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In der Minderheit

Ein Blauer unter Roten: Wie ein Waldkraiburger Fußball-Fan treu zu Schalke 04 steht

„So wird bei uns Kaffee getrunken“, sagt Antonia Soballa und grinst, mit der Bayern-Tasse in der Hand, einem „Geschenk“ für ihren Schalke-Fan, der natürlich sein Warmgetränk aus dem blauen Pott zu sich nimmt.
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„So wird bei uns Kaffee getrunken“, sagt Antonia Soballa und grinst, mit der Bayern-Tasse in der Hand, einem „Geschenk“ für ihren Schalke-Fan, der natürlich sein Warmgetränk aus dem blauen Pott zu sich nimmt.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Manfred Soballa aus dem Waldkraiburger Föhrenwinkel ist treuer Fan des FC Schalke 04. Wie hält er das nur aus, mitten im roten Bayern-Revier, in einer Saison, wie sie schlimmer nicht sein könnte?

Waldkraiburg– Wer in den Waldkraiburger Ortsteil Föhrenwinkel einfährt, kann es nicht übersehen, das blaue Logo, das hoch droben von einer Hauswand im Finkenweg grüßt: „S 04“. Jedem, der nur ein bisschen was von Fußball versteht, ist klar: Hier regiert – mitten im roten Bayern-Revier – Schalke Null-Vier. Hier ist Manfred Soballa daheim. Und leidet Wochenende für Wochenende am Niedergang seiner Lieblinge. Die stolzen Knappen sind in der Saison 2020/21 zu den größten Loosern im deutschen Profi-Fußball geworden. Wie hält der Mann das nur aus?

Mit Schalke geboren, neben Schalke gewohnt

„Ich bin mit Schalke geboren. Ich habe gleich neben Schalke gewohnt“, sagt Soballa, der aus Gladbeck stammt und dem die Liebe zu S 04 vom Vater in die Wiege gelegt wurde. Als der Papa aus beruflichen Gründen 1963 mit der Familie nach Bayern umzog, hat sich daran nichts geändert.

Wie in der Nordkurve der Veltins-Arena

Für den Interview-Termin auf der Terrasse hat er sich ausstaffiert, als ginge es in die Nordkurve der Veltins-Arena. Schalke-Trikot, Schalke-Schal, Schalke-Käppi. Das Steigerlied hatte er früher als Klingelton auf dem Handy. Und auf der Kommode im Hintergrund steht ein Geschenk seiner Tochter, ein Schild mit der Aufschrift „Einmal Schalke, immer Schalke“.

Im Stadion hat Manfred Soballa wegen der großen Entfernung sein Team zuletzt 2004 gesehen, beim Gipfeltreffen gegen die Bayern. Die Stehplatz-Karte von damals, als Schalke Vizemeister wurde, hütet er wie einen Schatz, der ihn an bessere Tage erinnert.

Es blieb bei einem mageren Geburtstagsgeschenk

Am 8. Januar hat Soballa Geburtstag. Am 9. Januar landete sein Team den ersten und bisher einzigen Saisonsieg, 4:0 gegen Hoffenheim. „Ich hab gedacht, das ist ein schönes Geburtstagsgeschenk.“ Für kurze Zeit kam noch einmal Hoffnung auf. Doch es kam nichts mehr nach.

Die Fan-Analyse: Der Fisch stinkt vom Kopf

Soballa ist Schalke-Fan, aber er ist auch Realist. Den Klassenerhalt hat er aufgegeben. „Keine Chance, das wird heuer nix mehr. Die haben das versemmelt. Wir steigen ab.“

Woran es liegt? „Der Fisch stinkt vom Kopf.“ Da seien grobe Management-Fehler gemacht worden, vor allem bei der Kaderplanung. „Wir haben die falschen Spieler, das sind keine Kämpfer.“ Und das auf Schalke, wo Malocher mehr gelten als Schönspieler, wo Profis verehrt werden, die mit dem ganzen Herzen dabei sind.

Die guten Schalker laufen für die anderen auf

Die richtigen Spieler laufen für die anderen auf, allein vier aus der Schalker Talentschmiede für den FC Bayern: Neuer, Goretzka, Sané und Nübel. Und fast ein Drittel der Nationalmannschaft stellt Schalke auch. Soballa mag gar nicht dran denken.

Nichts für Schönwetter-Fans

Muss man ein Masochist sein, um Schalke in diesen Zeiten die Treue zu halten? So schlimm ist es selbst im roten Revier dann auch wieder nicht, findet er. „Klar wird man heuer schon mal aufgezogen.“ Doch der 68-jährige, der früher als kaufmännischer Angestellter im Außendienst tätig war, kennt das ja seit jeher. Anhänger von Schalke 04 zu sein, das ist nichts für Schönwetter-Fans.

Erinnerungen an große Tage

Um die schweren Zeiten zu überdauern, helfen auch die Erinnerungen an große Tage der Vereinsgeschichte, an Serienmeisterschaften in grauer Vorzeit, an die Eurofighter, die in den 1990er-Jahren den UEFA-Cup holten, und an klingende Spielernamen wie Stan Libuda, Olaf Thon oder Raul. Sie haben es dem Manni, der selber mal als Linksaußen aktiv war, besonders angetan.

Lesen Sie auch: Wasserburger Geschäftsleute ärgern sich über wechselnde Öffnungsregeln: „So ein Kasperltheater!“ (Plus-Artikel OVB-Online)

Und nach dem Abstieg geht es eh wieder nach oben. „Glück auf“, heißt es schließlich im Vereinslied.

Respekt vor den Sechzigern

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Da tickt Soballa ähnlich wie die Sechziger, die ihm im übrigen näher sind als die Bayern-Anhänger, nicht nur wegen der blauen Vereinsfarbe. Wer weiß, ob Bayern-Fans eine solche Durststrecke wie die Schalker überhaupt durchhalten und nicht in Scharen von ihrem Club abfallen würden? Die Frage stellt Soballa mal in den Raum.

Das S 04-Logo an der Hauswand bleibt

Das Vereinslogo, auf das er so oft angesprochen wird, bleibt jedenfalls an der Wand. Keine Minute hat er drüber nachgedacht, es zu entfernen. Vor einigen Jahren hatte es Sohn Eduard, gelernter Maler, angebracht. Als Bub war der einst Bayern-Fan. „Er hat sogar Bayern-Bettwäsche von mir gekriegt. Irgendwann ist er dann umgestiegen. Und heute ist er fast fanatischer als ich.“ Auch ein Enkel drückt S 04 die Daumen und noch einer aus dem Ortsteil. Der Föhrenwinkel scheint eine Schalker Hochburg zu sein.

Seine Frau hat er noch nicht bekehrt

Nur eins hat Manfred Soballa noch nicht geschafft: seine Frau Antonia zu Schalke zu bekehren. „Ich bin und bleibe Bayern-Fan“, sagt sie lachend.

Die Minusbilanz

Wenn er in dieser Saison Woche für Woche übers Handy verfolgt oder beim Sohn Sky schaut, wie sich Schalke 04 schlägt, kommt bei Manfred Soballa keine Freude auf. Sieben Spieltage vor Ende der Saison steht Schalke abgeschlagen am Tabellenende, es fehlen schon 15 Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz. Nur ein Sieg und sieben Unentschieden stehen bisher zu Buche, dazu 19 Niederlagen. Es ist eine einzige Katastrophe. Nur ein Verein, Tasmania Berlin, schlug sich bisher in einer Bundesliga-Geschichte noch schlechter. Und um ein Haar hätten die Schalker sogar dessen Minusrekord von 31 Spielen ohne Sieg am Stück geknackt.

hg

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