LANDGERICHT TRAUNSTEIN

Drogen für den Raum Waldkraiburg: Mann ein zweites Mal auf der Anklagebank

Übermäßigen Konsum von Kokain und Alkohol attestieterte der Gutachter dem Angeklagten. Unbehandelt sei die Wiederholungsgefahr für Straftaten hoch.
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Übermäßigen Konsum von Kokain und Alkohol attestieterte der Gutachter dem Angeklagten. Unbehandelt sei die Wiederholungsgefahr für Straftaten hoch.

Ein 47-jähriger Albaner hat im August 2019 ein Ehepaar aus Aschau nach Düsseldorf geschickt, um Heroin und Kokain für ihn abzuholen. Die Kurierfahrt flog auf. Die drei Beteiligten wurden 2020 zu Haftstrafen verurteilt. Der Haupttäter, der Revision eingelegt hatte, saß nun erneut in Traunstein auf der Anklagebank.

Traunstein/Waldkraiburg/ Aschau – Die Erste Strafkammer des Landgerichts Traunstein mit Vorsitzender Richterin Heike Will ordnete – abweichend vom Ersturteil – jetzt doch seine Unterbringung in einer Drogen- und Alkoholentzugsanstalt an.

BGH: Fall zurück nach Traunstein

Die Sechste Strafkammer hatte im April 2020 auf eine Freiheitsstrafe von acht Jahren für den Mann erkannt, eine Unterbringung jedoch abgelehnt. Gegen das 36 und 31 Jahre alte Ehepaar wurden Haftstrafen von zwei Jahren drei Monaten und von zweieinhalb Jahren verhängt. Das Paar akzeptierte die Strafen.

Der Albaner hingegen legte Rechtsmittel ein. Der Bundesgerichtshof hatte im Oktober am Urteil im Kern nichts auszusetzen. Die Frage der Unterbringung wegen eventueller Drogenprobleme müsse jedoch nochmals geprüft werden, so der BGH, der die Causa an eine andere Traunsteiner Kammer zurückverwies.

Heroin und Kokain im Rucksack

Im Zusammenhang mit Drogenermittlungen im Raum Waldkraiburg/Aschau war die Kripo Mühldorf auf den 47-jährigen Kellner gekommen. Er hatte als Untermieter der Eheleute ein Dachgeschosszimmer in deren Wohnung. Der Albaner brachte das unter Geldsorgen leidende Paar dazu, ihn für 600 Euro mit einem von ihm bezahlten Mietwagen nach Düsseldorf zu chauffieren. Er blieb bei seiner Schwester in Viersen, während das Paar die Rückreise antrat.

In einem Hotel am Autohof Geiselwind tauchte am 29. August 2019 nachts gegen 3.10 Uhr die Polizei auf. In dem Kurierfahrzeug stießen die Fahnder auf einen Rucksack des 47-Jährigen, darin 995 Gramm Heroin und 89 Gramm Kokain.

In der Wohnung verhaftet

Kurz darauf klickten auch für den Albaner die Handschellen. Beamte der Kripo Mühldorf fanden in seinem Dachzimmer in Aschau in einer Couch 853 Gramm Marihuana. Auf einem Regal in der Nähe des Verstecks lagen griffbereit zwei Messer, darunter ein verbotenes Springmesser. In dem ersten Prozess wurde der 47-Jährige deshalb auch des „bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ für schuldig befunden.

Bereit für Entzzugstherapie

Weder in dem ersten noch in dem neuen Prozess äußerte sich der 47-Jährige zum Sachverhalt der Anklage. Nach Deutschland war er 2017 gekommen. Er ist inzwischen mit einer Deutschen liiert. In der Justizvollzugsanstalt Straubing bemüht er sich, seine Deutschkenntnisse zu verbessern, wie Verteidiger Dr. Hartmut Wächtler aus München betonte. Außerdem sei sein Mandant zwischenzeitlich bereit, eine Entzugstherapie zu absolvieren.

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Beim psychiatrischen Sachverständigen, Dr. Stefan Gerl vom Bezirksklinikum in Gabersee, hatte der Angeklagte in der ersten Begutachtung jegliche Behandlung abgelehnt und erklärt, er werde nach seiner Haftentlassung mit dem Konsum von Kokain und Alkohol weitermachen wie früher. Vor diesem Hintergrund hatte der Gutachter in der ersten Hauptverhandlung eine Unterbringung verneint. Davon rückte Gerl nun ab. Er attestierte dem 47-Jährigen einen „Hang im Übermaß“ zu Drogen und Alkohol. Unbehandelt sei die Wiederholungsgefahr für ähnliche Straftaten hoch. Nachdem der Angeklagte mittlerweile therapiebereit sei, seien die Voraussetzungen für eine Unterbringung zum Entzug erfüllt, so Gerl.

Angeklagter: „Wenn ich kriege Therapie, stehe ich im Wort.“

Diesem Ergebnis trugen alle Prozessbeteiligten in den Plädoyers und im Urteil Rechnung. Staatsanwalt Dr. Ralf Burkhard hob heraus, das Problem seien die Erfolgsaussichten einer Therapie. Der 47-Jährige befinde sich seit Ende August 2019 in Untersuchungs-, beziehungsweise Strafhaft: „Er hat es sich offenbar überlegt. Man möge es versuchen.“ Die Unterbringung sei letztlich ein Geschenk, das den Steuerzahler Geld koste. Verteidiger Wächtler konstatierte: „Ausschlaggebend ist die Frage des Erfolgs. Der Angeklagte hat die Kurve gekriegt. Das bedeutet noch keine Sicherheit, ist aber eine Chance für meinen Mandanten.“ Im „letzten Wort“ beteuerte der Kellner: „Wenn ich kriege Therapie, stehe ich im Wort.“

Angeklagter erhält Chance auf Therapie

Die Vorsitzende Richterin orientierte sich im Urteil an dem Gutachten. Werde die Suchtproblematik nicht behandelt, bestehe die Gefahr gleich gelagerter Straftaten. Heike Will weiter: „Knackpunkt des Verfahrens ist, ob ein ausreichender Therapieerfolg angenommen werden kann.“ Der 47-Jährige habe sich in der Haft offensichtlich besonnen. „Geben wir ihm die Chance zu einer Therapie.“ Damit der Angeklagte danach nicht nochmals in Strafhaft muss, ordnete die Kammer einen Vorwegvollzug von zweieinhalb Jahren an. Nachdem die Untersuchungshaft berücksichtigt wird, bedeutet das noch etwa ein Jahr im Gefängnis. Zunächst war das dem Albaner zu viel. Als ihm der Verteidiger klarmachte, es gehe nicht anders, nahm er das Urteil an – das bereits rechtskräftig ist.

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