Bürgertreffen für Stadtentwickler: Zukunftswerkstatt sucht nach dem „Waldkraiburg-Feeling“

Gemeinschaft mit Abstand: Im Haus der Kultur diskutierten rund 80 Teilnehmer bei zwei Terminnen über Ideen und Gedanken, wie sich der Zusammenhalt unter den Bürgern in der Stadt weiter stärken lässt.
+
Gemeinschaft mit Abstand: Im Haus der Kultur diskutierten rund 80 Teilnehmer bei zwei Terminnen über Ideen und Gedanken, wie sich der Zusammenhalt unter den Bürgern in der Stadt weiter stärken lässt.

Nach den Anschlägen auf türkische Geschäfte wurde das „Wir-Gefühl“ der Stadt Waldkraiburg auf eine harte Probe gestellt. In Kombination mit der kulturellen Vielfalt will die Stadt dieses Gefühl für die Zukunft bewahren und den Zusammenhalt weiter stärken. In einer Zukunftswerkstatt haben sich am Wochenende rund 80 Personen bei zwei Terminen über Ideen ausgetauscht.

Waldkraiburg – Es war eine bunte Mischung quer durch Parteien, Religionsgemeinschaften, Berufe und Altersstrukturen: Vom Schüler über den Lehrling und Studenten bis hin zum 80-jährigen Rentner hatten sich an den beiden Nachmittagen mehr als 70 Personen im Großen Saal des Hauses der Kultur eingefunden, die mithelfen wollen, in Waldkraiburg Gemeinschaft zu gestalten.

Eigene Ansichten einbringen

„Wir werden jetzt Diskussionsstoff für viele Jahre haben“, prophezeite Bürgermeister Robert Pötzsch schon in seinen einleitenden Worten. „Die Idee, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, leider ausgelöst durch die Anschlagsserie, macht Sinn. Jedes Jahr verlassen etwa 2000 Personen unsere Stadt, aber auch 2000 neue und damit 2000 neue Sichtweisen kommen wieder dazu.“ In Waldkraiburg mit inzwischen mehr als 100 Nationalitäten gebe es zwar vielfältige Treffen, Veranstaltungen und Aktionen. Doch um dies alles auf die Reihe zu bringen und Gemeinschaft gestalten zu helfen, führten die beiden Moderatorinnen Katrin Leppla aus Wien und Gisela Goblirsch aus München durch die Nachmittage.

Hier gehe es nicht darum, Arbeitseinsätze zu planen, sondern eigene Ansichten einzubringen, „zu erzählen, was für mich Gemeinschaft ausmacht“, meinte Gisela Goblirsch. „Geschenke werden in Gruppen ausgetauscht“, behauptete zu Recht Karin Leppla, was sie mit sehr persönlichen Beispielen aus ihrer Partnerschaft belegte.

In vier Teile waren die zweieinhalb Stunden aufgegliedert. Im Bereich „Lebendige Information“ wurde aufgezeigt, wie vielfältigste Daten jeden von uns täglich erfüllen und durch die Menschen Wissen, Erfahrung und Tradition miteinander teilen.

Austausch in kleinen Gruppen

Was aber bedeutet Gemeinschaft in einer sich ständig verändernden Welt? Wenn jede Person etwas einbringt, entsteht ein Ganzes, wie jeder Tropfen, der in einen Teich fällt, als solcher noch da ist. In einem anschließenden Quick-Check waren sich alle Anwesenden einig bei der Behauptung: „Ich wünsche mir ein echtes Waldkraiburg-Feeling“. Beim Votum, ob dies auch tatsächlich vorhanden sei, stimmte nur etwa die Hälfte zu.

Die Veranstaltung war so gegliedert, dass sich die Teilnehmer anschließend im Kleinen Saal an Fünfer-Tischen mit etwa vier bis sechs verschiedenen Kontexten beschäftigten. Auf diese Weise erfuhren die Teilnehmer von ihren Gesprächspartnern, was für sie beispielsweise die Begriffe Kultur und Tradition umfassen oder welchen Bezug man selber bei den Bezeichnungen Familie oder Ökonomie für die Stadt herstellt. Immer wieder tauchte bei den einzelnen Stationen der Vorschlag auf: „Wir brauchen zum Beispiel ein Fest der Nationen.“

Lesen Sie auch:

Nach den Anschlägen in Waldkraiburg: Zukunftswerkstatt will neue Stadtgemeinschaft finden

Heimische Politiker stärken türkischer Gemeinde den Rücken

Waldkraiburg: Attentäter wollte Moscheen in Waldkraiburg und Köln angreifen

Sein Vater überlebte die Shoah: Der „rote Max von Waldkraiburg“ erfährt bis heute Antisemitismus

Nach diesem regen Gedankenaustausch ging es zurück in den Großen Saal, wo alle Teilnehmer ihre Meinung zur gegenwärtigen Ausgangssituation einbringen konnten, wie sie das derzeitige Waldkraiburggefühl einschätzen. So wurden beispielsweise sportliche Aktivitäten wie das jährliche internationale Handballturnier erwähnt, man wies auf die Festlichkeiten der einzelnen Heimatvereine hin, berichtete von Aktionen wie „Zusammen ist man weniger allein“, hob das Mithelfen beim „Rama dama“ hervor und appellierte, dass sich beim „Ruck ma zam“ noch viel mehr Bürger beteiligen sollten.

Fortsetzung geplant

„Vor allem dürfen wir uns nicht immer mit anderen vergleichen. Wir haben unsere besonderen Vorzüge und auf die können wir stolz sein!“, gab Bürgermeister Pötzsch zu bedenken. „Wir müssen aufbauen auf dem, was schon da ist!“ Nach so vielen positiven Beiträgen und Anregungen lag die Frage in der Luft: Wie geht es weiter?

Dazu verwiesen die Moderatorinnen auf die Bereiche „Orte, wo Gemeinschaft gepflegt werden könne, Menschen, die sich engagieren, Angebote, die erstellt werden müssen und Ereignisse, die man gezielt ins Auge fassen sollte“. So soll es eine Fortsetzung dieser Auftaktveranstaltung geben. Denn es werden für die Stadt Zukunftsdenker gesucht, die an einer Gedankenlandkarte mitarbeiten wollen.

Kommentare