Corona-Reihentest an Waldkraiburger Kita: Entwarnung

„Alles Gute! Bleibt gesund!“ – schon seit Längerem werden die Besucher des evangelischen Käthe-Luther-Kindergartens am Haupteingang von diesem wunderschönen Bild empfangen, das Kinder und Erzieherinnen gestaltet haben. Die Botschaft ist in den letzten Tagen aktueller denn je geworden.
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„Alles Gute! Bleibt gesund!“ – schon seit Längerem werden die Besucher des evangelischen Käthe-Luther-Kindergartens am Haupteingang von diesem wunderschönen Bild empfangen, das Kinder und Erzieherinnen gestaltet haben. Die Botschaft ist in den letzten Tagen aktueller denn je geworden.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Nicht die Angst vor dem Virus treibt die Eltern um, die die das Gesundheitsamt am Montag zum Corona-Reihentest für die Kinder einer Waldkraiburger Kita-Gruppe bestellt hat. Es sind andere Sorgen, für die sie keine Lösung sehen.

Update 13. Juli, 17.20 Uhr:

Erleichterung in Waldkraiburger Kindergarten nach Corona-Verdacht

Waldkraiburg - Wie die OVB-Heimatzeitungen soeben erfahren haben, sind die Reihentest in einer Waldkraiburger Kita bei allen Kontaktpersonen ersten Grades negativ ausgefallen. 24 Kinder und zwei Erzieherinnen sind nicht infiziert.

Mehr dazu hier.

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Erstmeldung

Waldkraiburg – Montagmorgen, kurz nach halb Neun. Nach und nach trudeln die Familien ein, die das Gesundheitsamt zum Corona-Reihentest in einem Gebäude auf dem Gelände des evangelischen Gemeindezentrums in Waldkraiburg bestellt hat. Ein Kindergartenkind der Kindertagesstätte Käthe-Luther war am Freitag positiv auf Covid-19 getestet worden. Die Mädchen und Buben aus der Gruppe könnten sich angesteckt haben und müssen deshalb auf eine Corona-Infektion getestet werden. 25 Familien sind nach Angaben der Kindergartenleitung betroffen.

Eltern zwischen Job und Kinderbetreuung

Während drinnen zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in Schutzanzügen Abstriche der Kinder, ihrer Eltern oder Geschwister nehmen, herrscht draußen, wo sich alle mit gebotenem Abstand und Mundschutz aufgestellt haben, gespannte Erwartung. Nicht die Angst vor Corona scheint die Wartenden umzutreiben. Den Eltern macht vor allem eine Frage zu schaffen: Wie können sie während der häuslichen Quarantäne ihrer Kinder die Betreuung sicherstellen?

„Ich arbeite im Sozialbereich. Ich kann und konnte nicht freimachen“, sagt eine verzweifelte Mutter. „Und mein Mann hat fast den ganzen Urlaub schon aufgebraucht.“ Da ist kein Spielraum mehr. Der Lockdown hat viele Familien diesbezüglich längst an die Grenze gebracht. „Wir wissen nicht, wie es weiter gehen soll.“

Einem Ehepaar, das mit seinem fünfjährigen Sohn und dessen einjähriger Schwester gekommen ist, geht es ähnlich. Der Vater ist sauer. Er weiß nicht, was „die ganze Prozedur soll“. Das Kind habe doch keinerlei Symptome.

„Was ist das für eine Krankheit, von der man nichts bemerkt.“ Und wenn doch einer positiv ist, dann habe die Familie nur Scherereien, Quarantäne, jetzt wo nach der Kurzarbeit im Betrieb wieder richtig gearbeitet werde. „Wir sind doch alle gesund“, sagt der Mann.

Anfang nächster Woche erneut ein Test

Dr. Andrea Bonakdar, Ärztin im Gesundheitsamt, sieht das Problem für die Familien, eine Lösung sieht die Medizinerin nicht. An den Regeln kommt keiner vorbei. Am Donnerstag, kurz nachdem der Vater, der als Security-Mann in der Ankerdependance positiv getestet worden war, wurde das betroffene Kind, das nach Informationen unserer Zeitung bisher keinerlei Symptome aufweist, aus der Gruppe genommen.

Quarantäne bis zum 23. Juli

Einen Tag später war klar, dass es sich angesteckt hatte. Zwei Wochen, bis Donnerstag, 23. Juli, müssen deshalb die seine engen Kontaktpersonen, also alle Erzieherinnen und Kinder der Kindergartengruppe, zu Hause bleiben. Und: Anfang nächster Woche ist erneut ein Test.

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Das Robert-Koch-Institut verlange zwar eigentlich nur, dass von den Kindern Abstriche gemacht werden, sagt Bonakdar, doch „wir machen auch von Eltern und Geschwistern Abstriche“. Die gehen noch am Vormittag zum Landesamt für Gesundheit nach München, so Bonakdar. „Am Dienstag, spätestens am Mittwoch erwarten wir die Ergebnisse.“

Noch am Wochenende alle Eltern informiert

„Bleibt tapfer und gesund“, ruft Cornelia Cordes-Jacobskötter einer Familie zu, die sich nach dem Test verabschiedet. Die Leiterin der Kindertagesstätte hat ein aufregendes Wochenende hinter sich. Am Freitagabend erfuhr sie davon, dass das Kindergartenkind positiv getestet worden war und die Gruppe ab Montag geschlossen werden muss. Am Samstag informierte sie die betroffenen Eltern der Gruppe und den Elternbeirat. Und am Sonntag schickte sie eine Mail an alle Eltern, um auch sie über die aktuelle Entwicklung zu informieren.

Kindergarten nu zur Hälfte belegt

Auch unter den Eltern der anderen Gruppen war der Corona-Fall am Montagmorgen das Gesprächsthema Nummer eins. Die Eltern haben „traurig und verständnisvoll“ reagiert, sagt die Erzieherin. „Es gibt keine Schuldzuweisungen.“

Die Einrichtung habe die Hygieneregeln ja eingehalten und sich nichts vorzuwerfen. Nicht wenige Eltern gehen mit der neuen Situation sehr vorsichtig um. Einige bringen ihre Kinder erst gar nicht in die Kita, andere nehmen sie wieder mit. „Manche aus Angst, manche, weil die Kinder Schnupfen haben oder husten.“ 108 Kindergarten- und zwölf Krippenplätze gibt es in der Kita Käthe Luther. Etwa die Hälfte, rund 55 Kinder, sind an diesem Montag laut Kita-Leitung im Haus.

Appell an die Arbeitgeber

Cornelia Cordes-Jacobskötter weiß um die Probleme, die sich vor berufstätigen Eltern auftürmen, deren Kinder jetzt in Quarantäne sind. Die sich Sorgen um ihre Jobs machen, wie der Chef wohl reagiert. „Wir können nur an die Arbeitgeber appellieren, dass sie Verständnis haben. Das ist ja alles unverschuldet.“

Sicherheit geht vor – das ist auch die Maxime für die evangelische Kirchengemeinde. „Wir haben viel mit Menschen aus Risikogruppen zu tun“, sagt Pfarrerin Anita Leonhardt. Der Hygieneausschuss der Kirchengemeinde habe deshalb entschieden, das Haus, in dem das Gesundheitsamt die Reihentests durchgeführt hat, für drei Tage geschlossen zu halten, um ganz sicher zu gehen.

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