anderem Käse, Butter, Zucker, ein "Paket mit sehr guten Cigarren und sehr guten Würsten" und eine Leibbinde.

Aus dem Brief geht hervor, dass er aber auch von anderen Jettenbachern unterstützt worden ist. So listet Maier auf, dass er einen Brief von einem M. Oswald aus Mittergars und eine Karte von einem Herrn Brandl bekommen habe. Allerdings informiert er seine Mutter auch, dass er von diesem genausowenig ein Paket bekommen habe, wie vom Wirt in Jettenbach. In dem Brief Maier fordert Maier seine Mutter auch auf, nur noch ein Paket zu schicken. "Wird doch nicht mehr ewig dauern", so seine Hoffnung.

Alle Briefe und Karten liegen ebenfalls gesammelt vor. Daraus kann man erschließen, wo sich Anton Maier während des Krieges und in Kriegsgefangenschaft befunden hat. So war er im Februar 1915 in Montbrison, im März dann in Roanne an der Loire. Ab Oktober 1915 war er dann im Kriegsgefangenenlager Serviéres, ab März 1917 im Kriegsgefangenenlager Solignac, bis September 1918 in Portiers und ab Oktober 1918 in La Pallice am Atlantik.

Aus dem Ehrenblatt geht hervor, dass Anton Maier am 27. August 1914 bei Montdreux in französische Kriegsgefangenschaft geriet und am 12. November 1918 in die Heimat zurückkehrte. Im Alter von 69 Jahren starb der Mühl- und Sägewerksbesitzer am 6. Oktober 1945 in seiner Heimat Jettenbach. hsc

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