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„Ohne Ideen“

Beratungsteam des Waldkraiburger Vereins “Frauen helfen Frauen“ kritisiert Vorstand

Die Beratungsstelle des Vereins „Frauen helfen Frauen“ ist erst vergangenes Jahr in neue Räume am Stadtplatz umgezogen. Während das Beratungskontingent aufgestockt worden ist, hakt es an der Kommunikation mit dem Vereinsvorstand.
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Die Beratungsstelle des Vereins „Frauen helfen Frauen“ ist erst vergangenes Jahr in neue Räume am Stadtplatz umgezogen. Während das Beratungskontingent aufgestockt worden ist, hakt es an der Kommunikation mit dem Vereinsvorstand.
  • Raphaela Lohmann
    VonRaphaela Lohmann
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Für die Beratungsstelle des Waldkraiburger Vereins „Frauen helfen Frauen“ hat es im vergangenen Jahr viele Verbesserungen gegeben. Doch der Frust sitzt jetzt tief: Die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs üben deutliche Kritik am Vereinsvorstand und beklagen eine fehlende Struktur.

+++ Update vom 15. April 2021: In einer früheren Version lag der Redaktion keine Stellungnahme der Vorsitzenden Irmgard Wagner und Charlotte Kontrad vor. Die Arbeit in der Beratungsstelle laufe. Mittlerweile liegt die Stellungnahme vor. Wir haben dies im Artikel angepasst. +++

Waldkraiburg – Viel getan hat sich im vergangenen Jahr beim Verein „Frauen helfen Frauen“: ein deutlich aufgestocktes Beratungskontingent für den Frauennotruf, neue und größere Räumlichkeiten am Stadtplatz und zuletzt ein neuer Vereinsvorstand. Den Vorsitz übernommen hat im Sommer Zangbergs ehemalige Bürgermeisterin Irmgard Wagner, ihre Stellvertreterin ist Stadträtin Charlotte Konrad.

Doch seitdem eine neue Mannschaft am Ruder sitzt, kommt es an der Schnittstelle zwischen Vereinsvorstand und Beratungsstelle zu Differenzen. Die drei Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle, Manuela Christ-Gerlsbeck, Carola Rülke und Gilyana Becker, sprechen von Kommunikationsproblemen mit der Vereinsführung.

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Viel Zeit für Dokumentation

„Als Team haben wir versucht, das Gespräch mit dem gesamten Vorstand zu suchen. Aber es ist nichts passiert“, sagt Manuela Christ-Gerlsbeck. Anfragen zu einem gemeinsamen Treffen seien abgelehnt worden. Dabei gibt es aus Sicht des Beratungsteams einiges zu klären. „Der Vorstand ist ohne Ideen, und es hat bislang kein einziges strategisches Gespräch gegeben. Es gibt keine klare Struktur“, beklagt sie. Denn neben der Beratung für von Gewalt betroffenen Frauen gehöre auch Netzwerksarbeit und Prävention zu den Aufgaben der Beratungsstelle. „Das alles ist natürlich wegen der Corona-Pandemie schwieriger geworden.“

Zusätzlich suchen während der Pandemie mehr Frauen Hilfe bei der Beratungsstelle. Der erste Lockdown schlägt zeitversetzt in der Beratungsstelle auf, 27 Fälle bearbeitet das Team aktuell. Wegen des langen zweiten Lockdowns sei mit weiteren neuen Fällen zu rechnen.

Doch nicht nur deshalb wird die Zeit für die Beratung betroffener Frauen knapper. „Vorgabe vom Verein ist es nun, dass wir viel Zeit für die Dokumentation aufwenden müssen“, sagt Carola Rülke. Die Beratungsstelle sei aber ein pauschal finanziertes Angebot, das man von Gewalt betroffenen Frauen vorhalten müsse. Nur so könne man sie auch erreichen. Doch durch die geforderten Tätigkeitsnachweise bremse man die inhaltliche Arbeit der Beratungsstelle aus.

Anspruch sei es, betroffenen Frauen innerhalb einer Woche einen Ersttermin möglich zu machen. „Wir mussten zum Glück noch keine Frau wegschicken, aber ein Termin innerhalb einer Woche wird zunehmend schwieriger“, kritisiert Gilyana Becker.

Außerdem gebe es immer weniger Platz für spontane Unterstützung. „Das funktioniert zunehmend schlechter.“ Stattdessen schleicht sich angesichts der vielen Dokumentationsarbeit ein „Gefühl der latenten Unterstellung“ ein.

E-Mails zum Teil unbeantwortet

„Die Arbeit mit den Frauen darf nicht leiden. Der Schutz der Frauen hat oberste Priorität. Das ist aber mittlerweile anstrengend geworden“, sind sich die drei einig. Sie beklagen die fehlende Wertigkeit ihrer Arbeit. „Der Vorstand hat kein Verständnis, um was es geht.“

Doch Versuche, sich enger mit der Vereinsführung auszutauschen, seien bislang ins Leere gelaufen. Die Kommunikation müsse nur noch über die Vorsitzende laufen, E-Mails an sie blieben aber ganz oder teilweise unbeantwortet.

Auch Nachrichten an den gesamten Vorstand hätten nicht den gewünschten Erfolg gebracht. In der wenigen Kommunikation beklagen die drei Frauen einen Ton, der „nicht gewaltfreier Kommunikation“ entspricht. „Der Verein soll die Interessen der Frauen vertreten, ist aber noch nicht auf das Team zugekommen“, beklagen die Frauen. Im Vergleich zu früheren Vorstandssitzungen sei zuletzt niemand mehr vom Team eingeladen worden.

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Um doch noch informiert zu werden, wollten die Frauen als letzten Schritt Mitglied im Verein werden. „Bislang war das kein Thema, um Verein und Beratungsarbeit zu trennen“, erklärt Manuela Christ-Gerlsbeck. Doch auch das scheitert: Laut Satzung ist das zwar nicht ausgeschlossen, der Vorstand hat sich aber mehrheitlich dagegen ausgesprochen. Carola Rülke hat mittlerweile die Konsequenzen aus der schlechten Zusammenarbeit mit dem Verein gezogen und gekündigt.

Zu den Äußerungen der Mitarbeiterinnen von der Beratungsstelle vom Waldkraiburger „Frauen helfen Frauen“ erklärt der Vorstand, dass man aus Datenschutzgründen und aufgrund arbeitsrechtlicher Vorschriften keine Stellungnahme abgeben kann. Die Vorsitzende betont jedoch, dass vonseiten des gesamten Vorstands immer großer Wert auf gute Zusammenarbeit und Kommunikation gelegt wurde. Dies wird auch künftig der Fall sein. Zu vereinsinternen Angelegenheiten könne jedoch keine Stellungnahme abgegeben werden.

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