Die Baumaschinen fahren auf: Die Stadt bekommt endlich ihr Rathaus

Es wird gebaut.Vor 50 Jahren begannen die Arbeiten für das Rathaus am Stadtplatz (im Hintergrund die Pfarrkirche Christkönig). Aufgenommen wurde dieses Foto (um 1970) aus einem Fenster im Sparkassenanbau, der damals als Rathaus diente. Stadtarchiv

Waldkraiburg und die Welt – Endlich ist es so weit.

Es wird ernst am Waldkraiburger Stadtplatz. Die schweren Baumaschinen fahren auf. Der Rathausneubau kann beginnen. Darüber berichtet die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren.

Jahrelang hatte Waldkraiburg auf ein eigenes Rathaus gewartet. Schon 1965 wurde auf dem Stadtplatz ein großes Schild aufgestellt. „Hier entsteht unser Rathaus!“ Doch die ursprünglichen Planungen wurden über den Haufen geworfen. Der erste Spatenstich fiel ins Wasser. Das Schild verschwand wieder. Und die legendären „Gartenzwerge“ machen sich in ihren Sketchen lustig darüber. Jetzt fordert die Zeitung; „Stellt unser Schild wieder hin!“

Das neue Pfarrzentrum in Waldkraiburg-Süd mit Kirche, Pfarrhaus und Kindergarten verzögert sich. Die Stadt will auf dem dafür vorgesehenen Areal an der Liszt-Straße eine neue Hauptschule bauen und bietet der Kirche deshalb ein anderes Grundstück auf der gegenüberliegenden Seite der Straße an.

Die Mitarbeiter der Stadtwerke staunen nicht schlecht, als sie bei einem Kontrollgang einen Deckel der Kanalisation öffnen und ihnen zwei verdreckte Schulbuben aus dem Untergrund entgegenkommen. Wie sich herausstellt, nutzen die Kinder die begehbaren Hauptkanäle als Spielplatz. In Waldkraiburg-Süd steigen sie ein und unternehmen ausgedehnte Spaziergänge bis zur Kläranlage. Die Stadtwerke warnen: Wegen der Abgase, die in den Kanälen entstehen, bestehe Lebensgefahr für die Kinder.

Beichtzettel aus derKirche gestohlenund verkauft

Andere Früchtchen werden dabei erwischt, wie sie aus einem Beichtstuhl in der Christkönigskirche Beichtzettel stahlen, die als Nachweis für die Beichte gelten. Die Zettel verkauften sie an andere Kinder, für fünf Pfennig das Stück. Sechs Mark erlösten sie auf diese Weise.

Öffentliche Stadtratssitzungen werden immer rarer, stellt die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren fest. „Es scheint allmählich in Waldkraiburg Schule zu machen, nur noch hinter verschlossenen Türen zu beraten“, kritisiert ein Redakteur nach der dritten Sitzung innerhalb eines halben Jahres, bei der die Öffentlichkeit ausgeschlossen war. Da entstehe der Eindruck der „Geheimniskrämerei“.

Ein Leserbrief eines Bürgers aus der Erzgebirgsstraße sorgt für Wirbel. Der Schreiber beklagt sich über die Vermüllung des Grünen Rings und angrenzender Waldgebiete. „Was nützen alle Anstrengungen der Stadt, wenn durch mangelnden Ordnungssinn und Dummheit eines scheinbar nicht zu kleinen Bevölkerungsteiles alles wieder zunichte gemacht wird.“

30 Zentner wiegt die 4,40 Meter hohe Pendelplastik, die künftig den Pausenhof der Realschule zieren soll.

Ein Streit zwischen dem Stadtpfarrer von Miesbach und seinem Kaplan kommt bayernweit in die Schlagzeilen. Vor versammelter Kirchengemeinde kritisiert der Pfarrer den jungen Geistlichen, der die Gemeinde eine Woche zuvor in der Predigt ermuntert hatte, die Auferstehung nicht wortwörtlich, sondern sinnbildlich zu verstehen. Die Jugend stehe zum Kaplan, heißt es im Zeitungsbericht, die älteren Kirchgänger wollten das Gotteshaus von derlei Gedankengut „um jeden Preis sauber halten“.

Drama um Apollo 13:Astronauten zwischenLeben und Tod

Die Raumfahrtmission von „Apollo 13“ hält die Welt in Atem. „Astronauten schweben zwischen Leben und Tod“ titelt die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren. Die dritte bemannte Mondlandung ist nach der Explosion eines Tanks mit Flüssigsauerstoff bereits gescheitert. Jetzt geht es nur noch darum, die Besatzung, Jim Lovell, Jack Swigert und Fred Haise, zu retten. Sauerstoff und Wasser werden knapp, das Raumschiff-Wrack weicht nach einer weiteren Explosion vom Kurs ab.

Täglich kommen neue Katastrophenmeldungen, bis – nach dramatischer Rettungsaktion und geglückter Notlandung – gemeldet werden kann: „Die Apollo-Astronauten haben überlebt.“ hg

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