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Ein Königreich für ein Rad

  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Jahrzehntelang hatten sie ein lausiges Image. Radfahrer, das waren die, die nach unten treten und nach oben buckeln.

Unangenehme Typen. Übrig Gebliebene, die bei der rasend schnellen Entwicklung der modernen Mobilität irgendwann den Anschluss verpasst hatten. Die sich kein Cabrio leisten können und im Sommer deshalb verschwitzt und abgekämpft bei Terminen und Veranstaltungen erscheinen. Meistens auch noch zu spät.

Doch dann kamen die E-Bikes und die Pedelecs. Und vor allem kam der Klimawandel. Und Corona. Und die Menschen kamen drauf, wie herrlich es ist, im ewigen Kreislauf des Pedals meditierend durchs Land zu fahren. Und plötzlich wurde alles anders, rollte die Fortbewegungsart von Vorgestern imagetechnisch das Feld von hinten auf. Bog auf die Überholspur ab. Das neue Radfahren ist Renommee. Nimbus. Ansehen. Zukunft. Und Cabrio-Fahrer bedauernswerte Verkehrsteilnehmer, die das Gefühl der Wirksamkeit durch Antrieb aus eigener Kraft nie werden spüren dürfen.

Die einzige Frage, die sich heute noch zu stellen scheint: Wer kann es sich eigentlich noch leisten, nicht Fahrrad zu fahren? Ohne seinen Ruf zu ruinieren? Wer nicht radelt, läuft Gefahr, zum fünften Rad am Wagen zu werden.

Radsportaffine Reporter dieser Zeitung hätten eigentlich allen Grund, sich über diese Entwicklung zu freuen. Wären da nicht auch Schattenseiten des Trends. Schon Ersatzteile scheint es wegen des anhaltenden Booms nur noch auf dem Schwarzmarkt zu geben. Wenn gar mehr als ein Rädchen am Rad locker ist, wird die Diagnose „Rahmenriss, Totalschaden“ zum Stoff für eine Tragödie. Vor allem wenn das Freizeitgerät seine Dienste zur Unzeit einstellt. Eine Woche vor dem Urlaub. Und fünf vor dem Startschuss für das Stadtradeln, den Saisonhöhepunkt. Ein Königreich für ein Rad!

Auch wer nicht wählerisch ist, nicht auf bestimmte Marken und Modelle versessen, stößt bei der Sondierung des Marktes an Grenzen. Auf Lieferfristen, die bis zum nächsten Frühjahr dauern. Und bekommt bei der Suche nach einem fahrbaren Untersatz das Gefühl, das Rad neu erfinden zu müssen.

Als sich schon ein trauriger, quälend langer Sommer mit einem klapprigen Ersatzfahrzeug und einem übel gelaunten, unausgeglichenen Waldkraiburger Lokalreporter abzeichnete, fand die existenzielle Krise doch ein glückliches Ende. Bei einem Radlhändler in der Stadt. Jetzt rollt der Reporter wieder. Der Sommer kann kommen.

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