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Der Berge Freiheit...

Kraiburger Bergsteiger auf dem Sonneck-Gipfel im Kaiser (linkes BIld). Hans Brandl, einer vom "Harten Kern" der Kraiburger Bergsportler in der Matejak-Traverse. Fotos ng/privat
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Kraiburger Bergsteiger auf dem Sonneck-Gipfel im Kaiser (linkes BIld). Hans Brandl, einer vom "Harten Kern" der Kraiburger Bergsportler in der Matejak-Traverse. Fotos ng/privat

Ende Oktober 1968 wurde auf Anregung von Heini Eder die Bergwandergruppe im Turnverein Kraiburg ins Leben gerufen und Heini Eder zum ersten Leiter der Abteilung bestellt. Begeisterte Bergsportler gab es im Markt aber schon weit früher.

Kraiburg - Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg waren Kraiburger wie die Gebrüder Lehmann oder Franz Mayr beim Bergsteigen unterwegs. Im Tourenbuch von Franz Mayr etwa sind in der Zeit von 1925 bis 1981 insgesamt 345 Tages- oder Mehrtagestouren aufgeführt. Von Max Schleißheimer, der von 1969 bis 1972 Abteilungsleiter der Bergwandergruppe war, weiß man, dass er mit Freunden 1941 über 250 Kilometer ins Ötztal mit dem Fahrrad zurücklegte, um die Wildspitze und den Brochkogel zu besteigen. 1951 gelang Kraiburger Turnerinnen wie Hanni Schmidt die Besteigung des Großvenedigers mit Skiern und die Bewältigung der Watzmann-Ostwand.

Anfangs der 70er-Jahre bildete sich mit Hans und Sepp Brandl, Toni Oberberger, Gerhard Huber und ab 1976 mit Gerhard Seidl der bis heute so bezeichnete "Harte Kern", der im Sommer wie auch im Winter fast jedes Wochenende in den Bergen unterwegs war. So unternahm diese Gruppe im Jahr 1978 zusammen insgesamt 489 Touren, darunter namhafte Hochtouren in den Ost- und Westalpen sowie schwierige Kletterrouten besonders im Kaiser, den Berchtesgadener Alpen und in den Dolomiten.

Über 25 Viertausender und ein Achttausender

Hans Brandl schien damals nichts zu schwer zu sein. Er meisterte in den 1970er- und 80er-Jahren vor allem im Kaiser alle möglichen Anforderungen. Sepp Brandl war im Gebirge stets mit Kamera und Diktiergerät unterwegs. Das Ergebnis waren zahlreiche Vorträge, Zeitungs- und Kalenderbeiträge, eine TourenDisk und 18 Bergbücher. Zusammen mit verschiedenen Begleitern bestieg er bis 1997 etwa 60 Viertausender.

Am höchsten hinaus von allen Mitgliedern der Bergwandergruppe kam Gerhard Seidl. In seinem Tourenbuch stehen neben zahlreichen Eiswänden und etwa 50 Klettertouren im IV. bis VI. Schwierigkeitsgrad über 25 Viertausender, acht Fünf- und drei Sechstausender sowie ein Siebentausender und als Höhepunkt mit dem Cho Oyu am 16. Mai 2001 ein Achttausender mit genau 8201 Metern.

Zu einem Markstein in der Geschichte der Bergwandergruppe wurde die Errichtung des Gipfelkreuzes auf dem Sonneck im Wilden Kaiser. Im Frühjahr 1976 regte Sepp Brandl das Vorhaben an, Schorsch Jackl schuf dann in rund 120 Arbeitsstunden das Kreuz. Am 22. Juli 1978 schleppten 30 Bergsteiger das Material zum Bau des Kreuzsockels von der Schießlingalm auf das Sonneck und betonierten das Fundament. Am 9. September trugen 24 Bergsteiger das in 17 Einzelteile zerlegte Kreuz aus Stahl und Kupferblech auf den Berg, wo es zusammengebaut, aufgerichtet und mit Spannseilen versehen wurde. Gerhard Rauscher brachte gleichzeitig noch einen Blitzableiter an.

Am 17. September 1978 war es dann so weit: Etwa 150 Bergbegeisterte feierten bei Kaiserwetter die Einweihung des Gipfelkreuzes durch Pfarrer Werner Giglberger. Erna Jackl hatte den Spruch im Querbalken des Kreuzes ausgesucht. Er stammt von Kurt Huber, einem Mitglied der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" um die Geschwister Scholl: "Kein Mensch auf dieser Erd' soll uns der Väter Glauben, der Heimat stillen Herd, der Berge Freiheit rauben."

Hans Brandl und Toni Oberberger fingen ab dem Winter 1970/71 mit Skitouren an und die Skiabteilung bot im April 1972 erstmals eine Ski-Gemeinschaftstour an. Da die Skifahrer sich in der Folgezeit anstatt des alpinen Skilaufs mehr dem Tourengehen verschrieben, ging die Skiabteilung in der Bergwandergruppe auf.

Die Angebote der Bergwandergruppe sind heute noch breiter gefächert als früher. Sie umfassen regelmäßige Wanderungen für alle Altersstufen und Sommer- und Wintertouren in den verschiedensten Schwierigkeitsgraden. Auch Rad-, Senioren- und Frauentouren sind inzwischen im Programm oder auch Schlittenfahrten. Rückschau auf geschaffte und Vorschau auf geplante Vorhaben finden beim Bergschmaaz am letzten Freitag im Monat statt.

Um Kindern und Jugendlichen einen Anreiz zum Bergsteigen zu schaffen, erstellte Franz Stenger in seiner Holzbaufirma im Jahr 2008 eine fahrbare Kletterwand, die nicht nur in Kraiburg großen Zuspruch erfuhr. Und auch die Kletterhalle in Waldkraiburg könnte zu noch mehr Interesse für den Bergsport gerade bei Kindern und Jugendlichen führen.

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