Die Nummer eins

Tour de France? Etappensiege?

Das gelbe Trikot? Interessiert uns nicht. Ab sofort zählt nur noch die Tour de Waldkraiburg. Stadtradeln, die fünfte. Seit 2016 wird für die Gesundheit und fürs Klima geradelt. Immer mehr springen auf das fahrende Rad auf. Gerade mal 49 Teilnehmer waren es bei der Premiere. Landkreisweit. 2019 strampelten schon Hunderte von Beinen mit. Allein in Waldkraiburg. Über 50 000 Kilometer kamen in drei Wochen zusammen. Mehr als 100 000 im Landkreis. 14 Tonnen CO2-Einsparung.

Diese Rekorde werden 2020 wackeln. Ach was. Unter die Räder werden sie kommen. Falls in den nächsten Wochen nicht sintflutartige Regenfälle, Nebelbänke oder andere Wetterkapriolen Outdoor-Aktivitäten jeglicher Art nachhaltig beeinträchtigen sollten. Andererseits, eine der wenigen Massenbewegungen, die nicht einmal Corona stoppen konnte, lässt sich selbst davon vermutlich nicht aufhalten.

Schließlich geht es um was. Wie gesagt, um Fitness und Klima. Und um Platz eins. Vor Mühldorf. Beim Stadtradeln ist Waldkraiburg nämlich gewissermaßen der FC Bayern unter den Landkreis-Kommunen. Immer vorn. Immer oben. Da lohnt es sich schon mal, drei Wochen lang den inneren Schweinehund zu überwinden und ordentlich in die Pedale zu treten. Waldkraiburger Patrioten, die beim Stadtradeln bisher abseits standen, sollten an dieser Stelle in sich gehen. Anmeldungen www.stadtradeln.de sind noch immer möglich. Jeder Kilometer zählt.

Die Nummer eins im Landkreis ist Waldkraiburg auch im Eishockey. Weil das so ist, halten die Fans den Löwen nach einer – coronabedingt – abgebrochenen Saison die Treue in der nächsten Spielzeit. Die ist ebenfalls voller pandemischer Unwägbarkeiten. Wer weiß, was das Virus noch anstellt.

Die 200 Dauerkarten, die der Club verkaufen darf, sind trotzdem weg. Denn die EHC-Fans sind schon infiziert. Vom Spirit ihrer Mannschaft. Während andernorts nämlich Drohungen im Raum standen, die Schläger gar nicht erst aus der Sporttasche zu holen, wenn‘s wegen Corona viel weniger Geld gibt, wollen die Löwen, fast alles Waldkraiburger Jungs, auf die Aufwandsentschädigung verzichten. Solange, bis wieder mindestens 350 zahlende Zuschauer ins Stadion dürfen. Wie die Saison auch immer ausgeht: Die Aktion macht das Team zur Nummer eins.

Absoluter Landkreis-Spitzenreiter ist Waldkraiburg auch auf einem ganz anderen Feld: Der Volksfestplatz, der heuer seiner eigentlichen Bestimmung so gar nicht gerecht werden konnte, ist längst Demo-Hotspot Nummer eins. Nächste Woche sind schon wieder zwei Kundgebungen angekündigt. Ein Freitag der Jugend für die Zukunft und ein Samstag gegen die Altersarmut. Da behaupte noch jemand, in diesem Land dürfe niemand den Mund aufmachen.

Im Gegenteil, jeden Unsinn darf man verbreiten und auf die Straße tragen. Ein Beispiel: „Netzsch vergesellschaften!“ lautet eine Forderung auf dem Plakat, mit dem die „Fridays for Future“-Kreisgruppe Mühldorf für die Demo wirbt. Na, was ist das denn für eine Nummer. Geht’s um Klimaschutz, um pure Provokation oder legt es da jemand drauf an, die lokale „Fridays for Future“-Bewegung lächerlich zu machen?

Kommentare