Brauerei plant Sanierung und Neubau – Was wird aus Toerring-Saal in Waldkraiburg?

So sehen die vorläufigen Pläne ohne den Saalanbau aus: Das bestehende Wirts- und Wohnhaus an der Berliner Straße soll saniert werden, im rückwärtigen Bereich ein Neubau mit kleineren Wohnungen entstehen. Aris/STadt
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So sehen die vorläufigen Pläne ohne den Saalanbau aus: Das bestehende Wirts- und Wohnhaus an der Berliner Straße soll saniert werden, im rückwärtigen Bereich ein Neubau mit kleineren Wohnungen entstehen. Aris/Stadt
  • Hans Grundner
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Was wird aus dem Toerring-Saal in Waldkraiburg, einem der letzten Veranstaltungsorte für Versammlungen und größere Feiern, die es neben dem Haus der Kultur noch gibt? Diese Frage stellt sich, seit Pläne bekannt wurden, dass die Brauerei das bestehende Wirts- und Wohnhaus sanieren und im rückwärtigen Bereich weitere Wohnungen errichten möchte.

Waldkraiburg – Viele Vereine haben dort über Jahrzehnte ihre Jahreshauptversammlungen abgehalten, Feste gefeiert und Bälle veranstaltet. Und beim legendären Starkbierfest der CSU stieß der Saal im Graf-Toerring-Hof stets an seine Kapazitätsgrenzen. Hochzeiten und andere Feierlichkeiten hat er schon gesehen. Gut möglich, dass es damit aber in absehbarer Zeit vorbei ist. Denn der Abriss des Saales ist im Gespräch. Das wurde im Stadtentwicklungsausschuss bekannt, der über Pläne beriet, im Zuge einer Sanierung des Wohn- und Wirtshauses in der Berliner Straße im rückwärtigen Bereich ein neues Gebäude mit kleineren Wohneinheiten zu errichten.

Sanierung „baurechtlich völlig unkritisch“

Wie Bauamtsleiter Carsten Schwunck im Stadtentwicklungsausschuss erläuterte, ist die geplante Sanierung des bestehenden Gasthauses im Erdgeschoss und der Wohnungen in den vier Obergeschossen, die unter anderem mit neuen, größeren Balkonen ausgestattet werden sollen, „baurechtlich völlig unkritisch“.

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Anders sei das Vorhaben zu beurteilen, im rückwärtigen Bereich an der gesamten Grundstücksgrenze ein neues Gebäude mit Carports im Erdgeschoss und darüber liegenden Wohnungen zu errichten. Zwei Entwurfsvarianten liegen der Stadt vor: eine mit einem Obergeschoss und Balkonen, eine weitere mit zum Teil zwei Obergeschossen und dazwischenliegenden Dachterrassen.

Baurecht für Neubau nur über Bebauungsplan möglich

Beide Varianten verstoßen gegen das Abstandsflächenrecht und sind deshalb nicht zulässig. Eine Genehmigung über Paragraf 34 Baugesetzbuch sei nicht möglich. Baurecht könnte es demnach nur über die Aufstellung eines Bebauungsplanes geben, der für diesen innerstädtischen Bereich nicht vorliegt. Viele Grundstücke sind bereits jetzt eng bebaut und verfügen im rückwärtigen Bereich über erdgeschossige Nebengebäude an der Grundstücksgrenze. Durch einen Bebauungsplan könnte die Stadt eine Regelung zu den Grenzanbauten treffen und die neue Grenzbebauung ermöglichen, so Schwunck.

Werden die kleinen Wohnungen im Hinterhof angenommen?

Dass der Saal des Gasthauses verloren geht, in dem seit einigen Jahren die Taverbe Korfu griechische Speisen anbietet, sei bedauerlich, aber baurechtlich nicht relevant, so der Bauamtsleiter. Mit dem Neubau entstehe wertvoller Wohnraum, kleine kompakte Wohneinheiten für junge Kleinfamilien oder Singles in der Innenstadt.

Stadtrat Michael Steindl (UWG) macht sich allerdings Sorgen wegen des Hinterhofcharakters des Neubaus. Was passiere, wenn das Angebot auf dem Wohnungsmarkt nicht angenommen werde, wollte er wissen. Seine Befürchtung: In diesem Fall könnten aus den Wohnungen vorübergehende Unterkünfte für Monteure oder Saisonarbeiter werden.

Dies könne die Stadt explizit in einem vorhabensbezogenen Bebauungsplan ausschließen, entgegnete Schwunck. Und Stadträtin Monika Ott (Grüne) wertete das Vorhaben insofern positiv, dass es für Single-Haushalte relativ wenig Mietswohnungen in Waldkraiburg gebe.

Kaum Auswirkungen auf Gastronomiebetrieb

Die Auswirkungen auf den Gastronomiebetrieb, der auch in Zukunft weiterlaufen soll, schätzt der Bauamtsleiter relativ gering ein. Es werde sich kaum etwas ändern, da es ja schon bisher Wohnungen in diesem Bereich gab. Allenfalls seien Einschränkungen auf den Gastgarten denkbar, etwa eine früheres Ende der Betriebszeit. Einstimmig hat der Ausschuss beschlossen, einen Bebauungsplan auf zu stellen.

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