Dart-WM

Waldkraiburger Dartspieler Christian Dressler über die Faszination des Sports

Der Hype um den Dartsport kommt bei den Amateuren nicht an. Das liegt derzeit vor allem an Corona. „Wir haben ein Jahr Stillstand hinter uns“, sagt Christian Dressler, Vorsitzender des Dartclubs Horizont.
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Der Hype um den Dartsport kommt bei den Amateuren nicht an. Das liegt derzeit vor allem an Corona. „Wir haben ein Jahr Stillstand hinter uns“, sagt Christian Dressler, Vorsitzender des Dartclubs Horizont.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Die WM in London begeistert die wachsende Zahl von Dartfans. Begeistert verfolgt Christian Dressler aus Waldkraiburg die Übertragungen. Im Interview berichtet der aktive Spieler und Vorsitzende des Dartclubs Horizont über die Faszination dieses Sports und warum die Clubs im Corona-Jahr vom Hype nicht profitieren können.

Wie haben Sie heuer Weihnachten verbracht? Haben Sie schon viereckige Augen vom vielen Dart-WM-Schauen im Fernsehen?

Christian Dressler (lacht): Naja, so schlimm ist es noch nicht. Aber seit 15. Dezember schaue ich mir die wichtigen Spiele mit den drei deutschen Teilnehmern und den Topstars natürlich alle an. Auch an den Feiertagen. Aber das ist kein Problem. Mit der Familie kann ich trotzdem feiern. Ich nehme alles auf und schaue es mir hinterher an, ohne Werbung.

Was sagen Sie zum Erfolg von Gabriel Clemens, den ersten deutschen Spieler, der es unter die besten 16 geschafft hat? Hatten Sie ihm das zugetraut?

Dressler: Das ist ein Riesending. So weit ist in der WM-Geschichte noch nie ein Deutscher gekommen. Bis ins Achtelfinale. Und das als Nummer 31 gegen den amtierenden Weltmeister, gegen die Nummer 2. Der hat zwar viel liegen lassen, aber dieser Sieg ist schon eine große Leistung. Damit hatte ich nicht gerechnet. Die Deutschen spielen im Dart ja eher eine Nebenrolle. Die Holländer und Engländer sind da weit vorne.

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Wie sind Sie denn zum Dart gekommen?

Dressler: Vor 15 Jahren durch einen Spezl, der hat in der Liga gespielt und mich mitgenommen. Mir hat es sofort gefallen. Ich bin dabei geblieben. Wenn normaler Liga-Betrieb ist, kommen schnell mal zehn bis zwölf Stunden Dart pro Woche zusammen. Es macht einfach Spaß. Man trifft sich mit Freunden. Man will immer besser werden. Das ist wie eine Sucht. Im Club spielen wir nicht Steel-Dart wie bei der WM, sondern E-Dart.

Was ist der Unterschied?

Dressler: Beim klassischen Steel-Dart werden Pfeile mit Stahlspitzen verwendet. Wir spielen E-Dart auf einem elektronischen Dart-Automaten in der Kneipe. Das E-Dart ist in Deutschland größer als das Steel-Dart. Die meisten von uns haben eine Scheibe daheim, um auch dort zu trainieren. Wir spielen mit unserer Mannschaft in zwei Verbandsligen, einer Online-Liga und einer privaten regionalen E-Dart-Liga.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Dartsports?

Dressler: Durch die Fernsehübertragungen vor allem von der WM ist ein Hype da. Immer mehr wollen spielen. Das Interesse wächst, natürlich auch deswegen, weil die Deutschen langsam mithalten können.

„Wir haben ein Jahr Stillstand hinter uns“

Kann davon auch Ihr Club, der DC Horizont profitieren?

Dressler: Ich fürchte, nicht wirklich. Der DC Horizont ist seit Jahren immer stabil bei ungefähr 50 Mitgliedern. Junge Spieler sind sehr schwer anzusprechen. Die meisten, die bei uns mitmachen, sind 30 plus. In Kneipen dürfen Jugendliche nicht spielen. Steel-Dart-Vereine, die ein eigenes Vereinsheim haben, wie zum Beispiel Vilsbiburg, die sogar in der Dart-Bundesliga spielen, sind da besser aufgestellt. Die machen auch richtige Jugendarbeit.

Wie wirken sich denn die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Auflagen auf die Dartsportler aus?

Dressler: Wir haben jetzt seit praktisch einem Jahr keine Liga-Spiele mehr. Immer wenn es losgehen soll, kommt ein neuer Lockdown. So wie nach den Sommerferien. Da haben wir gerade ein Spiel machen können, dann war schon wieder Schluss. Alle Meisterschaften sind ausgefallen, im E-Dart und im Steel-Dart. Wir haben ein Jahr Stillstand hinter uns.

„Ich habe Angst, dass einige Kneipen nicht mehr aufmachen“

Könnte das sogar den Bestand von Clubs wie Ihrem gefährden?

Dressler: Wenn das noch ein Jahr dauert, könnte das schon zum Problem werden. Aber im Moment hoffen alle, dass es im März oder April wieder losgeht. Ich hab jedenfalls noch keine Kündigung von einem Mitglied bekommen. Alle, die spielen, wollen weitermachen. Ich hab eher Angst, dass manche Kneipe nicht mehr aufmacht.

Gabriel Clemens ist am Mittwoch wieder dran. Dann kämpft er gegen Krzysztof Ratajski um den Einzug ins Viertelfinale. Packt er auch die nächste Runde?

Dressler: Das wird ein spannendes Spiel. Der Pole war bisher auch ziemlich stark. Aber ich glaube, den könnte er noch schlagen, wenn er wieder so spielt wie am Sonntag.

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