Alternative Energien

Durchbruch geschafft: Vor zehn Jahren stößt die Stadt Waldkraiburg auf heißes Wasser

Mit 110 Grad Celsius erreichte das Wasser die Erdoberfläche. Enorm viel Dampf entwich, den Anwohner vor zehn Jahren mit Rauch verwechselt hatten. Die Feuerwehr rückte an.Klika
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Mit 110 Grad Celsius erreichte das Wasser die Erdoberfläche. Enorm viel Dampf entwich, den Anwohner vor zehn Jahren mit Rauch verwechselt hatten. Die Feuerwehr rückte an.Klika
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Mit der Suche nach heißem Wasser hat die Stadt Waldkraiburg vor zehn Jahren ein neues Kapitel aufgeschlagen. Trotz der guten Vorarbeit kamen bei Altbürgermeister Siegfried Klika gelegentlich Zweifel durch, ob das Projekt erfolgreich sein wird. Am 11. November vor zehn Jahren gelang der Durchbruch zu der Lagerstätte.

Waldkraiburg – „Mir ist damals das Matterhorn vom Herzen gefallen“, erinnert sich Altbürgermeister Siegfried Klika. Er hatte von Anfang an die Idee einer Geothermie in Waldkraiburg entscheidend vorangetrieben, nachdem Umweltdiskussionen und regenerative Energieformen in der Gesellschaft immer mehr an Gewicht gewannen.

Die Idee war nicht neu, denn als in den 1950er Jahren im Landkreis nach Erdöl gebohrt wurde, war klar, dass es dort heißes Wasser geben muss. Doch erst 60 Jahre später zapfte die Stadt Waldkraiburg diese Quelle an, um einen ökologischen Beitrag zu leisten.

Voll mit Schlamm war das Wasser zunächst, das aus der Tiefe nach oben strömte.

Krisensitzung nur einen Tag vorher

Im August 2010 startete die erste Bohrung neben der Kläranlage. „Durch den Bohrplan war klar, wann wir die Endtiefe erreichen“, erklärt Siegfried Klika. Kurz vor der Endtiefe von 2600 Metern wollten gerne Bürgermeisterkollgen aus dem Landkreis die Baustelle besichtigen. Klika war dabei nicht ganz wohl. „Ich hatte mir schon Gedanken darüber gemacht, dass es Gelächter geben wird, wenn kein Wasser kommt.“

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Doch seine Sorgen sollten am Ende unbegründet sein. „Die Lokomotive dampft – mit diesen Worten hat mich vor zehn Jahren der damalige Stadtwerke-Chef Norbert Weigl informiert, dass man auf heißes Wasser gestoßen ist“, erinnert sich Klika. Begeisterung machte sich bei ihm breit, zumal es nur einen Tag vorher eine Krisensitzung gegeben hat. „Bei der angesetzten Tiefe von rund 2600 Metern waren wir noch nicht fündig.“

Die Suche barg ein Risiko

Was also tun? Weiterbohren oder aufgeben? Schnell wurden die Kosten überschlagen, was eine Bohrung 50 Meter weiter in die Tiefe kosten würde. Ein Risiko, das man noch auf sich nehmen wollte und sich schlussendlich auch bezahlt gemacht hat.

„Nach etwa weiteren zehn Metern war der Erfolg da.“ Und damit natürlich bei Klika eine große Erleichterung. Denn eins war ihm klar: Hätte man erfolglos das fünf Millionen teure Geothermie-Projekt beenden müssen, hätte dies wohl sein politisches Ende bedeutet.

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Die ersten zwei Stunden, nachdem die Bohrung auf die Lagerstätte gestoßen war, waren „enorm“. „Es war so viel Wasser, dass nicht einmal gepumpt werden musste“, sagt Siegfried Klika. Auch der Auffangbehälter ging schnell über.

Eine „gewaltige Aktion“ wie es Klika heute nennt. „Es kam zunächst so viel Dampf mit, dass halb Waldkraiburg eingenebelt war.“ Das blieb in der Stadt natürlich nichtunbemerkt. Denn weil es schwierig war, den Dampf von Rauch zu unterscheiden, riefen Anwohner die Feuerwehr.

Zu kalt für die Verstromung

Mit einer Temperatur von 110 Grad erreicht das Wasser aus einer Tiefe von rund 2600 Metern die Oberfläche. Genug für die Wärmeversorgung, für eine Verstromung müssten es 120 Grad Celsius sein. Enttäuscht ist man darüber weniger: „Die Stromversorgung ist weniger eine kommunale Aufgabe“, sagt der ehemalige Stadtwerke-Chef Norbert Weigl. Eine Wärmeversorgung hingegen schon.

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In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Geothermie zu einem Erfolgsprojekt entwickelt. Derzeit umfasst laut Stadtwerke-Chef Herbert Lechner das Fernwärmenetz eine Länge von 15,2 Kilometern an Hauptleitungen sowie 6,5 Kilometern an Hausanschlussleitungen. Von der Fläche der Stadt Waldkraiburg ist damit etwa ein Drittel erschlossen.

Neben den öffentlichen Einrichtungen (Schulen, Kindergärten, Waldbad, Schwimmhalle), Alten- und Pflegeheime werden bereits 2700 Wohneinheiten mit unserer heimischen Wärme versorgt. Die geothermale Wärmenutzung habe sich von anfänglich rund 13 200 000 kWh auf nunmehr rund 30 700 000 kWh mehr als verdoppelt.

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