Gefordert wie nie

Wie die Waldkraiburger Feuerwehr mit den zurückliegenden Anschlägen und der Brandserie umgeht

Meterhoch schlagen die Flammen beim Brand am Sartrouville-Platz nach einem Anschlag auf ein türkisches Lebensmittelgeschäft. Es war ein Großbrand von insgesamt acht, zu denen die Waldkraiburger Feuerwehr in den vergangenen Monaten ausgerückt ist.
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Meterhoch schlagen die Flammen beim Brand am Sartrouville-Platz nach einem Anschlag auf ein türkisches Lebensmittelgeschäft. Es war ein Großbrand von insgesamt acht, zu denen die Waldkraiburger Feuerwehr in den vergangenen Monaten ausgerückt ist.
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Acht Großbrände in knapp eineinhalb Jahren – selten war die Waldkraiburger Feuerwehr so gefordert wie in den vergangenen Monaten. Nicht nur gegen Feuer kämpften die Aktiven.

Waldkraiburg – Die Flammen schlagen hoch, Bewohner müssen aus ihren Wohnungen gerettet werden und das mitten in der Stadt: Der Brand eines türkischen Lebensmittelgeschäfts im April dieses Jahres ist vielen Waldkraiburgern im Gedächtnis geblieben. Der Schaden des Gebäudes am Sartrouville-Platz geht in die Millionen und schon bald ist klar, dass hinter dem Brand ein extremistischer Anschlag steckt.

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Doch als die Waldkraiburger Feuerwehr zum Einsatz ausrückt, spielt das keine Rolle. „Natürlich macht man sich Gedanken, wie es sein kann, dass ein Gemüseladen so brennen kann. Man nimmt es auf, aber macht dann professionell seinen Job. In solchen Momenten stehen alle voll unter Adrenalin“, sagt Kommandant Bernhard Vietze.

Zwei Großbrände in der Stadt

Das Feuer am Sartrouville-Platz war nicht der einzige Großbrand, gegen den die Feuerwehr in den vergangenen Monaten ankämpfte. „Großbrände sind eher selten, aber 2019 und 2020 waren extrem. Wir hatten acht Großbrände, davon zwei in der Stadt“, bilanziert Vietze. Auch die Brandserie in Pürten hat die Aktiven hart gefordert. Über mehrere Monate hinweg geraten Scheunen, Hütten und landwirtschaftliche Lagerhallen in und um Pürten in Brand. Zuletzt brannten ein Auto und eine Garage mitten im Ort.

Zu insgesamt 61 Bränden rückte die Waldkraiburger Feuerwehr 2019 aus. Mit 120 Einsätzen machten die technischen Hilfeleistungen aber einen deutlich größeren Anteil der Einsätze aus. Dennoch verzeichnet die Wehr rückläufige Einsatzzahlen. „Wir haben weniger Sicherheitswachen“, erklärt Bernhard Vietze. Auch die Zahl der Fehlalarme habe sich bei rund 60 eingependelt.

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94 Aktive hat die Feuerwehr, der Altersdurchschnitt liegt bei 31 Jahren. Viele junge Kameraden sind dabei, aber auch genug Leute mit Lebenserfahrung, die ihr Berufsbild in ihre Arbeit bei der Feuerwehr einbringen können. Unzufrieden ist Bernhard Vietze nicht. Dennoch „könnte die Wehr noch mehr Leute gebrauchen“. Ob aus der eigenen Jugend oder als Quereinsteiger: Es gibt immer wieder Neuzugänge bei den Aktiven. Doch ganz so einfach ist es nicht immer.

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Denn: Um Quereinsteiger in angemessener Zeit in den Dienst bei der Feuerwehr zu bringen, dauert angesichts der Corona-Pandemie noch länger als gewöhnlich. „Momentan ist nicht viel Ausbildung möglich. Die braucht es aber, sonst dürfen sie nicht bei den Aktiven mitmachen“, erklärt Vietze. Bis zum Jahresende ist die Ausbildung eingestellt. Die modulare Truppmannausbildung kann bis zu drei Jahre dauern. Eine lange Zeit, um die Leute „bei der Stange zu halten.“

Einsatzbereitschaft nimmt ab

Eine Aufgabe, die umso schwieriger geworden ist, seitdem das gesellschaftliche Leben der Feuerwehr wegen Corona nahezu zum Erliegen gekommen ist. „Wir haben viele Aktive, die sich untereinander treffen und gemeinsam etwas unternehmen. Die Feuerwehr ist wie eine zweite Heimat“, sagt Vietze. Dass dieses Gefühl wegen Corona weggebrochen ist, „tut weh und tut auch der Feuerwehr nicht gut“. Im Vergleich zu Vor-Corona gibt es keine Nachbesprechungen, Einsätze werden mit Auflagen durchgeführt. An den Aktiven geht die Corona-Pandemie nicht spurlos vorüber. „Die Einsatzbereitschaft nimmt ab. Das könnte zu einem Problem werden.“

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Einen positiven Aspekt kann Vietze der Corona-Pandemie abgewinnen. Während des Lockdowns im Frühjahr hatte die Feuerwehr auf eine Alarmbereitschaft innerhalb der Wehr gesetzt, sodass jedes Fahrzeug komplett besetzt war. Genau in dieser Zeit passierte der Brandanschlag auf das türkische Lebensmittelgeschäft am Sartrouville-Platz. „Das war ein Glücksfall, dass wir so schlagkräftig den ersten Angriff starten konnten“, sagt Vietze im Rückblick. Mit der Hilfe weiterer Feuerwehren war der Brand schnell unter Kontrolle.

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