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Pandemie als Erklärung für Spitzen-Ergebnisse?

Einser-Schwemme beim Abitur? Was die Schulleiter im Landkreis Mühldorf dazu sagen

Was ist das Abitur-Zeugnis noch wert? Auch im Landkreis Mühldorf haben sehr viele Schüler eine Eins vor dem Komma. Die Schulleiter begründen dies vor allem mit Corona-Effekten. Nicht alle Schüler haben unter Homeschooling gelitten.
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Was ist das Abitur-Zeugnis noch wert? Auch im Landkreis Mühldorf haben sehr viele Schüler eine Eins vor dem Komma. Die Schulleiter begründen dies vor allem mit Corona-Effekten. Nicht alle Schüler haben unter Homeschooling gelitten.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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  • Hans Grundner
    Hans Grundner
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Das Abitur ist in diesem Jahr bayernweit sehr gut ausgefallen. Von einer „Einser-Schwemme“ wollen die Schulleiter im Landkreis Mühldorf aber nichts wissen. Ausgerechnet die Pandemie führen sie als eine Erklärung für die vielen Spitzenergebnisse an.

Mühldorf/Waldkraiburg/Gars – Bayernweit ist das Abitur heuer mit einem Durchschnitt zwischen 2,1 und 2,2 besser ausgefallen als in den Vorjahren. Schon ist von einer „Einser-Schwemme“ die Rede. Setzt sich im Pandemie-Jahr ein Trend fort, der seit Jahren zu beobachten ist? Wird den jungen Leuten gar das Reife-Zeugnis nachgeschmissen? Die Leiter der drei Gymnasien im Landkreis Mühldorf teilen derlei Einschätzungen und Bewertungen keinesfalls. Sie berichten zwar von einem guten bis sehr guten Abi-Jahr, schreiben dies aber vor allem Corona-Effekten zu.

Gymnasium Waldkraiburg: 40 Prozent der Schüler mit einem Einser vor dem Komma

Beispiel Waldkraiburg: Schon der letzte Jahrgang war mit 2,18 Spitze. Diesmal wurde dieser Wert noch gesteigert – auf 2,15. Drei Schüler mit einem 1,0-Abi und 34 – das sind über 40 Prozent – mit einem Einser vor dem Komma. Das gab‘s noch nie. Noch vor wenigen Jahren bewegte sich der Schnitt an der Schule zwischen 2,35 und 2,55.

Direktor Wittmann: Noch kein Trend, sondern „Ausreißer nach oben“

Von einer „Einser-Schwemme“ will Direktor Helmut Wittmann trotzdem nichts wissen, auch einen Trend sehe er noch nicht. Er spricht lieber von „Ausreißern nach oben“ bei den Corona-Jahrgängen. In den guten Noten schlagen sich laut Wittmann Sonderregelungen zum Notenausgleich nieder, die sich durch die gesamte Oberstufe zogen. Er sieht einen weiteren Corona-Effekt: Schule habe sich sehr stark reduziert. „Auch das, was es an schönen Dingen an einer Schule gibt und auch für Ablenkung sorgt, hat nicht mehr stattgefunden.“ Und in der Freizeit habe es starke Einschränkungen gegeben. „Wer es geschafft hat, diese Zeit fürs Lernen zu nutzen“, werde mit sehr guten Noten belohnt.

Schulleiter Fuchs: Motivierte Schüler hatten im Distanzunterricht mehr Zeit zum Lernen

„Die motivierten Schüler haben meines Erachtens im Distanzunterricht mehr Zeit zum Lernen gehabt, die viele auch genutzt haben“, stellt auch Gunter Fuchs, der Leiter des Gymnasiums Gars, fest. An seiner Schule steht bei 23 der 76 Absolventen eine Eins vor dem Komma. Dieser Prozentsatz sei in den vergangenen Jahren meistens üblich gewesen, so Fuchs, „vielleicht waren es in den Vorjahren etwas weniger“.

„Ich denke, die diversen Günstiger-Regelungen im Vorfeld haben eher dazu beigetragen, dass es eine Art Corona-Abitur wurde, bei dem der Notenschnitt relativ besser war als in den Vorjahren“, sagt er – „mit 2,21 auch bei uns“.

Die Sonderregelungen zum Notenausgleich sieht auch seine Mühldorfer Kollegin Daniela Raith als einen Grund für das Abi-Ergebnis 2021 an. 2,12 ist der Notendurchschnitt am Ruperti-Gymnasium, in ihren acht Jahren als Schulleiterin das beste Ergebnis.

Direktorin Raith: Schüler sollen sich die Ergebnisse nicht klein reden lasse

„Es sei den Schülern gegönnt“, sagt sie. „Gute Noten mussten sie trotz Ausgleichsregelungen erreichen und große Schwierigkeiten und Herausforderungen bewältigen. Nicht nur in der Schule, in allen anderen Bereichen wurde Ausgleich geschaffen.“ Das will die Direktorin auch in ihrer Abiturrede deutlich machen: „Die Schüler dürfen sich die guten Ergebnisse nicht klein reden lassen.“

Die große Abweichung nach oben sieht die Schulleiterin ohnehin nicht. „Zwischen 2,1 und 2,3 liegen wir immer. Und drei Schüler mit 1,0 hatten wir in einem Jahrgang schon öfter.“

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

84 Schüler sind in Mühldorf zum Abi angetreten, 83 haben es geschafft. In Waldkraiburg ist die Durchfaller-Quote mit fast sechs Prozent (84 von 89) deutlich höher. Auch der Anteil der schwächeren Schüler mit einem Dreier-Abi sei relativ hoch, so Wittmann.

Seine Folgerung: „Die Schere zwischen schwächeren und stärkeren Schülern ist mit Sicherheit noch einmal auseinander gegangen.“ Das relativiert auch den herausragenden Notenschnitt, findet der Direktor. Denn: Hätten auch die fünf Schüler, die durchgefallen sind, bestanden, wäre der Durchschnitt schlechter als 2020.

Ärger gab es heuer, weil die Mathe-Abiprüfung zu schwierig gewesen sein soll. Gunter Fuchs betont dazu: „Die Mathe-Lehrer waren beim Rechnen vor der Prüfung erschrocken, die Schülerinnen und Schüler dann gar nicht so. Da hieß es, es sei gut gewesen, mehr Arbeitszeit zu haben, das hat die Probleme bei den nicht zu schwachen Schülerinnen und Schülern wohl kompensiert, bei den guten sowieso. Einzig für die sehr Schwachen dürfte es schwieriger gewesen sein, einigermaßen den Fuß zwischen die Tür zu bekommen.“

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