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Muharrem D.: „Es war nicht meine Absicht, Menschen zu töten“

Ohne Therapie gefährlich: Verteidigung im Waldkraiburger Bombenleger-Prozess hält Plädoyer

Der verheerende Brandanschlag vom 27. April 2020 hat das Leben von 31 Menschen gefährdet. „Es war nicht meine Absicht, Menschen zu töten“, sagte der Angeklagte Muharrem D. jetzt in seinem Schlusswort nach dem Plädoyer der Verteidigung.
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Der verheerende Brandanschlag vom 27. April 2020 hat das Leben von 31 Menschen gefährdet. „Es war nicht meine Absicht, Menschen zu töten“, sagte der Angeklagte Muharrem D. jetzt in seinem Schlusswort nach dem Plädoyer der Verteidigung.

Im Prozess um den Bombenleger von Waldkraiburg hat nun auch die Verteidigung ihre Plädoyers gehalten. Sie fordert für den Angeklagten Muharrem D., der sich unter anderem wegen versuchten Mordes in 31 Fällen vor Gericht verantworten muss, eine deutlich niedrigere Strafe als die Staatsanwaltschaft.

Waldkraiburg/München – Der Papa auf der Anklagebank, das Töchterchen (2) auf Omas Schoß auf der Zuschauer-Empore im Gerichtssaal. Die vierjährige Halbschwester winkte von der Zuschauer-Tribüne des Oberlandesgerichts (OLG) München. Es war der wohl emotionalste Moment des Prozesses um die Brandanschläge von Waldkraiburg im Frühjahr 2020. Nach den Plädoyers der Anklage hatten am Freitag die Verteidiger und auch der mittlerweile 27-jährige Angeklagte das Wort.

Durch Krankheit zum Salafisten geworden

13 Jahre und sechs Monate Haft sowie die Unterbringung in der Psychiatrie lautete die Forderung der Generalbundesanwälte vom Vortag. Muharrem D. legten sie versuchten Mord in 31 Fällen, Brandstiftungsdelikte sowie die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zur Last. Der Tod einer 80-jährigen Frau sei wohl in Folge einer Herzerkrankung und nicht in Zusammenhang mit einem der Anschläge belegbar, hieß es im Plädoyer der Ankläger.

Die Verteidiger forderten sieben Jahre Haft und ebenso die gesetzlich angeordnete Einweisung in die Psychiatrie. Verständlicherweise zeichneten sie ein sehr warmherziges Bild vom Attentäter. Der sei integriert gewesen, fleißig, unauffällig, bis er an Schizophrenie erkrankte, vermutlich ausgelöst durch jahrelangen Cannabis-Konsum. Das war 2013.

Lesen Sie auch: Ist Bombenleger von Waldkraiburg schuldfähig? Psychiater gibt Verantwortung weiter

Muharrem D. bekam eine gestelzte Sprache, fiel auf durch inadäquates Lachen, seine Mutter deutete er als Hexe. Ein Dekoherz im Elternhaus sah er als Bedrohung. Seine Mutter vermutet, dass er sich in dieser Zeit im Internet verlief. Er versuchte, tiefer in der islamischen Szene Fuß zu fassen, eignete sich eine salafistische Grundeinstellung an.

Aus seiner Sicht war D. auch nicht an den Menschen interessiert, die oberhalb des Gemüseladens lebten, den er am 27. April 2020 in Brand setzte. Er wollte sie nicht gefährden. Sein Tunnelblick war auf das Geschäft fokussiert, weil es von einem Türken geführt wurde. Das hatte er im Internet erfahren. Vermutlich kam es auch nur deshalb zum Brandanschlag, weil er nicht auf Widerstand traf.

„Dabei hätte es ein Desaster werden können“, sagte Gerber und ruderte im nächsten Moment zurück, indem er einräumte, dass es für die Opfer ein Desaster war. Die Bewohner hätten erhebliches Leid erfahren. „Sie standen vor dem Nichts“, sagte der Verteidiger. Nur weil sein Mandant psychisch krank sei, konnte es dazu kommen.

Anwalt regt Unterbringung in der Psychiatrie an

Eine Unterbringung in der Psychiatrie hielt der Anwalt für unumgänglich. Auch wenn der 27-Jährige seine Medikamente regelmäßig einnehme, sei die Gefahr der Absetzung ohne Überwachung zu groß. „Er kann mit seiner Krankheit noch nicht umgehen“, sagte der Verteidiger.

Angeklagter D.: „Wollte nicht töten“

„Ohne Therapie ist er für die Allgemeinheit gefährlich.“ Seinem Mandanten wünschte er ein Urteil, „mit dem Sie leben können und sich fair behandelt fühlen. Das ist wichtig für Ihre weitere Behandlung“.

+++ In unserem Dossier finden Sie alle Artikel zur Anschlagsserie in Waldkraiburg +++

„Es war nicht meine Absicht, Menschen zu töten. Wenn es etwas gibt, was ich machen kann, will ich es gerne tun“

Angeklagter Muharrem D.

Auch der Angeklagte richtete zum Schluss einige Worte an das Gericht: „Es war nicht meine Absicht, Menschen zu töten. Wenn es etwas gibt, was ich machen kann, will ich es gerne tun“, sagte er und dachte an die Aufforderung des Rollstuhlfahrers im betroffenen Haus in Waldkraiburg, der dem Gericht als Strafe vorgeschlagen hatte, dass Muharrem D. einen Monat seinen Rollstuhl schieben sollte.

Das Urteil wird am Freitag, 23. Juli, gesprochen.

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