Aschau: Beim Gewerbegebiet sind sich die Bürgermeisterkandidaten uneins

Nicht in allen Punktenwaren sich die drei Bürgermeisterkandidaten einig: Andreas Kölbl (AWG), Christian Weyrich (CSU) und Thomas Duxner (Bündnis Aschau) stellten sich bei der Podiumsdiskussion den Fragen von Moderator Thomas Föckersperger und dem Publikum. Lohmann

Das geplante Gewerbegebiet war nur eines der Themen, zu denen die drei Bürgermeisterkandidaten Thomas Duxner (Bündnis Aschau), Andreas Kölbl (AWG) und Christian Weyrich (CSU) Stellung bezogen. Knapp 500 Zuhörer verfolgten die Diskussion, bei der die Kandidaten nicht immer einer Meinung waren.

Von Raphaela Lohmann

Aschau – Das Interesse war riesig. Etwa 500 Personen verfolgten die Podiumsdiskussion zwischen den drei Bürgermeisterkandidaten. Zu unterschiedlichen Themen vertraten Thomas Duxner (Bündnis Aschau), Andreas Kölbl (AWG) und Christian Weyrich (CSU) ihre Positionen. Moderator Thomas Föckersperger von Radio ISW konfrontierte die Kandidaten mit den Fragen.

Gewerbegebiet und Wirtschaft

„Wie soll‘s weitergehen mit dem geplanten Gewerbegebiet“ wollte Föckersperger wissen. Kein anderes Thema als das geplante Gewerbegebiet in Thann bewegt die Aschauer aktuell mehr. Ein klares Bekenntnis zum Standort in Thann gaben Christian Weyrich und Andreas Kölbl. Die Gemeinde müsse sich breiter aufstellen, kleinere Betriebe sollen auch künftig dabei helfen, Arbeitsplätze im Ort zu sichern. Alternative gebe es keine, da die Gemeinde die Kombination von Gewerbe und Wohnen wolle.

Einen runden Gewerbetisch zum gegenseitigen Austausch, damit alle an einem Strang ziehen, schlug Christian Weyrich vor. Die Gemeinde müsse Betriebe unterstützen: „Damit die Leute, die hier wohnen, auch weiter hier arbeiten können.“ Andreas Kölbl ist es wichtig, dabei den ökologischen Aspekt nicht außer Acht zu lassen. „Das Industriegebiet muss erhalten bleiben und darf nicht geschwächt werden.“

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Auf einen bestimmten Standort legte sich Thomas Duxner nicht fest. Er verwies auf die Beurteilung des Landratsamts möglicher Alternativstandorte, die sich ebenfalls eignen würde. Alle geprüften Flächen – auch Thann Süd – sollen hinsichtlich Emissionen, Umweltschutz, Ortsbild oder Verkehr diskutierten werden. Einen vernünftigen Beginn für ein Gewerbegebiet sieht er darin, die Bürger einzubeziehen und zu diskutieren, welcher Standort am geeignetsten sei.

Jugend, Senioren, Familie und Soziales

Bei der Gestaltung des Schulhofs sieht Christian Weyrich noch Potenzial, die Mittagsbetreuung funktioniere gut, dennoch müsse man sich aufgrund des gesetzlichen Anspruchs auf Ganztagsbetreuung für die Zukunft aufstellen. Ein Seniorenfahrdienst biete Unabhängigkeit, kommunaler Wohnraum könne die passende Wohnung bieten.

Auf der guten Vereinsarbeit will Andreas Kölbl aufbauen, Beitragsfreiheit soll Kindern einen einfachen Wechsel zwischen den Vereinen ermöglichen. „Das wird die Gemeinde nicht ruinieren.“ Ein Sportpark mit Soccerplatz oder Beachvolleyball für die Jugendlichen, betreutes Wohnen oder Tagespflege für die Senioren soll realisiert werden.

Über das Angebot der Vereine hinaus braucht es für Duxner mehr: Boccia oder Tischtennis, aber auch Bankerl für Senioren. Für die Mittagsbetreuung brauche es ein Raumkonzept, auch eine offene Ganztagsschule sei denkbar. Für die Ferienbetreuung müsse eine Lösung gefunden werden.

Ortskern

Pfarrhaus, Pichlmeier, Rathaus – in Sachen Ortskern gibt es für Weyrich viele offene Fragen. „Ein komplexes Thema“, dessen Lösung man mit Fachleuten und Bürgern auf den Weg bringen soll. Es braucht einen Blick aufs Ganze, denn: „Aus der Gemengelage ist keine Lösung zu finden“, sagte er.

Die Bürger mit ins Boot nehmen will auch Kölbl, wenn es um die Ortsmitte geht. Eine Arbeitsgruppe mit Bürgern soll herausfiltern: „Was ist gewollt?“ Ein Planer könne diese Ideen dann umsetzen. Ein Vorschlag, den auch Duxner favorisiert. „Kein Haus wird ohne Architekt gebaut.“ Das Gasthaus Pichlmeier sieht er als einen Ort für Bürger mit Veranstaltungsraum, Saal, Garten und Spielplatz.

Verkehr und Infrastruktur

Breitbandausbau ja, aber man müsse die Emotionen der Bürger ernst nehmen, sagte Duxner. Bevor man handle, müssten die Standortgutachten aufgrund veränderter Technologien auf ihre Aktualität geprüft werden. Schneller durchs Internet, aber langsamer auf der Straße: Aschau müsse für den Durchgangsverkehr „unattraktiv“ werden, Ampeln und Querungshilfen sollen den Verkehr ausbremsen.

Potenzial für den Naturschutz sieht Kölbl beim Hochwasserschutz. Hier ließen sich Biotope schaffen, die neuen Lebensraum für Insekten und Vögeln bieten. Vom Breitbandausbau sollen alle Bürger profitieren. Radl- und Wanderwege müssten ertüchtigt werden.

„Der öffentliche Nahverkehr ist Aufgabe des Landkreises, aber die Gemeinde soll sich einbringen“, sagte Weyrich. Es brauche bessere Anbindungen an die Bahnhöfe in Ampfing und Waldkraiburg. Bei der medizinischen Versorgung und Nahversorgung sieht er die Gemeinde gut aufgestellt, nimmt aber auch die Bürger in die Pflicht: „Je besser man das Angebot nutzt, um so länger bleibt es.“

Wohnen

Sozialen Wohnungsbau sollen nach Ansicht von Kölbl und Duxner Genossenschaften übernehmen. Weyrich sieht im kommunalen Wohnungsbau eine „Investition in die Zukunft.“ Die Gemeinde soll Verantwortung dafür übernehmen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Angesichts knapper Bauplätze müssten Flächen sinnvoll genutzt und ökologische Aspekte beachtet werden.

„Wohnraum schaffen, aber Baugrund maßvoll ausweisen“, sagte Kölbl. Die Gemeinde müsse den Immobilienmarkt im Blick behalten. Nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch Mietwohnungen braucht es laut Duxner in der Gemeinde. Mittels Tagespflege könne man die Chance für Senioren schaffen, möglichst lange im eigenen Haus wohnen zu bleiben. „Ein Altersheim ist nicht zielführend.“

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Wie stehen die Kandidaten einer interkommunalen Zusammenarbeit gegenüber, kam die Frage aus dem Publikum. „Aschau soll für sich stark sein“, sagte Duxner. Wirtschaftlich sieht er keine Verknüpfungen, sondern nur in einzelnen Bereichen wie zum Beispiel dem Sport.

Für Weyrich biete sich darin eine Chance, andere Kommunen als Partner auf den Schirm zu haben und die Stärken eines Netzwerks zu nutzen. Dem stimmte auch Kölbl zu. „Die Waldkraiburger sind nicht die Bösen“, sagte Kölbl. Aschau soll aber eigenständig bleiben.

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