ISEK

Bürger sollen mitreden

Großes Potenzial im ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept) sieht Bürgermeister Robert Pötzsch. Im sogenannten Steuerkreis dürfen Bürger, die per Los ausgewählt werden, mitreden.

Waldkraiburg – Über eineinhalb Jahre verteilt wird es sechs Sitzungen des Steuerkreises geben. Die erste und damit konstituierende Sitzung soll am Mittwoch, 1. Juni, stattfinden.

Bei Infoständen samstags am Markt soll die breite Öffentlichkeit informiert werden. Wie das ISEK aussieht und funktioniert, erklärte das Projektteam – bestehend aus Dragomir Stadtplanung und dem Institut für Stadt- und Regionalmanagement ISR – in einer Infoveranstaltung im Rathaus.

Was ist ein ISEK?

ISEK bedeutet Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept. Die Voraussetzung für die Förderung einzelner Maßnahmen ist die Aufnahme in die Städtebauförderung; Waldkraiburg ist drin. ISEK wird gebraucht, um die Missstände und die Ziele zu definieren. ISEK erarbeitet die strategische Planungsgrundlage für die städtebauliche Sanierung und künftige Entwicklung der Stadt mitsamt der Ortsteile.

Das Konzept soll für die nächsten 15 bis 20 Jahre gelten. Aktuelle Entwicklungen und Gutachten, die es schon gibt, fließen mit ein. Alle maßgeblichen Akteure – also auch die Bürger, sollen es mittragen. Alle relevanten Fachbereiche werden zusammen betrachtet und inte griert. Ob, wann und wie viele Maßnahmen am Ende umgesetzt werden können, hängt von den städtischen Finanzen und der Entscheidung des Stadtrates ab, erklärt Stadtplaner Martin Birgel von Dragomir.

Wer beteiligt sich am Planungsprozess?

Der Steuerkreis setzt sich zusammen aus den Planungsbüros Dragomir und ISR, Verwaltung, Stadtrat, lokalen Akteuren (z.B. Gastronomie, Handel, Soziales, Kultur, Vereine, Behinderte, Senioren, Kinder und Jugendliche) und den Bürgern. Unterstützung gibt es von der Regierung und Fachbehörden.

Wie werden die Bürger beteiligt?

Alle Altersgruppen und Interessensgruppen sollen angesprochen werden, dazu gibt es Infostände am Samstagsmarkt. Hier werden die Planungsschritte auf Schaubildern gezeigt. Auf einem Luftbild können die Waldkraiburger mit grünen und roten Punkten die Stärken und Schwächen ihrer Stadt markieren. Die Bürger dürfen Fragen stellen und sich für einen Sitz im Steuerkreis bewerben. Fünf Sitze sind zu vergeben, das Los entscheidet.

Warum braucht es ein ISEK?

Waldkraiburg hat mit dem demografischen Wandel zu kämpfen, seit den 90ern stagnieren die Bevölkerungszahlen, es gibt einen Sanierungsstau sowie Leerstände beim Gewerbe, bei Wohnungen und auch Brachland, erklärte Birgel.

Die Flächenreserven in der Stadt sind begrenzt. Birgel stellte die Frage, ob und wie Waldkraiburg wachsen kann im Hinblick auf Wohnbau und Gewerbeentwicklung. Wie macht man den Standort attraktiver? Greift man auf eine Nachverdichtung zurück oder eine Außenentwicklung? Welche Auswirkungen hat das Wachstum auf die Stadt und auf die erforderliche Infrastruktur? Wie kann man die Ortsteile mit einbeziehen?

Herangehensweise:

Waldkraiburg soll ein gefragter Wohn- und Arbeitsstandort werden, öffentliche Räume aufgewertet, Anreize für private Investitionen geschaffen und die Impulse des Neubaus der A94 für die Stadt nutzbar gemacht werden. Die Themen Verkehr und Mobilität müssen frühzeitig in die Konzeptentwicklung einbezogen werden.

Aufgabenstellung für: "Landschafts- und Freiraumplanung: Die umgebende Landschaft und der Mühldorfer Hart sollen als Naherholungsräume gestärkt werden; die vielen Parkflächen sollen ins Konzept mit eingebunden werden. Clara Berger von Dragomir regte an, die barrierefreie Nutzung und die Verbindung der Grünräume zu verbessern. Innerörtliche Freiräume können aufgewertet werden und man solle das Potenzial von Inn und Kanal erlebbar machen.

" Einzelhandel: Bei der Standortanalyse geht es um die Kundenbefragung, Angebotserhebung, Nahversorgung, Kaufkraft etc. Um eine Aufwertung des Standortes zu erreichen, muss man die Leerstände beleben, kaschieren oder eine Zwischennutzung anstreben. Spielhallen, Telekommunikationsläden und Friseurläden dürfen im Stadtkern nicht Überhand nehmen, denn das wäre ein „trading-down-Prozess“, erklärte Prof. Joachim Vossen von ISR. Die Ladenstrukturen in Waldkraiburg sind zum Teil sehr kleinteilig, so Vossen, was bestimmte Investoren ausschließe. Er sprach auch die mangelnde Aufenthaltsqualität in der Ortsmitte an und nannte etwa die Analyse als Immobilienstandort.

" Gewerbestandort:

Das Stadtplaner-Team war Anfang Dezember in Waldkraiburg, zum Kartieren, um Gewerbe, Industrie, Gründungen, Leerstände, Verdichtung, Arbeitskräfte und etwa das Thema Bildung aufzunehmen. Zu den Aufgaben gehöre hier eine Wachstumsanalyse, eine Bedarfsprognose für die Gewerbeflächen und ein Zukunftscheck.

Wie sieht die Förderung aus?

Die Städtebauförderung ermöglicht die Umsetzung von Maßnahmen aus dem ISEK. 60 Prozent der Kosten für förderfähige Maßnahmen stammen aus dem Bund-Länder-Förderprogramm, 40 Prozent sind von der Stadt Waldkraiburg zu tragen. Gefördert wird die Vorbereitung (Untersuchungen, Gutachten), Ordnungsmaßnahmen (Herstellung oder Änderung von Straßen, Plätzen, Verbesserung der Parkplatzsituation, Umgestaltung von Parks), Durchführung von Baumaßnahmen und nicht-investive Maßnahmen (Quartiers- oder Leerstandsmanagement, Projektsteuerung oder Öffentlichkeitsarbeit).

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