„Ein lauter Hilferuf“: Wie es im Brandhaus in der Waldkraiburger Stadtmitte weitergeht

„Ein Hilferuf, ein lauter Hilferuf“ – analog, aber weithin sichtbar hat Helga Rittersporn ihren Frust darüber „gepostet“, dass die Mieter und Eigentümer noch immer darauf warten, dass ihre Wohnungen im Wohn- und Geschäftsgebäude am Sartrouville-Platz nach einem Brandanschlag im April endlich wieder bezugsfertig werden. Dass es nun vielleicht doch im Oktober schon so weit ist? Rittersporn mag nach den schlechten Erfahrungen der letzten vier Monate nicht mehr daran glauben. Grundner
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„Ein Hilferuf, ein lauter Hilferuf“ – analog, aber weithin sichtbar hat Helga Rittersporn ihren Frust darüber „gepostet“, dass die Mieter und Eigentümer noch immer darauf warten, dass ihre Wohnungen im Wohn- und Geschäftsgebäude am Sartrouville-Platz nach einem Brandanschlag im April endlich wieder bezugsfertig werden. Dass es nun vielleicht doch im Oktober schon so weit ist? Rittersporn mag nach den schlechten Erfahrungen der letzten vier Monate nicht mehr daran glauben. Grundner

Sie warten seit vier Monaten auf die Rückkehr in ihre Wohnungen. Die Mieter und Eigentümer des Hauses im Stadtzentrum, das durch einen Brandanschlag schwer beschädigt wurde. Noch immer wissen sie nicht, wann sie wieder zurückkehren können. Eine betroffene Rentnerin hat ihren Frust analog, aber unübersehbar am Balkon ihrer Wohnung „gepostet“.

Waldkraiburg – Geschäftiges Treiben herrscht seit einigen Tagen vor und im Müllermarkt in der Waldkraiburger Stadtmitte. Der Drogeriemarkt, der beim Brandanschlag Ende April schwere Schäden davon getragen hat, wird bald wieder aufmachen. Bis zur Geschäftseröffnung kann es nur noch wenige Wochen dauern. Ein Hoffnungsschimmer im „Brandhaus“ zwischen Stadtplatz und Sartrouville-Platz. Doch nur eine Etage höher schlägt die Stimmung um: „Unverschuldet: Opfer verzweifeln“ oder frei nach STS „I will wieder ham...“ ist da Weiß auf Grau auf Plastikplanen zu lesen, die eine Wohnungsinhaberin an der Balkonbrüstung und in den Fenstern angebracht hat.

Seit vier Monaten im Wartestand

„Das ist ein Hilferuf, ein sehr lauter Hilferuf. Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Wir sind die vergessenen Opfer“, sagt Helga Rittersporn, die so wie 29 andere Bewohner, Mieter, Eigentümer, und mehrere gewerbliche Nutzer vier Monate nach dem Brand noch immer auf die Rückkehr wartet. Noch immer, ohne einen festen Termin für den Wiedereinzug zu haben. Und ohne wirklich zu wissen, warum alles so lange dauert.

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„Beim Müller arbeiten die Leute auf Hochtouren, bei uns geht immer noch nichts voran. Nur der Aufzug geht. Am schlimmsten ist, dass es keine Infos gibt.“ Kein Wunder, dass da schon Gerüchte die Runde machten, das Haus werde abgerissen.

Gerüchte über Abriss

„Als ich davon erfuhr, habe sie einen ganzen Tag geweint“, erzählt Rittersporn, die seit zwei Wochen vorübergehend bei ihrer Tochter auf Gran Canaria Aufnahme gefunden hat. „Zuvor war ich bei meiner jüngeren Tochter in Waldkraiburg, dann hatte ich ein Appartement bei den Hubertusstuben.“ Wenn sie Mitte September wieder nach Waldkraiburg zurückkehrt, braucht die Rentnerin wieder eine Zwischenlösung. Bis dahin sind die Wohnungen ganz sicher nicht fertig.

Hausverwalter macht Bewohnern Hoffnung

„Sie werden von mir kein Datum rauskriegen“, sagt Jürgen Abrahamfi von der Hausverwaltung. Er macht den Mietern und Wohnungseigentümern aber Hoffnungen. Die Handwerkerarbeiten an der Elektrik und an den Wasserleitungen würden jetzt mit Hochdruck vorangehen, verspricht er. In „vier bis sechs Wochen“ könnten sie abgeschlossen sein, wenn es keine weiteren unliebsamen Überraschungen mehr gebe. Abrahamfi spielt darauf an, dass vor allem die Elektroleitungen viel stärker beschädigt gewesen seien, als ursprünglich angenommen.

Geschäftseinheiten im Erdgeschoss müssen noch länger warten

Der Hausverwalter betont: Bis die Geschäftseinheiten im Erdgeschoss, wo der Täter die Brandbomben entzündet hat, wieder erneuert sind, werde es natürlich wesentlich länger dauern. Auch bei weiteren Gewerbeeinheiten im Gebäude werde es noch dauern, etwa bei der Zahnarztpraxis, die umfangreich saniert werden müsse.

Dass sie schon im Oktober wieder einziehen kann, Helga Rittersporn mag das nicht glauben. Bei der Eigentümerversammlung im Juli habe die Hausverwaltung noch von einem „Weihnachtsgeschenk“ gesprochen. Gleich danach habe sie sich einen Anwalt genommen, der ihre Interessen gegenüber der Versicherung und der Hausverwaltung vertritt, sagt Rittersporn. „Wer bremst, weiß ich nicht.“ Doch sie ist überzeugt, dass beim Beheben der Schäden gebremst wurde.

Auch von der Stadt sei sie enttäuscht. Mit der türkischen Gemeinde habe es mehrere Gespräche gegeben, die Bewohner aus dem Haus habe man nie zusammengeholt.

Geld vom Opferschutz reicht grade für Miete

Solche die keine andere Bleibe gefunden haben, sind in Wohnungen der Stadtbau GmbH untergekommen. „Die zahlen alle Miete“, betont Rittersporn. Bis zum Jahresende reiche dafür grade mal das Geld, dass die Opfer des Brandanschlags von einer zentralen Opferschutzstelle des Bundes gegen Terrorismus und Extremismus erhalten hätten. Nach Informationen unserer Zeitung geht es da um eine mittlere vierstellige Summe.

„Unsere Kosten können wir davon nicht abdecken“, sagt die Rentnerin. „Einige müssen noch den Kredit auf die Wohnung abbezahlen.“ Das sei unter diesen Umständen eine große Last, auch wenn die Bank die Tilgung gestundet habe.

Helga Rittersporn gehört die Wohnung schon seit einem Jahrzehnt. „Ich war dabei, sie zu renovieren“, erzählt sie. „Als der Brandanschlag kam, war grade das erste Zimmer fertig.“

Hoffnungsschimmer: Die Arbeiten am Müllermarkt, der durch den Brand ebenfalls erheblich beschädigt wurde, laufen auf vollen Touren. In wenigen Wochen wird Wiedereröffnung sein.

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