Die Wahrheit liegt aufm Platz

Das ausgefallene Oktoberfest ist kaum vorbei. Da heißt es in Waldkraiburg: „O’zapft is!“ Im übertragenen Sinn.

Die Stadt ist gerade dabei, 2021 ein neues Kapitel ihrer Volksfestgeschichte aufzuschlagen. Wenn Corona es zulässt. Dass Bürgermeister und Stadtrat die Ära Mörz nicht mehr fortsetzen wollten, kann keine Überraschung sein. Zuletzt gab es zu viele Diskussionen um, zu viel Kritik an der Festhalle. Der erhoffte Neuanfang blieb aus. Die Wiesnbesucher stimmten mit den Füßen ab, viele blieben weg.

Jetzt kommt also ein neuer Festwirt. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Ein Münchner Unternehmen hat sich in Stellung gebracht. Dessen Referenzen lesen sich tatsächlich vielversprechend. Doch was im Fußball gilt, das gilt auch für die Waldkraiburger Wiesn: Die Wahrheit liegt aufm Platz! Hier muss das Angebot passen, das ein bekannt kritisches Volksfestpublikum überzeugen kann: im Service, im kulinarischen Bereich, im Musik- und Rahmenprogramm.

Das richtige Programm – darum wurde lange auch beim Waldbad gerungen. Vom Charakter dieses Bades, das einmal als modernstes Freibad Süddeutschlands galt, wollte die von der Stadt beauftragte Projektgruppe bei der Sanierung so viel wie möglich erhalten. Wenn denn schon das Wellenbecken aus Kostengründen gestrichen werden muss, sollte wenigstens der Zehn-Meter-Turm und das Sportbecken mit Arena-Charakter bleiben.

Der Stadtrat folgt diesem Vorschlag. Und deshalb war es auch folgerichtig, nichts offen zu lassen und für einen Realisierungswettbewerb diese Vorgaben ausdrücklich in den Beschlüssen festzuhalten. Und eindeutig festzuschreiben, dass der Stadtrat im Verfahren den Hut aufhat. Schon deshalb, um bei diesem konfliktträchtigen Thema nicht wieder neues Potenzial für Streitigkeiten zu schaffen.

Es wird ohnehin schwierig genug, die Vorgaben umzusetzen, mit den Anforderungen der Zuschussgeber in Einklang zu bringen und baurechtlich alles in trockene Tücher zu bringen. Überschattet wird das Projekt von einem enormen Zeitdruck. Bis 2024 ist kein Puffer mehr für weitere Verzögerungen.

Was macht den Unterschied zur Bananenrepublik? Das Recht. Und das ist gut so. Und trotzdem hat der Bauausschuss richtig gehandelt, als er sich zur Duldung vor Jahrzehnten schwarz gebauter Hühnerställe in einem Wohngebiet durchgerungen hat. Federvieh darf man dort halten. Ein Abriss der Schuppen entspricht geltendem Recht, wäre aber unverhältnismäßig. Er hätte bedeutet, dass ein 85-jähriger Mann die Tiere, die ihm über alles gehen, verloren hätte.

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