Autokorso gegen geplanten Stellenabbau: ZF-Mitarbeiter protestieren in Aschau

Laut hupend zogen ZF-Mitarbeiter vom Aschauer ZF-Standort in Richtung Waldkraiburg. Etwa 100 Fahrzeuge haben sich ander Aktion beteiligt. Rudolf Mayer
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
    schließen

Laut hupend protestierten am Donnerstag Mitarbeiter des Autozulieferes ZF Friedrichshafen gegen den geplanten Stellenabbau. Weltweit soll in den nächsten Jahren jeder zehnte Arbeitsplatz wegfallen, die Hälfte davon in Deutschland. Nun setzten auch die Angestellten in Aschau ein deutliches Zeichen.

Aschau/Waldkraiburg – „Ein erster Erfolg“, freute sich Jürgen Bogner, Gewerkschaftssekretär bei der IG-Metall Rosenheim, noch vor Beginn der Aktion. Denn vom Parkplatz des Aschauer ZF-Standorts setzten sich laut hupend rund 100 Fahrzeuge bei einem Autokorso in Richtung Waldkraiburg in Bewegung. „Uns ist nicht egal, was an den anderen Standorten passiert“, gab sich Bogner bei der Kundgebund am Volksfestplatz kämpferisch. Von Firmenseite werde an die Vernunft der Mitarbeiter und Gewerkschaft appelliert, „das Feuer hat aber ZF angezündet“.

In den vergangenen Jahren sei viel am Standort Aschau gearbeitet worden – auch am Wochenende. Mit der Reduzierung der Arbeitszeit hätte man die optimalen Voraussetzungen für den Standort. Der „Liebesbrief von Herrn Scheider“ hinterlasse bei den Angestellten viel Unsicherheit, denn noch ist unklar, wie sich der Stellenabbau auf die verschiedenen Standorte auswirkt.

Bis Ende Juli Kurzarbeit bei ZF

Den Autokorso sah Bogner als Startpunkt für weitere Aktionen. „Das wird nicht das letzte Mal sein, dass wir uns treffen.“ ZF sei ein wichtiger Arbeitgeber in der Region, an dem noch weitere Unternehmen dranhängen. „Ihr geht heute für viele Familien auf die Straße.“

Lesen Sie auch:

Autozulieferer ZF: In Aschau setzen Mitarbeiter ein Zeichen gegen den Stellenabbau

ZF Luftfahrttechnik in Calden (Kreis Kassel) vor Verkauf – Mitarbeiter vor ungewisser Zukunft

Bei den ZF-Mitarbeitern ist die Verunsicherung groß. Kommen neue Aufträge? Gibt es genügend Arbeit? Wie geht es im nächsten Jahr weiter? Vieles stehen noch in den Sternen, sagt ein Mitarbeiter, der seit 26 Jahren im Betrieb arbeitet. Bis Ende Juli sei noch Kurzarbeit angemeldet, aber es gebe Anzeichen, dass sich dies bis Jahresende fortsetzt.

Video: Das sagen ZF-Mitarbeiter und Gewerkschafter

„Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz“, rief Betriebsratsvorsitzender Robert Gerhard seinen Kollegen zu. Doch viel Spielraum gebe es nicht. Am Standort gebe es keine Leiharbeiter mehr, befristete Verträge werden nicht verlängert. Der angekündigte Stellenabbau schüre Ängste.

Familien fürchen finanziellen Ruin

Zukunftsängste hat auch Andreas Hahn. Im Herbst hat seine Frau Irina ihren Job bei ZF verloren, jetzt ist er Alleinverdiener. „Wir stehen jetzt schon vor dem Ruin. Ohne Prämien hätten wir die letzten Monate die Miete kaum bezahlen können“, sagt sie. Jetzt erwische die Krise sie richtig. „Wir können nur hoffen, dass wir nicht betroffen sind“, sagt Andreas Hahn, der mit seiner Familie des Jobs wegen vor Jahren von Altötting nach Waldkraiburg gezogen ist.

Lesen Sie auch:

Autozulieferer ZF schließt Kurzarbeit nicht aus

Nächster Hammer bei „Galeria Karstadt Kaufhof“ - jetzt auch Kahlschlag bei Karstadt Sports

In Aschau entwickelt und produziert ZF mit rund 1200 Mitarbeitern Airbag-Gasgeneratoren für die Automobilindustrie. Ein Produkt, mit dem man Sicherheit garantiere, sagte Gerhart. „Wer mit Angst produziert, der macht Fehler. Fehler können wir uns nicht erlauben.“ Das Unternehmen schlage einen falschen Weg ein, andere Unternehmen würden die Krise nutzen für Weiterbildungen oder Neuentwicklungen starten. „Wir machen das Gegenteil und fahren zurück.“

Zusammenhalten – daran appellierte DGB-Kreisvorsitzender Richard Fischer. „Wer kämpft, kann gewinnen. Wer nicht kämpft, der hat schon verloren.“ Richard Fischer. Nur so habe man sichere Arbeitsplätze und eine sichere Zukunft.

Kommentare