Der Bahndamm als Lebensraum

Die Blauflügelige Ödlandschreckeist vom Aussterben bedroht und hat am Gleisschotter am Waldkraiburger Bahnhof einen optimalen Lebensraum. Zahn

Waldkraiburg – Wer Bahngleise sieht, verbindet das nicht unbedingt mit Naturschutz.

Und natürlich wurden sie nicht für diesen Zweck gebaut. Doch an den Dämmen und Hängen der Bahntrassen konnten sich vielerorts ungestörte Nischen für Tiere und Pflanzen entwickeln.

Hier wird nicht gedüngt und aufgeräumt, viele Flächen wirken vergessen und „unordentlich“, wie der Bund Naturschutz beschreibt. Entlang der Bahn habe oft das überlebt, was in einer intensiv genutzten Landschaft keinen Platz findet. In Waldkraiburg lebt die Blauflügelige Ödlandschrecke, ein seltenes Insekt, auf dem Gleisschotter am Bahnhof. Die Wärme und Hitze des Gesteins sind für sie optimal. Diese Bedingungen liebt auch die Schlingnatter, eine ungiftige Schlange, die vom Aussterben bedroht ist. Auch verschiedene wilde Laucharten gedeihen noch am Bahndamm im Stadtgebiet, ebenso der seltene Berg-Haarstrang.

Entlang der Bahnlinien können sich Arten auch ausbreiten, die Trassen bilden also für viele Arten wichtige Vernetzungselemente zwischen Lebensräumen – ein Teil eines Biotopnetzes, wie es im Bayerischen Naturschutzgesetz als Folge des Volksbegehrens gefordert wird.

Auch Neueinwanderer nutzen gerne die Bahn. Hier gedeiht der Schmetterlingsflieder, eine Strauchart aus Amerika, der einerseits Schmetterlingen Nektar bietet, andererseits in manchen Lebensräumen die heimische Flora schon verdrängt. Am Bahnhof der Kreisstadt Mühldorf hat sich sogar ein Bestand der Mauereidechse etabliert, die man vor allem aus dem Urlaub am Mittelmeer kennt und die inzwischen an Bahnhöfen in ganz Bayern immer wieder auftritt. Auf alle Fälle bergen Bahntrassen so manche Besonderheit und sind oftmals sehr wertvoll für die Natur.

Kommentare