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Mammutmarsch

Der „Duracell-Schlumpf“ von Waldkraiburg: Melanie Mairock wandert 100 Kilometer in 24 Stunden

Ein bisschen stolz ist Melanie Mairock schon auf ihre viele Abzeichen und Urkunden.
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Ein bisschen stolz ist Melanie Mairock schon auf ihre viele Abzeichen und Urkunden.
  • VonUrsula Huckemeyer
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100 Kilometer. In 24 Stunden. Zu Fuß. Wer sich dieser Herausforderung stellt, braucht eine gute Kondition und passendes Schuhwerk. Auch die Waldkraiburgerin Melanie Mairock schnürt regelmäßig für solche Mammutmärsche ihre Schuhe. Ihre Sportlichkeit hat sie erst in der Pandemie für sich entdeckt.

Waldkraiburg – Ihren Füßen muss sie selbstverständlich Gutes tun, wenn Melanie Mairock ihre neue Leidenschaft, innerhalb von 24 Stunden 100 Kilometer zu marschieren, ausübt. „Daheim brauche ich dann unbedingt Ruhe, ein heißes Bad und meine Füße einen geschmeidigen Balsam“, gibt die 49-Jährige zu, die von sich behauptet, eigentlich gar nicht zu den Sportlichen des Landes zu gehören.

Wenn es um sportliche Ambitionen geht, muss die Leiterin eines Supermarktes nämlich tief in ihren Erinnerungen kramen. In „grauer Vorzeit“ gehörte sie einst der Mühldorfer Inntalia als Tänzerin und später als Garde-Trainerin an. Das war´s dann auch schon mit sportlichen Glanzleistungen. Eigentlich ist Nachbarin Bianka schuld, dass die Waldkraiburgerin überraschenderweise nun wieder auf dem Leistungsparkett erscheint.

An immer längere Strecken gewagt

Die Nachbarin animierte Melanie Mairock während der Pandemie zu lockeren Spazierrunden. Dass sich Spaziergänge in Dauermärsche verwandeln würden, hätte die Marktleiterin nicht für möglich gehalten. Doch urplötzlich erwachte in ihr der Ehrgeiz. Grenzen mussten ausgelotet werden.

Die Nachbarin warf das Handtuch, Melanie Mairock wagte sich auf immer längere Strecken und heimste dafür Abzeichen und Plaketten ein. Die 49-Jährige erfuhr von Events, die sich Mega- oder Mammutmarsch nennen. Dabei geht es darum, innerhalb von 24 Stunden 100 Kilometer zu marschieren. Ohne Schlaf. Nur für Verpflegung und für den Toilettengang sind kleine Pausen möglich. Bei Bedarf ist ärztliche Versorgung gewährleistet.

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Übers Internet klinkte sich die Mutter eines erwachsenen Sohnes bei den Megaschlümpfen ein, die eine deutschlandweite WhatsApp-Gruppe in Sachen 100 Kilometer Märsche betreiben. Begeistert berichtet sie: „Freilich sind das alles fremde Leute für mich. Aber wir haben ein gemeinsames Grundthema, das uns verbindet“.

Mittlerweile wird sie bei Insidern als „Duracell-Schlumpf“ bezeichnet, weil sie eine hohe Betriebsdauer aufweisen kann. Mit zahlreichen Wanderungen machte sich die Waldkraiburgerin fit für die ersten Spezial-Märsche, die aufgrund der Corona-Beschränkungen virtuell abgelaufen sind. Mit einer Sportuhr werden die GPS-Daten erfasst und an den Veranstalter übermittelt, Urkunde und Medaille kommen per Post. Bei einem ihrer virtuellen Märsche wurde Melanie waschelnass. Sie geriet in einen Dauerregen, blieb aber optimistisch: „Wenn sich das Wasser vom Gehen in den Schuhen erwärmt, ist das auch ein gutes Gefühl.“

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Ob Dauermärsche tatsächlich gesund sind? Diese Frage sei nur individuell zu beantworten, stellt Dr. Eckhart Schröter, Chefarzt für Sportorthopädie und Gelenkchirurgie an der Klinik Mühldorf fest. „Gehen ist unsere natürliche Fortbewegungsart. Es kommt auf die körperliche Verfassung sowie das Training an. Ausdauerleistungen können natürlich trainiert werden.“ Man solle strukturiert und mit Köpfchen an Trainingsprogramme herangehen. Eine sportmedizinische Untersuchung und eine Leistungsdiagnostik wären durchaus angezeigt.

Melanie Mairock sieht für sich bei ihren neuen sportlichen Ambitionen positive gesundheitliche Aspekte. „Vielleicht nicht beim 100 Kilometer-Marsch, aber bestimmt aufgrund der häufigen Bewegung an der frischen Luft“, meint sie. Für Dr. Schröter ist regelmäßige Bewegung ebenfalls das A & O in Sachen Gesundheit. Er erklärt: „Wer dreimal pro Woche eine dreiviertel bis eine Stunde Nordic Walking betreibt oder Fahrrad fährt, ist gut dabei“.

Nächster Start ist in Stuttgart

Anfang August startete die Blondine bei ihrem ersten realen Event. Den Mammutmarsch in München bewältigte sie ohne größere Blessuren in 20 Stunden und 53 Minuten. Derart motiviert meldete sich die Waldkraiburgerin zu einem Marsch an, der Mitte August von München nach Mittenwald ging. „Leider plagten mich Rückenschmerzen, sodass ich die Strecke zwar in der vorgegebenen Zeit schaffte, aber trotzdem war ich von mir ein bisschen enttäuscht, weil mein letzter Marsch ja um einiges besser lief.“

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Vom Wettkampfmodus angestachelt steht Melanie Mairock jedoch bereits Mitte September in Stuttgart wieder in den Startlöchern. Im Rucksack Bananen, Müsliriegel und Wasser und im Kopf jede Menge Motivation. „In meinem Freundeskreis heißt es schon, ich hätte einen Knall, aber das macht mir nichts aus.“

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