Coronavirus: Stadt Waldkraiburg schaltet auf den Krisenmodus um

Bürgermeister Robert Pötzsch sorgt sich um die Wirtschaft und den Einzelhandel.

Viele Geschäfte und Lokale sind geschlossen, zahlreiche Arbeitnehmer im Homeoffice, das soziale Leben stark eingeschränkt. Der Coronavirus beherrscht das öffentliche Leben. Auch die Stadt Waldkraiburg hat längst auf einen Krisenmodus umgeschaltet.

Von Raphaela Lohmann

Waldkraiburg – Veranstaltungen im Haus der Kultur sind längst abgesagt, das Haus des Buches hat bis 19. April geschlossen. Aufgrund der starken Verbreitung des Coronavirus fährt auch die Stadt ihren Betrieb in vielen Bereichen herunter. Doch nicht überall ist das möglich. „Wir müssen die Grundversorgung über die Stadtwerke sichern“, sagt Bürgermeister Robert Pötzsch. Wer den Wasserhahn aufdreht, bekommt weiterhin sauberes Wasser, und keiner muss Angst haben, abends im Dunkeln am Küchentisch sitzen zu müssen.

Dienstbetrieb eingeschränkt

Einen Stillstand gibt es in der Stadtverwaltung nicht, hier geht die Arbeit unter anderen Prämissen weiter. Abstand halten – was im sozialen Leben als Faustformel ausgegeben wird, gilt auch im Rathaus. „Die Mitarbeiter arbeiten im Zwei-Schicht-Betrieb und wechseln sich wöchentlich ab. Daher treffen sie nicht aufeinander“, erklärt Pötzsch.

Der Dienstbetrieb im Rathaus ist deutlich eingeschränkt: Dringend persönlich erforderliche Termine müssen vorab telefonisch vereinbart werden. Diese wiederum würden so organisiert werden, dass die Bürger nicht vor den Büros aufeinander treffen würden. „Jeder soll sich jetzt hinterfragen, welche Behördengänge wirklich nötig sind“, sagt Pötzsch. Ein Teil der Mitarbeiter arbeite zu Hause im Homeoffice. Anfangs seien es nur wenige gewesen, mittlerweile würden dies mehr nutzen.

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Der Stadtentwicklungs- sowie der Haupt- und Finanzausschuss sind abgesagt, beim Bauausschuss und der letzten Stadtratssitzung der aktuellen Legislaturperiode ist noch keine Entscheidung gefallen. „Wir werden nur dann zusammenkommen, wenn es die Themen erforderlich machen.“ Selbst in diesem Fall würden aber auch nur die wirklich wichtigen Themen diskutiert werden. Die Sitzungen würden dann im Haus der Kultur stattfinden, um genügend Abstand halten zu können. Zuhörer könnten dann zwar erlaubt werden, aber maximal 39. Weniger wichtige Punkte würden auch Umlaufbeschlüsse zulassen. Auf diese Weise könne jeder Stadtrat über das Internet seine Stimme abgeben.

Mittlerweile hat die Stadt einen Krisenstab eingerichtet, bei dem Partner aus Handel, Industrie und Behörden eingebunden seien und die aktuelle Lage beurteilen. Die Kommunikation laufe über Videokonferenzen. Dies erfordere mehr Disziplin, aber Pötzsch ist überzeugt: „Es ist eine große Chance für die Digitalisierung, an welcher Stelle man noch moderner werden kann.“

Sorge um die Wirtschaft

Robert Pötzsch hat weniger Angst, dass er sich selbst mit dem Coronavirus infiziert. Seine größte Sorge betrifft die Wirtschaft und den Einzelhandel: Welche Unterstützung brauchen die Firmen und was sind die finanziellen Auswirkungen auf die Stadt? „Die Stadt trifft das massiv“, sagt Pötzsch. Mit dem geplanten Neubau des Rathauses, dem Waldbad und der Kinderbetreuung stehen Millionenprojekte auf der städtischen Agenda. Wie sich diese in den nächsten Jahren umsetzen lassen, ist jetzt nicht absehbar.

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Doch trotz der zu erwartenden Rückgänge bei der Gewerbesteuer sollen die Planungen für Projekte weiterlaufen. Nur wenn die Stadt hier weitermache, könne man beurteilen, welche Investitionen zu tätigen sind. Erst vor wenigen Wochen hat der Stadtrat den Haushalt verabschiedet. Noch ist nicht absehbar, wie sehr sich die Corona-Krise auf den städtischen Haushalt auswirkt. Aber eins ist klar: Wenn zu große Einnahmen wegbrechen, müssen Projekte verschoben werden. Notwendige Vorhaben werden vorrangig umgesetzt, alles andere müsse dann priorisiert werden.

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