Differenzen um Rücktritt

Der überraschende Rücktritt des Zweiten Kommandanten der Feuerwehr Jettenbach, Andreas Eicher (wir berichteten), hat für Aufregung in der Gemeinde gesorgt. Auch weil die Gründe für seinen Rücktritt unterschiedlich bewertet werden.

Jettenbach - Kommandant Vitus Lackmaier sagt, Eicher sei aus persönlichen Gründen zurückgetreten. Der Kommandant möchte aber eigentlich nicht, dass der Rücktritt weiter "breit getreten wird", die Feuerwehr habe dadurch Probleme genug. Er sagt ganz offen, dass Andreas Eicher zwar offiziell nur der Zweite Kommandant gewesen sei, aber die meiste Arbeit geleistet habe. "Wir müssen jetzt sehen, wie wir das Loch, dass er hinterlässt, ausfüllen können."

Auch Bürgermeister Alfons Obermaier räumt ein, dass Eicher der maßgebliche Mann bei der Feuerwehr ist. "Er hat viel getan für die Feuerwehr." Doch Obermaier meint auch, dass Eicher "seine eigenen Vorstellungen" habe. Und dazu gehörte nach Obermaiers Meinung eben auch ein neues Löschfahrzeug. Dabei ist die Feuerwehr, laut Obermaier, "dermaßen gut ausgerüstet". Sie werde jetzt auch noch drei neue Tore für das Feuerwehrhaus mit elektrischem Antrieb bekommen.

Der Bürgermeister berichtet weiter, dass er von Kreisbrandrat Karl Neulinger Informationen haben wollte, ob die Feuerwehr tatsächlich ein neues Löschfahrzeug brauche. Dieser habe ihm mitgeteilt, dass die Zahl der Einsätze die Anschaffung nicht rechtfertige. Aus Sicht von Obermaier "akzeptieren auch die Bürger ein neues Löschfahrzeug nicht. Sogar in der Feuerwehr gehen die Meinungen auseinander."

Am Tag vor der Gemeinderatssitzung habe er (Obermaier) ein langes Telefonat mit Andreas Eicher geführt und ihn über das Ergebnis des Gespräches mit Kreisbrandrat Neulinger informiert. "Es war ein sachliches Gespräch, bei dem kein böses Wort gefallen ist", beschreibt es Bürgermeister Obermaier. Deshalb war er ziemlich überrascht, als am nächsten Tag die Kündigung von Andreas Eicher als Zweiter Kommandant auf seinem Schreibtisch lag.

Obermaier bedauert den Rücktritt, sagt aber auch, dass Eicher in der Feuerwehr bereits signalisiert habe, dass er im Herbst bei der Jahresversammlung zurücktreten wolle.

Andreas Eicher sieht die Gründe ganz woanders. Für ihn sei fehlendes Vertrauen der Grund für seinen Rücktritt gewesen. Seit seinem 16. Lebensjahr sei er für die Feuerwehr ehrenamtlich engagiert, seit über fünf Jahren als Zweiter Kommandant. Diese Tätigkeit hätte er auch durchaus noch gerne ein paar Jahre weiter ausgeübt. Jedoch wurde es, so Eicher, in den vergangenen Jahren zunehmend schwieriger, mit Bürgermeister Obermaier konstruktiv und fair zusammenzuarbeiten. Dies gipfelte darin, dass weder Eicher noch der Erste Kommandant wussten, dass zur Gemeinderatssitzung Kreisbrandrat Neulinger eingeladen wurde.

Da es zu keiner Zeit ein Vorgespräch zwischen Bürgermeister und der Führungsmannschaft der Feuerwehr gegeben habe, sei dieses Vorgehen, sowohl zeitlich als auch taktisch, absolut unangebracht und nicht hinnehmbar. Bürgermeister und Kommandant müssen aber vertrauensvoll zusammenarbeiten. Deshalb reichte Eicher seine Kündigung als Zweiter Kommandant ein: "Mangelnde konstruktive Zusammenarbeit sowie fehlendes Vertrauen zwischen der Gemeinde Jettenbach und meiner Person", heißt es dort. Der Rücktritt hat folglich nichts mit der Fahrzeugfrage zu tun, so Eicher.

Zu dem neuen Löschfahrzeug sagt er: Kein Aktiver der Feuerwehr spreche davon, dass Jettenbach sofort ein Fahrzeug braucht. Der Wunsch war und ist, das alte Löschfahrzeug LF8 durch ein wesentlich kleineres und günstigeres TSF (Tragkraftspritzenfahrzeug) in fünf bis sechs Jahren zu ersetzen. Der von Neulinger vorgeschlagene Mannschaftsbus biete allerdings für feuerwehrtechnische Beladung keinen Platz.

Eicher betont, dass es ihm sehr leid um die aktive Mannschaft der Feuerwehr Jettenbach tue. "Sie ist eine super Gruppe und hat eine solche öffentliche Diskussion absolut nicht verdient." hsc

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