Mit dem Bizykel in die Heimat

Herbert Liess im Alter von 27 Jahren, als er zum ersten Mal von Waldkraiburg in seine alte Heimatstadt Rosenau in Rumänien radelte Fotos re
+
Herbert Liess im Alter von 27 Jahren, als er zum ersten Mal von Waldkraiburg in seine alte Heimatstadt Rosenau in Rumänien radelte Fotos re

Auf dem Fahrrad, dem Bizykel, wie es Herbert Liess nennt, macht ihm so schnell keiner was vor. Von seinen Erlebnissen auf den zahlreichen Radtouren berichtet er in einem Buch und diversen Vorträgen.

Waldkraiburg - Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu berichten. Und das kann Herbert Liess auf alle Fälle. Der passionierte Radfahrer hat in den vergangenen 30 Jahren zahlreiche Radtouren gemacht, die ihn auch in seine alte Heimat Siebenbürgen zurückbrachten oder quer durch Deutschland führten.

Eigentlich hat ein gewisser Hans Schweizer im Jahr 1972 bei Herbert Liess die Lust aufs Radfahren geweckt. Liess war 17 Jahre und lebte in dem kleinen Städtchen Rosenau in Rumänien, als er in der deutschsprachigen Zeitung "Neuer Weg" von dem 67-jährigen Banaterschwaben las. Dieser wollte mit dem Fahrrad von seinem Heimatort zu den Olympischen Spielen in München radeln. Zu gerne hätte er dem 67-Jährigen bei seinem Vorhaben Gesellschaft geleistet, als damals 17-Jähriger bekam Herbert Liess aber natürlich keine Ausreisegenehmigung aus dem kommunistischen Rumänien.

Doch im Jahr 1982 war es dann soweit: Mittlerweile lebte Herbert Liess in Waldkraiburg und plante die Tour in entgegengesetzter Richtung. Über 1600 Kilometer von Waldkraiburg nach Rosenau. Schließlich hatte er 1980 mit seinem Freund Werner gewettet, dass er innerhalb der nächsten fünf Jahre von Deutschland nach Siebenbürgen radeln werde. Die 20 Liter Wein Wetteinsatz ließen sie sich dann bei einer gemeinsamen Feier schmecken, als das Hercules-Fünf-Gang-Tourenrad Liess brav in die ehemalige Heimat getragen hatte. Mittlerweile hat er auf ein Fahrrad mit 21 Gängen umgesattelt.

Über Österreich und Ungarn führte ihn sein Weg damals in die alte Heimat. Dabei ließ er sich auch von einer radebrechenden Ungarin nicht beeindrucken, die ihm mit Händen und Füßen klar machte "Romania, ham-ham semmit" (In Rumänien bekomme man nichts zu essen und er sollte lieber in Ungarn bleiben.)

Schon damals nützte er die Gelegenheit, über die Dörfer zu radeln und vor allem die typischen Kichenburgen zu fotografieren.

Das Radfahrerfieber hat Herbert Liess seither nicht mehr losgelassen. Seine bisher längste Tour nahm er 1988 in Angriff. In 17 Tagen legte er rund 2650 Kilometer quer durch Deutschland. Von Waldkraiburg bis hoch nach Flensburg und über das Emsland, das Rheintal, Heilbronn, Donauwörth und Freising zurück nach Waldkraiburg. Er kam gerade von Dänemark und war in Richtung Nordfriesland unterwegs. Beim Überqueren einer Nebenstraße rief ihm ein Einheimischer zu: "Nach Russland immer geradeaus", erinnert sich Liess noch heute.

Touren entlang der Donau, im Elsass, in Kroatien, Kärnten, im Burgenland, zwischen Rhein und Main oder vom Königssee bis zum Bodensee standen in den verganenen Jahren auf dem Programm. Dabei hatte er die ersten Radtouren alleine gemacht, sich in den vergangenen Jahren aber mit fünf guten Freunden zusammengetan und die jährlichen Touren in wechselnder Besetzung in Angriff genomen; lediglich Herbert Liess war immer dabei. Im Jahr 2007 machte er zusammen mit seinem Freund Erwin Lang dann eine Revivaltour von Waldkraiburg nach Rosenau. "Da haben wir uns dann auch als Brieftauben betätigt, denn wir hatten Botschaften von Waldkraiburgs Bürgermeister Siegfried Kika und Landshuts Oberbürgermeister Hans Rampf im Gepäck (Landshut hat eine Partnerschaft mit Hermannstadt)". Seine Frau habe ihn damals in Rosenau mit dem Auto abgeholt und in Waldkraiburg wurde ihnen dann mit Blasmusik ein grandioser Empfang bereitet.

In diesem Jahr plant Liess eine Fahrt aus dem Engadin den Inn hinunter bis nach Waldkraiburg.

Bei all seinen Touren hat sich Liess stets Notizen gemacht und fleißig fotografiert. Daraus ist dann zum einen ein kleines Büchlein mit seinen Erlebnissen entstanden. Zum anderen ist er bayernweit unterwegs, um bei einem Diavortrag von seinen Touren mit dem Bizykel, wie er das Fahrrad nennt, zu berichten. Mittlerweile hat er den Vortrag mehrmals überarbeitet und verbessert und sich ganz auf die Touren nach Siebenbürgen beschränkt: "Das kommt besser bei den Menschen an", ist Liess überzeugt.

Der nächste Vortrag dieser Art findet am Freitag, 18. März, um 20 Uhr in der Black Box (Haus der Kultur) statt. Dabei bekommen die Zuhörer unter dem Motto "Mit dem Bizykel unterwegs" einen Einblick in die Touren von Herbert Liess. Zudem sehen sie zahlreiche Bilder von für Siebenbürgen typischen Kirchenburgen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind gerne gesehen. hsc

Kommentare