„Meisterstück seines Schaffens“

Ein Gigant im Maßstab 1:22 – Waldkraiburger Udo Böhm baut „Big Boy“-Lok in 4500 Stunden nach

Der „Big Boy“ der Union Pacific Railroad ist das „Meisterwerk“ von Udo Böhm. Über sieben Jahre hinweg hat er an dem Nachbau gearbeitet. Jetzt ziert es mit anderen Modellen sein Arbeitszimmer.
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Der „Big Boy“ der Union Pacific Railroad ist das „Meisterwerk“ von Udo Böhm. Über sieben Jahre hinweg hat er an dem Nachbau gearbeitet. Jetzt ziert es mit anderen Modellen sein Arbeitszimmer.
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Sieben Jahre und 4500 Stunden später ist es geschafft: Udo Böhm ist fertig mit dem Nachbau von einem Big Boy, der stärksten Lok der Union Pacific Railroad. Für den Waldkraiburger ist es das „Meisterstück seines Schaffens“.

Waldkraiburg – Die Wände im Arbeitszimmer von Udo Böhm zieren mehrere verschiedene Loks. Einige kleinere Modelle sind darunter, andere sind um einiges größer. Doch ein Modell sticht deutlich heraus: Es ist der „Big Boy“ der Union Pacific, das jüngste Werk von Udo Böhm. Genietetes Metall, kleinste Inschriften und ein großer Tender – der „Big Boy“ überstrahlt die anderen Modelle in diesem Raum.

Doch schon das Original ist beeindruckend. Es ist 40 Meter land und hat ein Dienstgewicht von 548 Tonnen mit Tender, wie Udo Böhm erklärt. „Diese gigantischen Loks der Union Pacific waren über 6000 PS stark und hatten die Aufgabe, Erz und Kohle in den Rocky Mountains über den Sherman Hill Pass zu transportieren“, erklärt der Maschinenbau-Meister.

1,80 Meter land und 24 Zentimeter hoch

1,80 Meter lang und 24 Zentimeter groß: Den „Big Boy“ hat Udo Böhm im Maßstab 1:22 nachgebaut.

Bevor der „Big Boy“ diese Aufgabe übernahm, mussten drei oder vier Dampfloks vorgespannt werden, um diese Last zu transportieren. „Diese Lok war eine der stärksten und größten Dampfloks, die je gebaut wurden, wovon sogar noch eine in den USA betriebsbereit sein soll.“ Für Udo Böhm war damit klar, dass er diesen Giganten nachbauen will.

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Im Maßstab 1:22 hat das Modell eine Länge von 1,80 Meter und eine Höhe von 24 Zentimetern. Über sieben Jahre hinweg hat er rund 4500 Stunden in seiner Modellbau-Werkstatt in den Nachbau des „Big Boy“ investiert. „Wenn ich nicht mit 63 Jahren in den Ruhestand gegangen wäre, hätte das noch länger gedauert“, sagt der Maschinenbau-Meister.

Wie schon beim Vorgänger-Modell – ein „Schweizer Krokodil“ der Baureihe Be 6/8 II – hat Udo Böhm wieder eine Mischbauweise Alu-Messing und Stahl angewandt. Der Antrieb wird von zwei starken Maxon-E-Motoren über Schneckengetriebe auf acht Achsen verteilt. Alle Räder laufen in Kugellagern. Ein Esu-Modul übernimmt die Steuerung und den Original-Sound.

Das „Schweizer Krokodil“ hat Udo Böhm 2013 fertiggestellt und ist eines seiner besten Stücke.

Als er 2013 das „Schweizer Krokodil“ auf die Schiene gesetzt hat, war ihm klar: „Eine baue ich noch. Dann ist Schluss.“ Sieben Jahre später ist er stolz, dass er den „Big Boy“ noch geschafft hat. „Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich mir da sehr viel zugemutet habe.“

Fast jedes Teil ist handgefertigt

Denn fast jedes Teil dieser riesigen Lok ist von ihm handgefertigt. Die Lok hat 16 angetriebene und 22 mitlaufende Räder, die er alle selbst gefertigt hat. „Ein Treibrad besteht aus sieben Einzelteilen, die dann verlötet und verklebt wurden. Allein der Tender hat mich mehr als zwei Jahre beansprucht.“

Beinahe jedes Teil hat Udo Böhm selbst gefertigt, der Führerstand ist komplett nachgebildet.

Der Führerstand ist komplett nachgebildet. Auch die vielen Nieten waren sehr zeitintensiv, da jeweils ein Loch gebohrt werden musste, ein kleiner Nagel eingeklebt und an der Rückseite der Überstand verschliffen wurde.

An seinem Modell hat er immer von Oktober bis Frühjahr gearbeitet. Dann hat er sich in seine Werkstatt zurückgezogen und sich manchmal das ganze Wochenende mit nichts anderem beschäftigt. Was denkt seine Frau darüber? „Meine Frau ist froh, dass ich ein solches Hobby habe.“

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Mit 68 Jahren geht Udo Böhm nun auch in den Modellbau-Ruhestand. Anstatt sich von Oktober bis März regelmäßig in seine Modellbauwerkstatt zurückzuziehen, nutzt er jetzt um so mehr die Zeit draußen im Freien oder mit seinem Motorrad. Der „Big Boy“ der Union Pacific bleibt damit sein letztes Werk.

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