Dschingis Khans Zweitwohnsitz am Inn

Vor der prachtvoll geschmückten Tür seiner mongolischen Jurte: Thomas Hinterleitner.
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Vor der prachtvoll geschmückten Tür seiner mongolischen Jurte: Thomas Hinterleitner.

In Bergham steht eine mongolische Jurte. Hat hier etwa Dschingis Khan seinen Zweitwohnsitz am Inn und damit sein Lager aufgeschlagen?

Aschau - Lamas als Tragtiere zum Wandern geben einem Exoten einen praktischen Zweck, aber wozu braucht man eine Jurte? In Bergham steht so ein mongolisches Zelt und die Besitzer, Thomas Hinterleitner und Tanja Wallner, geben gerne Auskunft darüber.

Das Prachtstück mongolischer Handwerkskunst steht dort etwa seit einem Jahr und war auch schon vom Wintersturm etwas ramponiert worden. Nun strahlt der traditionelle Wohnsitz - mit seinen sechseinhalb Metern Durchmesser ursprünglich für eine Großfamilie ausreichend - wieder in voller Pracht am Inn. "Geübte Mongolen bauen das Objekt zu zweit auf, bei uns braucht es mehr Leute, das filigrane Teil zusammenzusetzen", erklärt Thomas Hinterleitner, der daneben in einem normalen Haus wohnt.

Es besteht aus einem festen Türstock, an den ein Kreis aus verschränkten Latten - ähnlich einem Jägerzaun - angebaut wird. Dann wird die "Krone", ein waagerechtes Rad auf zwei Pfosten, gesetzt und daran strahlenförmig die knapp hundert Latten des konischen Dachs eingesteckt und am "Jägerzaun" befestigt.

Die Außenflächen werden mit einem dicken Filz aus Yakwolle abgedeckt und mit einer Plane geschützt, sodass der Regen ablaufen kann. "So schläft es sich auch wunderbar und man ist schneller ausgeruht", so Hinterleitner.

Wird durch ein Segment der Krone ein Ofenrohr gesteckt, kann der Raum mit einem Herd beheizt werden. Zum Umzug braucht es in der Mongolei ein bis zwei Lasttiere und schon ist der ganze Haushalt auf Wanderschaft.

In Bergham steht die Jurte an ihrem festen Standort. Auf einem Streifen zwischen ihren zwei kleineren Feldern betreiben die Besitzer nebenberuflich biologischen Landbau mit dem Schwerpunkt alte, traditionelle Gemüsesorten. Hauptberuflich ist der Jurten-Fan Landschaftsgärtner. Das Grundstück und seine Lage sind geomantisch untersucht worden. Geomantik bedeutet "Weissagung aus der Erde" und ist in der Esoterik eine Form des Hellsehens, bei der Markierungen und Muster in der Erde oder Sand, Steine und Boden zum Einsatz kommen (Anm. d. Red.).

Und Hinterleitner sieht in dem Mittelstreifen mit Kräuterhügel, Miniteich und Jurte auch ein Kraftzentrum. fng

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