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WO BLEIBT GLEICHBERECHTIGUNG?

Billig-Laden macht auf Baumarkt: Waldkraiburger Händler kritisiert ungerechte Corona-Regeln

„Wo ist die Gleichberechtigung?“ fragt Josef Sahlstorfer. Der Fotograf kann nicht das Corona-Regelwerk der Politik nicht mehr nachvollziehen.
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„Wo ist die Gleichberechtigung?“ fragt Josef Sahlstorfer. Der Fotograf kann nicht das Corona-Regelwerk der Politik nicht mehr nachvollziehen.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Josef Sahlstorfer, Fotograf aus Waldkraiburg, hadert schon seit Langem mit den Corona-Regeln für den Einzelhandel, die er als höchst ungerecht empfindet. Als in dieser Woche die Läden einer Billig-Kette aufmachten, ist Sahlstorfer aus allen Wolken gefallen.

Waldkraiburg – Nur zu gerne würde Josef Sahlstorfer sein Fotostudio in der Berliner Straße wieder aufmachen. Es geht ihm wie vielen anderen Geschäftsinhabern. Der Lockdown geht an die Existenz und zehrt an den Nerven. Vor allem auch deshalb weil Sahlstorfer die Regularien als ungerecht empfindet. In dieser Woche ist das Fass übergelaufen, als die beiden TEDI-Märkte in Waldkraiburg wieder öffnen durften.

Sahlstorfer will Gleichberechtigung

Seit einem Jahr ist Sahlstorfer wie vielen anderen Fotografen die Geschäftsgrundlage weg gebrochen, Hochzeiten und viele andere Feste wurden abgesagt, verschoben, verkleinert. Seit fast einem Vierteljahr ist wegen des Lockdowns sein Fotostudio zu, die Mitarbeiter im Homeoffice. Und der Fotograf kann nicht verstehen, warum.

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Größte Infektionsgefahr daheim

Denn selbst das Robert-Koch-Institut stufe das Gefährdungspotenzial im Einzelhandel unter Einhaltung der Hygieneregeln als niedrig ein. Auch im Landkreis seien die Infektionsquellen in mehr als der Hälfte der Fälle im privaten Umfeld zu suchen.

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„Ich gönne es jedem Friseur, jedem Baumarkt und jeder Gärtnerei, dass sie aufmachen dürfen“, betont der Waldkraiburger Händler. „Aber wo ist die Gleichberechtigung?“

Seit er am Montag bemerkte, dass die Discount-Kette TEDI ihre Läden wieder aufgesperrt hat, ist Sahlstorfer endgültig aus allen Wolken gefallen. Wie ist es möglich, dass der Discounter, der sich als Ein-Euro-Billig-Paradies einen Namen gemacht hat, mit den Baumärkten und Gärtnereien aufmachen darf?

Firmenzentrale nimmt Stellung

Er war sich sicher, dass da ein Fehler vorliegen muss. Sahlstorfer setzte sich mit dem städtischen Ordnungsamt und mit dem Gesundheitsamt des Landkreises in Verbindung.

Doch juristisch scheint das Unternehmen, das nach eigenen Angaben Ge- und Verbrauchsartikel des täglichen Bedarfs, Haushalts-, Party-, Heimwerker- und Elektroartikel sowie Schreib- und Spielwaren sowie Drogerie- und Kosmetikprodukte anbietet, auf der sicheren Seite zu sein.

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Die Presseabteilung der Firmenzentrale in Dortmund teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Durch unser vielfältiges und breit gefächertes Sortiment können wir einen überwiegenden Sortimentsanteil der vom Gesetzgeber erlaubten Produkte (zum Beispiel Tierbedarf, Drogerie, Lebensmittel und Baumarkt) aufweisen.“ Damit sei die Eröffnung der Filialen „im Sinne der Infektionsschutzverordnung in Bayern erlaubt“.

Engelmann: Viele Regeln passen nicht

„Wenn das so juristisch in Ordnung ist, dann kann man nichts machen“, sagt Willi Engelmann. Der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk war auf Veranlassung Sahlstorfers in einem der Läden. Die Filialleiterin hat ihm das Schreiben einer Anwaltskanzlei gezeigt mit einer Auflistung von Produkten, die belegen sollen, dass die Baumarkt-Regelung für TEDI gilt.

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Engelmann: „Ich freue mich über jedes Geschäft, das aufmachen darf, aber ich wünsche mir, dass auch Herr Sahlstorfer aufmachen darf.“ Auch aus Sicht von Engelmann passen viele Regularien nicht mehr. Einerseits dürfe sich niemand im Fotostudio fotografieren lassen, obwohl das problemlos ohne enge Kontakte möglich sei, andererseits dürfen Friseure aufmachen.

Mit den Baumärkten durften auch dei TEDI-Märkte wieder aufmachen.

„Das ganze Konzept muss geändert werden“, fordert Josef Sahlstorfer. Wenn nicht, so droht er nicht ganz ernst gemeint, dann werde er sein Geschäftskonzept ändern: „Ich stell mir zwei Paletten Primeln und Narzissen und einen Sack Blumenerde in den Laden und mach auf Gartenmarkt.“

Landratsamt: Prüfung läuft

„Grundsätzlich darf TEDI öffnen, um sein „erlaubtes“ Sortiment (Lebensmittel, Schreibwaren, Tierbedarf und Ähnliches) anzubieten.“ Das teilt das Landratsamt auf Anfrage mit.

Die Läden dürfen demnach auch das „nicht erlaubte“ Sortiment verkaufen, wenn mindestens 50 Prozent des Sortimentes erlaubte Ware ist. „Ob dies der Fall ist, wird derzeit vom Ordnungsamt geprüft.“ hg

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