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Mehrere Anschläge verübt

Neuneinhalb Jahre und Psychiatrie: Der Bombenleger von Waldkraiburg wurde verurteilt

Urteil im Prozess um Anschlagsserie in Waldkraiburg
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Der angeklagte Muharrem D. sitzt vor Prozessbeginn im Landgericht im Verhandlungssaal zwischen seinen Rechtsanwälten.

Der Bombenleger von Waldkraiburg muss für neun Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Das Oberlandesgericht München sprach ihn des versuchten Mordes schuldig und ordnete seine Unterbringung in der Psychiatrie an. Der Mann hatte 26 Menschen in Lebensgefahr gebracht.

Waldkraiburg/München – Das Motiv lautete Türken-Hass, der Antrieb entstammte einer „bizarr anmutenden Privat-Philosophie“. So formulierte es der Vorsitzende Richter Jochen Bösl bei der Urteilsbegründung. Der Angeklagte hatte im Frühjahr 2020 in einem Obst- und Gemüseladen einen Brandsatz gezündet, ohne sich um die Bewohner des Hauses zu scheren.

Schizophrenie und jahrelanger Canabis-Konsum

Angeblich hatte er aufgrund seiner Schizophrenie die Menschen nicht im Blick gehabt. „Dem schenken wir keinen Glauben“, erklärte der Vorsitzende Richter und sprach von einer Schutzbehauptung. Die Richter bescheinigten dem 27-Jährigen dennoch eine verminderte Steuerungsfähigkeit wegen seiner undifferenzierten Schizophrenie in Verbindung mit seinem jahrelangen Cannabis-Konsum.

+++ Alle Artikel zur Verhandlung und zur Anschlagsserie finden Sie in unserem Dossier. +++

Die Anschlagsnacht hatte Anwohner in Todesangst versetzt. Einige waren vom Krach berstender Scheiben aufgewacht und konnten sich durch die Tiefgarage ins Freie flüchten. Andere mussten von der Feuerwehr mit Schutzhauben nach draußen geführt werden. Ein Rollstuhlfahrer harrte mit zwei Feuerwehrlern bis zum Morgen in seiner Wohnung aus. Eine 79-Jährige musste mit der Drehleiter geborgen werden.

Schon lange vor Attentat Bomben gebaut

Für den versuchten Mord als geplante Aktion und nicht als Spontantat gab es genügend Anzeichen. Demnach hatte sich der Angeklagte schon lange vor dem Attentat auf den Bombenbau spezialisiert. Eine Gewalttat gegen Menschen korrespondierte mit seinem Verständnis des dschihadistischen Weltbildes.

Nach dem Anschlag zeigte er zunächst keine Reue, zeigte lächelnd ein Bild vom Brand und wollte immer wieder ein Video von den Flammen anschauen. „Es lief so gut bei dem Brand im Gemüseladen“, wurde er zitiert. Über die Folgen der Tat soll er zunächst kein Erschrecken gezeigt haben.

Taten ohne IS-Ideologie nicht denkbar

Wie er als gut integrierter junger Mann, der einen Abschluss und einen Job hatte und daheim auf kein extrem religiöses Elternhaus traf, so tief in Gewalt und Salafismus rutschen konnte, blieb den Richtern ein Rätsel. „Ohne Schizophrenie sind die Taten und Anschläge nicht denkbar“, setzte der Richter zu einem Erklärungsversuch an, fügte aber hinzu, dass die Taten ohne IS-Ideologie auch nicht denkbar gewesen wären.

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