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AUS DEM GEMEINDERAT

Baulandvergabe: Vorfahrt für Kinder

Gestatten, Ophelia Hilge, 14 Monate alt und damit Kraiburgs jüngste Gemeinderätin. Wenn auch nur für einen Abend, denn ihr Papa Adrian hatte keinen Babysitter und musste den Knirps in die Sitzung mitbringen. „Ich nahm sie einfach mit, die Kollegen haben das sehr positiv aufgenommen. Die öffentliche Sitzung hat sie dann nimmer dapackt“, so Hilge auf Nachfrage der Zeitung. Vielleicht war‘s ihr zu langweilig, sie wurde nämlich plötzlich sehr, sehr müde. kla
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Gestatten, Ophelia Hilge, 14 Monate alt und damit Kraiburgs jüngste Gemeinderätin. Wenn auch nur für einen Abend, denn ihr Papa Adrian hatte keinen Babysitter und musste den Knirps in die Sitzung mitbringen. „Ich nahm sie einfach mit, die Kollegen haben das sehr positiv aufgenommen. Die öffentliche Sitzung hat sie dann nimmer dapackt“, so Hilge auf Nachfrage der Zeitung. Vielleicht war‘s ihr zu langweilig, sie wurde nämlich plötzlich sehr, sehr müde. kla

Die Gemeinde hat ihre Richtlinien für die Vergabe von Wohnbaugrundstücken modifiziert und ein Punktesystem erstellt, mit dem vor allem Paare mit Kindern oder Alleinerziehende gestärkt werden sollen. Passend zum Thema: Gemeinderat Adrian Hilge hatte keinen Babysitter und brachte sein Töchterchen Ophelia mit in die Sitzung. Die erheiterte die Runde.

Kraiburg – Wer mindestens ein Kind hat, hat größere Chancen auf Bauland in Kraiburg. Das regelt das neue Punktesystem bei der Vergabe von Bauparzellen, auf das sich der Gemeinderat geeinigt hat – mit der Gegenstimme von Erich Unterforsthuber. Er sieht Singles diskriminiert.

Die Gemeinde Kraiburg hat Bauland (etwa in der Kumpfmühle und in der Jettenbacher Straße), um das sich Kraiburger bewerben können. 70 Bewerbungen sind schon ins Rathaus geflattert.

Der Gemeinderat musste neue Richtlinien aufstellen. „Das ist nimmer so einfach wie früher, auch hier mischt sich die EU ein und will Diskriminierung bei der Baulandvergabe verhindern“, sagte Bürgermeister Herbert Heiml. Die bisherigen Kriterien seien abzuändern, denn bisher kamen nur Kraiburger zum Zuge. Nun werde der Familienstand und etwa das Ehrenamt mit berücksichtigt.

Er halte dies für eine vernünftige Regelung, jedoch sei das Ganze nur eine Grundlage – die endgültige Entscheidung treffe der Gemeinderat.

Ophelia quäkte ab und zu, etwa beim Wort „Familienförderung“

Bewerber können zwischen 18 und 60 Jahren alt sein. Damit will man dem Wohnbedarf jüngerer Bürger und Familien fördern. Pro Paar kann nur ein Antrag gestellt werden. Nicht antragsberechtigt sind Personen, die bereits Eigentümer oder Erbbauberechtigte eines selbst genutzten, bebauten oder bebaubaren Grundstücks im Gemeindegebiet sind. Es sei denn, die Wohnräumlichkeiten gewährleisten keine angemessenen Wohnverhältnisse.

Wer bauen will, muss sich für ein konkretes Grundstück bewerben, kann auch noch zwei weitere Alternativen vorschlagen, ist aber am Ende an seine Auswahl gebunden. Die Gemeinde kann eine Finanzierungsbestätigung verlangen. Innerhalb von drei Jahren nach Kaufvertragsabschluss muss der Rohbau stehen und nach fünf Jahren bezugsfertig sein. Der Bewerber muss das Haus als Hauptwohnsitz mindestens zehn Jahre bewohnen. 15 Jahre lang hat die Gemeinde Vorkaufsrechte, wenn der Eigentümer den Grund (bebaut oder unbebaut) veräußern will.

Wie passend zum Thema: Gemeinderat Adrian Hilge hatte seine kleine Tochter in die Sitzung mitgebracht, weil er keinen Babysitter hatte. Die 14 Monate alte Ophelia krabbelte unter dem Gremiumstisch umher, quiekte hie und da und nahm auch auf Papis Schoß Platz, wo sie seine Tischvorlagen bekritzelte. Hilges Kollegen nahmen’s mit Humor.

In der Diskussion merkte Alfons Wastlhuber an, dass auch Leute, die 20 Jahre im Ehrenamt fleißig sind, ohne im Vorstand zu sein, berücksichtigt werden sollten.

Hier sagte Dritte Bürgermeisterin Anneliese Schuster, die gemeinsam mit Heiml und Zweiter Bürgermeisterin Annette Lehmann sowie Werner Schreiber im Vorfeld das Punktesystem ausgearbeitet hatte, das Ganze sei nur eine Richtlinie bei der Entscheidungsfindung.

Unterforsthuber sagte, Ledige kommen im Vergleich zu Paaren zu kurz. „Selbst wenn der hier 20 Jahre wohnt, hat er von den Punkten her keine Chance“. Auch vier Punkte für „Arbeitsplatz in Kraiburg“ sei zu viel, hier gebe es nicht genügend Stellen.

Schuster erklärte, man habe Familien, Alleinerziehende und Paare mit Kindern Vorfahrt geben wollen. „Wir wollen unsere Kindergärten und die Schule füllen – da waren wir uns einig. Auch heimische Betriebe sollen gestärkt werden, damit die Angestellten nicht gezwungen sind, zum Beispiel nach Ampfing zu ziehen, um zu bauen.“

Bürgermeister Dr. Heiml sicherte zu, „im einzelnen Sonderfall werden wir das nötige Feingefühl haben, richtig zu entscheiden“. Familien mit Kindern sollen gefördert werden, statt alleinstehende Singles. „Und jede Eventualität können wir ja nie reinschreiben“, so der Bürgermeister.

Erich Unterforsthuber hielt dagegen, dass dann eben der „alleinstehende Spätzünder“ gezwungen sei, nach Ampfing zu gehen.

Lehmann sagte, das Gros sei abgedeckt. Und Eheleute und unverheiratete Paare werden gleich gestellt. Wastl huber war inzwischen überzeugt, dass man „wenn es in der Praxis spürbare Ungerechtigkeiten geben sollte, wir das hinkriegen“.

Werner Schreiber sprach von einem vernünftigen Kompromiss, im Ausnahmefall werde man vernünftige Gründe finden. „Das ist Familienförderung im weitesten Sinne.“ Wie auf Knopfdruck quäkte neben ihm die kleine Tochter von Gemeinderat Adrian Hilge – zur Bestätigung. Und zur Belustigung aller.

Heiml schmunzelte. Er sagte – wieder ganz beim Thema – heutzutage schaffe es die Mittelschicht, Normalverdiener mit zwei, drei Kindern, kaum mehr ein eigenes Häusl zu bauen. Da hinke Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinterher. Heiml wolle die Ausschreibungen abwarten, damit die Erschließungspreise ermittelt werden und erst dann werde die Gemeinde über Baulandpreise sprechen.

Petra Jackl hielt fest, dass es sich nicht um „subventionierte Grundstücke“ handle. „Das ist unsere Richtlinie für die zu erwartende hohe Nachfrage.“

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