Cäcilienkonzert in der Pfarrkirche Kraiburg: Mit Schwung und großer Leichtigkeit

Der Chor von St. Bartholomäus bei der Interpretation eines Kirchenliedes aus Ghana, „Da nase“. Kästner

Von heimelig bis klassisch, von alt bis modern, von vertraut klingenden alpenländischen Weisen bis zu Gesängen aus Kulturen ferner Kontinente – die Mischung macht es. Dies war die häufig geäußerte Meinung begeisterter Besucher des Cäcilienkonzerts in der nicht ganz gefüllten Pfarrkirche in Kraiburg.

Kraiburg – Mächtig brauste die von Christiane Niedersteiner gespielte Orgel auf, als Chöre und Instrumentalisten in das nur spärlich beleuchtete Kirchenschiff einzogen. Geheimnisvoll drang von irgendwo ein „Laudate omnes gente“ in die Dunkelheit, bis die Chöre die Thema-Melodie verstärkend übernahmen und zuletzt auch Zuhörer einstimmten.

Saitenvierer erstmals dabei

Für die Heimeligkeit sorgte der erstmals mitwirkende Saitenvierer, ob allein in einem Zithermenuett oder als zurückhaltende Begleitung in den Weisen von Hans Berger, die der Chor von St. Bartholomäus schon im Mai dieses Jahres in Santa Maria Maggiore in Rom gesungen hatte.

Das Kyrie aus der Missa brevis in B von Wolfgang Amadeus Mozart markierte den Einstieg in die Klassik, im weiteren Verlauf ergänzt durch das Sanctus aus der Krönungsmesse und abschließend durch das Agnus aus Franz Schuberts Messe in G. Chor und Orchester gelang es überzeugend, die Heiterkeit der B-Dur-Messe ebenso wie die Würde der Krönungsmesse zu interpretieren. Im Agnus der G-Dur Messe brachten Regina Wimmer und Martina Muggendorfer im Sopran, Gerd Fischer und Peter Rannetsberger im Bass sowie Jutta Haunreiter und Christine Wimmer im Alt ihr ganzes Können solistisch zur Geltung. Die sprichwörtlichen „himmlischen Längen“, mit denen der erst 18-jährige Schubert die Zuhörer in seinen Bann zog, boten Chor und Orchester reiche Gelegenheit, ihr Können zu demonstrieren.

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Zwischen dem vor 1540 von Jacob Arcadelt komponierten „Ave Maria“ und dem des erst 1964 geborenen Rihards Dubra liegen fast 500 Jahre. Aber in beiden kommt die Verehrung Mariens mit großer Innerlichkeit zum Ausdruck, und sowohl dem Chor von St. Bartholomäus wie dem Ensemble Vocabile gelang es glänzend, die jeweiligen Charakteristika beider Werke herauszuarbeiten.

Das Ensemble um Andreas Miecke überzeugte in allen anderen Beiträgen durch hohe Präsenz, ausdrucksstarke Dynamik und stimmliche Klarheit. Mit „The Rose“ von Bette Middler sangen sich drei Solistinnen in die Herzen der Zuhörer.

Das lässt sich in gleicher Weise von Gerd Fischers ausdrucksstark vorgetragenem „O Holy Night“ sagen, wo der Chor mit Klavier und Gitarre die tragende Baritonstimme des Solisten sehr einfühlsam begleiteten.

In zwei unmittelbar darauffolgenden Sätzen aus dem Weihnachtskonzert von Arcangelo Corelli hatte das Orchester Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen. Gerade in dem quicklebendigen „Vivace“ versprühten die Soloviolinen (Stefanie Laufhütte und Ute Miecke) mit dem Solocello (Andreas Miecke) Spielfreude und Spielwitz, unterstützt von den übrigen Stimmen des Ensembles.

Die Lust am Singen

Eine ganz eigene Stimmung verbreitete ein Kirchengesang aus Ghana, der vom Chor von St. Bartholomäus mit Schwung und großer Leichtigkeit vorgetragen wurde. Da spürte man geradezu die Lust am Singen, und so war es nur folgerichtig, dass sich das Publikum im abschließenden „Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn“ mit voller Stimme in diesen Kanon einfügte und damit das Konzert in adventlicher Stimmung abrundete.

Reicher Applaus mit stehenden Ovationen war der Lohn für alle Mitwirkenden, und Eduard Kästner erhielt für die organisatorische und künstlerische Gesamtleitung ein Blumengebinde. Strahlende Gesichter überall, bei den Mitwirkenden wie beim Auditorium.

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