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Wechsel in schwierigen Zeiten

Carolina Damerau übernimmt Leitung des AWO-Projekthauses in Waldkraiburg

Nach viereinhalb Jahren übergibt Markus Lutz die Leitung des AWO-Projekthauses an Carolina Damerau. Die Sozialpädagogin sieht neben den vielen Unsicherheiten auch Chancen für das Haus.
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Nach viereinhalb Jahren übergibt Markus Lutz die Leitung des AWO-Projekthauses an Carolina Damerau. Die Sozialpädagogin sieht neben den vielen Unsicherheiten auch Chancen für das Haus.
  • Raphaela Lohmann
    VonRaphaela Lohmann
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Das AWO-Projektehaus ist unter neuer Leitung: Zum April hat Carolina Damerau die Leitung übernommen. Sie folgt auf Markus Lutz, unter dessen Leitung in den vergangenen viereinhalb Jahren verschiedene Projekte angestoßen wurden.

Waldkraiburg – Keine einfachen Zeiten waren es, in denen Markus Lutz das Ruder im AWO-Projektehaus in der Hand hatte. Die Arbeitsmarktsituation in den vergangenen Jahren war gut. Gut für die Azubis, aber nicht so gut für Jagus. Denn selbst Jugendliche, die früher durch das Raster gefallen sind, hätten einen Arbeitsplatz gefunden. Die Folge: „Unsere Platzzahlen sind weniger geworden und damit auch die Finanzierung“, sagt Markus Lutz. Der Bedarf sei aber dennoch gegeben.

Zwei Gewerke geschlossen

Um so härter hat es Jagus getroffen, als die Agentur für Arbeit 2019 angekündigt hat, die Ausbildungsmaßnahme BaE (Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen) nicht länger auszuschreiben. Bei Jagus sind vier Berufe davon betroffen. In der Folge wurde im September der Friseur-Salon geschlossen, seit November ist er vermietet. Stillgelegt ist auch das Raumausstatter-Gewerk, weil kein Nachfolger für den Meister gefunden werden konnte. „Es ist bitter, wenn etwas zu Ende geht, was andere aufgebaut haben“, bedauert Lutz.

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Ein Fragezeichen steht auch hinter „be free“, ein dreijähriges Projekt für Jugendliche und junge Erwachsene, deren persönliche Situation den Einstieg in eine berufliche Perspektive verhindert. „Die acht Plätze sind belegt, doch das Projekt wird nach Ablaufzeit nicht weiter gefördert.“ Die gute Situation am Arbeitsmarkt täuscht aber darüber hinweg, dass es auch jetzt Bedarf gebe für Jugendliche, die nicht wissen, wo sie Hilfe bekommen. „Nicht jeder meldet sich bei Jobcenter und daher kommt der Bedarf nicht immer bei den Kostenträgern an“, erklärt Lutz. Die Finanzierung der Projekte sei daher teilweise unzureichend, der „Kampf um Fördermittel“ erschwere die Arbeit.

Lutz’ Nachfolgerin Caroline Damerau sieht neben den vielen Unsicherheiten auch Chancen. „Vieles ist im Umbruch, und man muss jetzt die Fäden in die Hand nehmen“, sagt sie. Sie schätzt die Arbeit bei Jagus für die Jugendlichen hoch ein. „Die Jugendlichen fallen oft durch das Raster, aber hier werden sie so genommen, wie sie sind.“ Mit Erfolg: Denn die meisten Azubis würden hier ihren Gesellenbrief schaffen.

Berufsausbildung als „Flaggschiff“

Eine Tatsache, über die sich auch Markus Lutz freut. „Wer sich darauf einlässt, dem können wir helfen.“ Für viele Jugendliche konnte das Projekthaus somit auch einen Arbeitsplatz finden. Die Berufsausbildung ist das „Flaggschiff“ von Jagus, die erfolgreiche Ausbildung der Jugendlichen ein Verdienst der Meister, wie Lutz erklärt. „Das funktioniert und darauf können wir als Einrichtung auch stolz sein.“

Markus Lutz verlässt das Projektehaus in Richtung eigenen Bauernhof. Bislang hat er ihn als Nebenerwerbslandwirt betrieben, jetzt würden einige Entscheidungen anstehen, für die er sich Zeit nehmen will. „Es ist gut, jetzt mal etwas anderes zu machen“, sagt er. Seit 13 Jahren arbeitet er als Sozialpädagoge, viereinhalb Jahre davon als Einrichtungsleiter bei Jagus.

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Lutz geht mit einem lachendem und einem weinenden Auge: Zum einen könne er stolz sein, dass er die Einrichtung nach vorne gebracht und modernisiert habe. Somit könne er jetzt ein strukturiertes Haus übergeben. „Es fällt aber schwer, denn die Kollegen und Partner, mit denen man Kontakt hatte, werden fehlen. Doch das Projektehaus liegt in guten Händen“, sagt er mit Blick auf seine Nachfolgerin Carolina Damerau.

Auskommen des Hauses sichern

Seit Anfang April arbeitet sich die Sozialpädagogin in ihre neue Arbeit ein. Seit 22 Jahren ist sie als Sozialpädagogin tätig, hat unter anderem in einem Kinderheim und bei Jugendämtern gearbeitet. Zuletzt hat sie vier Jahre ein Kinderhaus geleitet. „Vom Baby bis zu den Jugendlichen habe ich mit allen Jahrgangsstufen zusammengearbeitet“, erklärt die gebürtige Italienerin, die mit ihrer Familie in Dorfen lebt und aktuell eine Weiterbildung zur systemischen Beraterin macht.

Für sie hat es nun oberste Priorität, das Auskommen des Hauses zu sichern. Ganz wichtig dabei: „Für die Jugendlichen und auch die betreuten Langzeitarbeitslose soll Jagus ein Ort bleiben, in dem Perspektiven möglich werden.“ Dazu werde sie auch neue Projektideen einbringen, die wiederum abhängig sind von Fördergeldern. Doch ihr Vorgänger ist zuversichtlich: „Jagus ist schon immer Wellenbewegungen unterworfen und ich denke, die Talsohle ist durchschritten.“

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