„Das Geld roch wie frisch gewaschen“

Der Prozess um Kokain und Heroin, das in Waldkraiburg verteilt werden sollte, geht am Dienstag weiter.
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Der Prozess um Kokain und Heroin, das in Waldkraiburg verteilt werden sollte, geht am Dienstag weiter.

Traunstein/Waldkraiburg – Zusätzliche Ermittlungen waren notwendig in einem Drogenprozess der Sechsten Strafkammer am Landgericht Traunstein gegen zwei teilgeständige 36 und 22 Jahre alte Albaner, die von März bis Anfang Dezember 2019 im Raum Waldkraiburg Betäubungsmittelkonsumenten im großen Stil mit Heroin und Kokain versorgt haben sollen.

Das Gericht mit Vorsitzender Richterin Jacqueline Aßbichler hörte am Donnerstag neben weiteren Zeugen auch von der Polizei aufgezeichnete Mitschnitte von langen Telefonaten in albanischer Sprache an, die ein Dolmetscher anschließend übersetzte. In der Hauptverhandlung geht es um drei Tatkomplexe mit weiteren, teils schon in gleicher Sache verurteilten Mittätern. Die Hauptverhandlung wird am Dienstag, 3. November, um 15 Uhr, fortgesetzt.

Im Zug der Ermittlungen hatten Rauschgiftfahnder bei Durchsuchungen Bargeld in Höhe von 9000 Euro sowie 485,4 Gramm Kokain und kleine Mengen Heroin sichergestellt. Zwölf verkaufsfertige Kunststoffplomben mit Heroin mit einem Gewicht von insgesamt 12,1 Gramm hatte angeblich der 22-Jährige in einem Trafohäuschen nahe eines Kinderspielplatzes in der Stadt versteckt. In der Wohnung des älteren Mannes stießen Kripobeamte im Schlafzimmer auf die große Menge Kokain.

Der 36-Jährige soll mindestens neunmal je 100 Gramm der beiden gefährlichen Betäubungsmittel über mehrere Kuriere von einem anderweitig verfolgten Lieferanten bezogen haben. Den gewinnbringenden Weiterverkauf an Drogenkonsumenten in Waldkraiburg und Umgebung soll der 22-Jährige übernommen haben. War er verreist, sollen der 36-Jährige und ein unbekannter weiterer Täter eingesprungen sein. Den Endverkaufspreis je Gramm beziffert Staatsanwältin Linda Arnótfalvy in der Anklage mit 70 Euro für Kokain und 50 Euro für Heroin.

Erst letzte Woche hatte die Strafkammer gegen drei andere an den Rauschgiftgeschäften Beteiligte Haftstrafen verhängt. Einer der Verurteilten bestätigte im Zeugenstand seine eigene Rolle im zweiten Tatvorwurf. Dabei ging es um die Übernahme eines wie ein „Ziegelstein“ aussehenden, in Plastik verpackten Drogenpäckchens mit Kokain oder Heroin sowie einer Tüte Marihuana durch den 36-Jährigen, das seine frühere Lebensgefährtin in Ismaning bei München für ihn aufbewahrt hatte. Die Frau berichtete in einer Vernehmung bei der Polizei, sie habe neben dem „Ziegelstein“ zeitweise 81 000 Euro in bar in Verwahrung genommen. „Zwei Typen“ hätten das Geld später abgeholt, sagte die Frau dem Polizeizeugen. Dieser erinnerte sich an ein ungewöhnliches Detail: „In einer Handtasche haben wir bei ihr 1900 Euro gefunden. Das Geld roch wie frisch gewaschen.“ kd

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