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Stachliger Besuch im Garten

Bei Waldkraiburgs Altbürgermeister Klika raufen sich Igel um die besten Futterplätze

Frühstück ans Bett bringt Altbürgermeister Siegfried Klika seinen stachligen Besuchern im Garten.
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Frühstück ans Bett bringt Altbürgermeister Siegfried Klika seinen stachligen Besuchern im Garten.
  • VonUrsula Huckemeyer
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  • Raphaela Lohmann
    Raphaela Lohmann
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Vor über zwei Jahren fing die Igel-Leidenschaft bei Naturfreund Siegfried Klika so richtig an. Er hat jetzt eine Wildkamera installiert und dabei aufregende Dinge festgestellt.

Waldkraiburg – Altbürgermeister Siegfried Klika ist jetzt doch glatt unter die Spione gegangen. Er geht zwar nicht ganz so ausgebufft vor wie Daniel Craig als 007, aber trotzdem sind Klikas Einsätze ebenfalls von Erfolg gekrönt. In seinem Dschungel, den man auch Garten nennen kann, installierte der 75-Jährige nämlich eine Wildkamera. Die begehrten Zielobjekte sind die dämmerungs- und nachtaktiven Igel.

Noch sind Igel aktiv und fressen sich eine dicke Fettschicht für den Winter an.

„Heute nacht löste die Kamera über 50-mal aus“, erzählt der Altbürgermeister voller Begeisterung. Seine selbstgebauten Igel-Quartiere – kreuz und quer im Garten verteilt – werden fleißig frequentiert. Vor über zwei Jahren fing die Igel-Leidenschaft bei Naturfreund Siegfried so richtig an. In seinem Garten huschten plötzlich vier kleine Igel umher.

Sind sie gesund, finden sie genügend Nahrung und können sie den Winter überstehen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Klika aufs Genaueste. Er setzte sich mit einer Igelstation in Verbindung und studierte entsprechende Literatur. Als Hobby-Handwerker war es für ihn eine Kleinigkeit, Igelhäuschen zu bauen. Es entstand eine Art „Reihenhaussiedlung“ für die stacheligen Gesellen.

Mit einer speziellen Nahrung für Baby-Katzen versorgt Klika nun seine Gartenbewohner.

Barrieren für Katzen gebaut

Schnell stellte er mit Hilfe der Wildkamera allerdings fest: Die ausgebrachten Leckereien locken auch viele Katzen an. So läuft es nicht, dachte sich Klika. Immerhin sei das Futter relativ teuer und nicht für fremde Samtpfoten bestimmt. Der 75-Jährige zimmerte daher Barrieren, die von Katzen nicht zu überwinden sind.

Wie viele Igel es sich zwischenzeitlich in Klikas Dschungel gemütlich gemacht haben, kann er nicht genau beziffern. Zwischen acht und zehn Stacheltiere könnten es schon sein, vermutet der Altbürgermeister. Jetzt, in der nahrungsarmen Zeit, kredenzt der 75-Jährige seinen Igelfreunden jedenfalls täglich eine pfundige Mahlzeit.

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Gattin Helga Klika mischt sich ein und vermutet: „Bei diesem Service haben unsere Igel wahrscheinlich keine Lust mehr, die Schnecken wegzufressen.“

Schnecken stehen ohnehin nicht ganz oben auf der Speisekarte der Igel. „Sie fressen gerne Insekten wie Käfer oder Falter“, sagt Heike Siewert. Sie weiß, was Igel wollen und betreibt seit Jahre eine Igel-Hilfe. Zwischen 200 und 300 Igel hilft sie pro Jahr wieder auf die Beine. Sei es, weil diese zu wenig Futter gefunden haben oder weil sie verletzt sind.

Mähroboter nachts nicht laufen lassen

Igelfreund Siegfried Klika schaut ganz genau hin und ist auf das Wohl der putzigen Tiere bedacht. So kommt es immer wieder vor, dass er kranke oder verletzte Igel zum Tierarzt fährt. Was den Altbürgermeister auf die Palme bringt: wenn Gartenbesitzer nachts ihren Mähroboter laufen lassen. „Diese Dinger können für Igel tödlich sein“, weiß er.

Igel laufen nicht davon, wenn sich ein Mähroboter nähert. Sie rollen sich zusammen. Ein Mähroboter weicht bei dieser Art von Hindernis aber nicht aus. Er fährt über den Igel, tötet ihn oder schneidet ihm Extremitäten ab. Daher verenden Igel oft qualvoll. Klikas eindringlicher Appell: „Stellen Sie den Roboter keinesfalls nachts an, damit derlei Grausamkeiten ausbleiben.“

Das können Gartenbesitzer dem Igel Gutes tun

In den nächsten Wochen schlagen die Igel so richtig zu: Möglichst viel fressen für eine dicke Fettschicht, die die stachligen Tiere durch ihren Winterschlaf bringt. „Igel sind richtige Fressmaschinen“, sagt Heike Siewert, die eine Igelhilfe betreut und jedes Jahr viele Tiere wieder aufpäppelt. Vor allem jetzt ist es wichtig, die Igel mit Futter zu versorgen. „Jetzt sind noch Muttertiere mit ihren Jungen unterwegs, die viel Energie zum Säugen brauchen.“ Am besten eignet sich dazu Katzenfutter, da es meist einen geringen Getreideanteil hat. Und Wasser zum Trinken.

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Am liebsten fressen Igel Insekten. Da aber diese immer weniger werden, könne man Igel ganzjährig zufüttern. Ihre Instinkte verlieren sie dadurch nicht: „Die suchen sich trotzdem noch ihr Futter. Igel durch das Füttern vom Winterschlaf abhalten? Das ist ein Märchen“, klärt Heike Siewert auf. Ab Mitte Oktober würden die männlichen Tiere in den Winterschlaf gehen, etwa fünf bis sechs Wochen später folgen die Weibchen. Die letzten sind die Jungtiere, die sich für den Winterschlaf aber erst einmal ein Körpergewicht von mindestens 500 Gramm anfuttern müssen.

Wer dem Igel einen kuschligen Platz zum Überwintern bieten will, der muss gar nicht viel tun. Ihm einfach nur eine Ecke im Garten überlassen, in dem er unter Ästen und Laub Unterschlupf finden kann. „Zugleich ein Sammelpunkt für Insekten“, sagt Heike Siewert. Wer dem Igel ein bisschen mehr Komfort bieten will, muss nicht mal tief in die Tasche greifen. Eine Europalette mit Dachpappe oder alte Ziegel mit Brettern drüber bieten Schutz vor Regen und Schnee.

Igel sind äußerst aktive Tiere. Auf ihren kurzen Beinchen laufen sie pro Nacht etwa drei bis fünf Kilometer. Ihr Revier erstreckt sich über mehrere Gärten, die er sich als Lebensraum längst zu eigen gemacht hat. Doch damit der Igel nicht zu oft in einer Sackgasse landet, braucht er Durchlässe in Zäunen und Mauern. Mauern, hohe Sockel, dichte Zäune und Gabionen schränken die Bewegung der Tiere an vielen Stellen zwischen den Gärten ein oder verhindern nach einer Straßenquerung, dass sie im angrenzenden Grün Schutz suchen können.

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