Leinenpflicht für Hunde soll Rehe bei Waldkraiburg vor dem Ertrinken im Innkanal retten

Immer wieder müssen die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Wasserwacht ausrücken, um Rehe aus dem Innkanal zu bergen. Ein Patentrezept zur Lösung des Problems scheint es nicht zu geben. Die Betreiberfirma VERBUND sucht im Gespräch mit den Experten vor Ort nach Strategien. Ausstiegshilfen wurden bereits installiert. Eine Leinenpflicht ist in der Diskussion. An einem Zaun scheiden sich die Geister.
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Immer wieder müssen die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Wasserwacht ausrücken, um Rehe aus dem Innkanal zu bergen. Ein Patentrezept zur Lösung des Problems scheint es nicht zu geben. Die Betreiberfirma VERBUND sucht im Gespräch mit den Experten vor Ort nach Strategien. Ausstiegshilfen wurden bereits installiert. Eine Leinenpflicht ist in der Diskussion. An einem Zaun scheiden sich die Geister.

Was tun, um zu verhindern, dass Wild in den Innkanal stürzt? Diese Frage beschäftigt Jäger, Tierfreunde, Rettungskräfte und nicht zuletzt den Betreiber des Kanals seit Langem. Jetzt bringt der VERBUND einen neuen Vorschlag ins Gespräch.

Waldkraiburg„Rehe im Innkanal“ – die Schlagzeile war in den vergangenen Jahren wiederholt zu lesen. Und wiederholt mussten Einsatzkräfte der Feuerwehren und der Wasserwacht ausrücken, um ein Tier aus dem Wasser zu bergen.

Viele tote Rehe landen am Rechen

Gerüchte, wonach in jedem Jahr rund hundert tote Rehe am Rechen in Töging anlanden, weist Wolfgang Syrowatka, der Pressesprecher des Unternehmens, zwar als völlig überzogen zurück. Es seien „weniger als die Hälfte“, die meisten in den Monaten April bis August. Doch auch diese Zahl ist Grund genug, um sich mit dem Problem zu beschäftigen.

Patentrezept nicht in Sicht

Ein Patentrezept, um diese Einsätze deutlich zu reduzieren, scheint es jedenfalls nicht zu geben. Das zeichnet sich nach mehreren Gesprächen ab, die der VERBUND mit Experten vor Ort geführt hat.

Der Betreiber des Innkanals war nicht untätig. So wurden bereits in regelmäßigen Abständen Ausstiegshilfen installiert, die die Chancen für die Tiere erhöhen, aus eigener Kraft wieder an Land zu kommen. Wie wirksam diese Maßnahme ist, soll jetzt beobachtet und evaluiert werden.

Großer Freizeitdruck auf Wildtiere

Dabei soll es nicht bleiben. Der VERBUND setzt jetzt auch auf die Leinenpflicht am Kanaldamm, die der Waldkraiburger Umweltreferent Done Brunnhuber (UWG) bereits mehrfach gefordert hatte. Brunnhuber, der selbst Jäger ist, macht den großen Freizeitdruck am Innkanal und freilaufende Hunde verantwortlich für die Probleme. Er ist überzeugt: Die Hunde scheuchen in vielen Fällen das Wild auf. Freiwillig gehe kein Rehbock ins Wasser.

Leinenpflicht: Debatte aktueller denn je

Die Betreiberfirma hatte den Hinweis, Hunde an der Leine zu führen, bereits auf den Sicherheitsschildern am gesamten Kanal ergänzt. „Das versetzt uns nur bedingt in die Lage, eine Leinenpflicht auch durchzu setzen“, sagt Wolfgang Sysrowatka. Damit es nicht bei einer „zahnlosen“ Vorgabe bleibt, schlägt das Unternehmen vor, dass die Stadt die bestehende Leinenpflicht für Hunde ab 50 Zentimetern Schulterhöhe ausdrücklich auch für den Bereich des Inndamms in den einschlägigen Verordnungen und Satzungen festschreibt.

Aktueller Vorfall: Hund greift Joggerin an

Eine Forderung, die nicht nur wegen der vielen Wildunfälle aktuell ist. Auch der jüngste Vorfall, bei dem ein Schäferhund eine 43-jährige Joggerin am Kanal bei St. Erasmus unvermittelt angegriffen und verletzt hat, gibt dieser Diskussion neue Nahrung.

„Natürlich kann man darüber nachdenken“, signalisiert die Stadt Gesprächsbereitschaft. Weitere Beratungen über den Leinenzwang am Innkanal seien geplant.

Am Zaun scheiden sich die Geister

Strittig bleibt der Vorschlag, an neuralgischen Punkten einen Zaun zu errichten, der das Wild vom Kanal fernhält. Erich Loserth, Vorsitzender der Kreisgruppe Mühldorf im Bayerischen Jagdverband, sieht diese Variante kritisch. Seine Befürchtung: Wild, das in Panik gerät, sei nicht mehr zu halten, ein Zaun in solchen Fällen kein unüberwindbares Hindernis für aufgescheuchte Rehe. Loserth warnt vor der Veletzungsgefahr.

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Done Brunnhuber ist anderer Meinung. Er verweist auf die örtlichen Revierinhaber, die er ab und zu begleite. „Die sind alle für einen anständigen Zaun, der Schutz bietet.“ Das dürfe natürlich „kein 08/15-Zaun“, gar aus Maschendraht sein, sondern ein solider Gitterstabzaun, in dem sich die Tiere nicht verfangen können.

Zuerst klären, wo Tiere in Kanal stürzen

Beim VERBUND ist man skeptisch. Die Diskussion zeige, dass „eine punktuelle Abzäunung – welcher Bauform auch immer – vermutlich nicht der Schlüssel zur Lösung aller Probleme sein wird“, so Wolfgang Syrowatka.

Sein Einwand: Bislang sei unklar, wo die Tiere ins Wasser gelangen. Zunächst gelte es deshalb, die neuralgischen Punkte zu identifizieren. Eventuell könnten Wildkameras für Aufklärung sorgen.

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