Interview mit einer Soldatin

„Auf einem Schiff die Ferne genießen“: Michelle Herberth aus Waldkraiburg bei der Marine

Vor etwa zwei Monaten wurde Kadettin Michelle vereidigt. Dazu reisten auch ihre Eltern nach Stralsund, hier im Bild Vater Helmut. privat
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Kein Hafen, keine Werft: Die Stadt Waldkraiburg hat mit dem Meer überhaupt gar nichts zu tun. Und doch hat es eine junge Waldkraiburgerin zur Marine gezogen. Nach ihrer Vereidigung hat Michelle Herberth mit der Heimatzeitung über ihre Zeit bei der Marine gesprochen.

Waldkraiburg – Als Frau zur Marine? Das ist längst nichts Ungewöhnliches mehr. Aber für eine junge Frau aus Waldkraiburg, das mit Meer und Schiffen so viel zu tun wie Sylt mit den Alpen, dann doch. Ihre Grundausbildung hat sie absolviert, vor etwa einem Monat wurde sie vereidigt. Mit der Heimatzeitung sprach sie über ihre Zeit bei der Marine und ihre Pläne.

Wieso sind Sie zur Marine gegangen? Für jemanden aus Waldkraiburg ist das doch sehr ungewöhnlich?

Michelle Herberth: Als ich etwa sieben Jahre alt war, habe ich mit meinen Eltern einen Urlaub in Wilhelmshaven gemacht. Seitdem habe ich davon geträumt, eines Tages bei der Marine anzufangen.

Woher kommt der Bezug zum Meer und zu Schiffen?

Herberth: Ich finde das Meer als Gegenstück zum Festland faszinierend und möchte auf einem Schiff die Ferne genießen.

Wie läuft die Ausbildung bei der Marine ab?

Herberth: Wir lernen zum Beispiel Strecken bauen, um Feuer löschen zu können oder Maßnahmen zu ergreifen, um eine Leckabwehr in einem Schiff zu gewährleisten.

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Auf welchem Ausbildungsschiff waren Sie bislang? Wo werden Sie noch sein?

Herberth: Bislang war ich auf dem Ausbildungsschiff „Ensdorf“. Das war im Mai 2019 im Hafen von Stralsund. Wie es jetzt dann weitergeht, das ist noch nicht bekannt.

Wie lange sind Sie in der Regel auf einem Schiff unterwegs?

Herberth: Da die Vereidigung in Stralsund erst einen guten Monat her ist, bin ich erst mal an Land in der Ausbildung.

Wissen Sie, schon welche Laufbahn Sie bei der Marine einschlagen wollen?

Herberth: Ich strebe zunächst einmal die Bootsmannlaufbahn an. Die ist vergleichbar mit der eines Feldwebel.

Wie lange bleiben Sie voraussichtlich bei der Marine?

Herberth: Derzeit bis geplant, dass ich bis 2021 bleibe. Aber vermutlich bleibe ich so lange bei der Marine wie möglich.

Was ist anstrengend an der Ausbildung, was gefällt Ihnen?

Herberth: Man bekommt andere Eindrücke, macht andere Erfahrungen als bei einer Zivilausbildung. Es ist alles machbar. Ich bin noch lange nicht an meine Grenzen gestoßen und möchte das auch noch weitermachen, so lange es geht. Wenn etwas Spaß macht, dann macht man es auch einfach gerne.

Zur Person:

Michelle Herberth ist gerade 18 Jahre alt geworden, ist die jüngste Schwester von zwei älteren Brüdern. Sie hat in Mühldorf auf der Wirtschaftsschule ihre Mittlere Reife gemacht. Nach einem kurzen Intermezzo in einer Bäckerei ist sie direkt zur Marine gegangen. Zuvor hatte sie in Mühldorf einen Infoabend über die Marine beziehungsweise die Bundeswehr besucht.

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