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Jahreshauptversammlung des Sozialverbandes

Drei Euro am Tag für Essen? VdK Waldkraiburg kritisiert „komplettes Versagen“ der Regierung

Zweiter Bürgermeister Anton Kindermann (rechts) gratuliert den langjährigen Mitgliedern: (von links) Marianne Belka (30 Jahre Mitgliedschaft), Luitpold Brandl (50 Jahre), Frau Ramisch; im Rollstuhl Irmgard Ramisch (40 Jahre), Julius Lendvai (25 Jahre) und Elfriede Ruholl (30 Jahre).Eschenfelder
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Zweiter Bürgermeister Anton Kindermann (rechts) gratuliert den langjährigen Mitgliedern: (von links) Marianne Belka (30 Jahre Mitgliedschaft), Luitpold Brandl (50 Jahre), Frau Ramisch; im Rollstuhl Irmgard Ramisch (40 Jahre), Julius Lendvai (25 Jahre) und Elfriede Ruholl (30 Jahre).Eschenfelder
  • Jörg Eschenfelder
    VonJörg Eschenfelder
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„Die Lage im Landkreis ist extrem schlecht“, warnt Wolfgang Mikolajetz, Vorsitzender des VdK in Waldkraiburg. Es gebe viele Frauen, die nur bis zu 800 Euro Rente hätten, und Männer, die höchstens 1300 Euro Rente bekämen.

Waldkraiburg – „Davon müssen sie dann Miete, Versicherungen, Strom und Heizung bezahlen“, rechnet Mikolajetz vor. „Da bleibt eigentlich nichts mehr übrig. Die überlegen sich, wie sie sich mit drei Euro am Tag verköstigen können. Das ist ein Trauerspiel ohne Ende.“ Und viele würden sich immer noch schämen, berechtigte Hilfen in Anspruch zu nehmen. „Bei den Älteren traut sich keiner.“ Explodierende Mieten und Preise, ein Gesundheitssystem mit erklecklichen Zuzahlungen und eine Bundesregierung, die nicht in die Gänge kommt, verschlimmerten die Lage. Das, was geplant ist, „ist ein Tropfen auf dem heißen Stein“, urteilt Mikolajetz. Es komme viel zu spät, es „müsste sofort greifen. Unsere Regierung hat in dieser Beziehung komplett versagt.“

Von drei Euro am Tag leben

Mikolajetz ist seit 2015 Vorsitzender des VdK Waldkraiburg und wurde jetzt auf der Jahreshauptversammlung einstimmig wiedergewählt.

Er und seine Mitstreiter haben die soziale Lage in der Stadt und im Landkreis genau im Blick: Immer mehr Menschen kommen zu den VdK-Nachmittagen, an denen es kostenlos Kaffee und Kuchen gibt; die Beratungen nehmen nach Corona wieder zu; ebenso die Fälle, in denen finanzielle Hilfe gefragt ist, wenn zum Beispiel Gas oder Strom nicht mehr bezahlbar sind. Hier kann der VdK aber nur in absoluten Einzelfällen helfen.

So wie bei einer Familie, die den Strom nicht mehr bezahlen konnte. „Wir sind als Ortsverein eingesprungen, obwohl die keine Mitglieder waren. Der Vater war uns so dankbar, dass er mit seiner Familie überleben konnte. Das war Wahnsinn“, erzählt Mikolajetz.

Einer von vielen Fällen, die sich in Mikolajetz‘ Rechenschaftsbericht hinter der Aufzählung von Vorstandssitzungen, Fortbildungen, Veranstaltungen, Geburtstagsjubiläen und Beratungen versteckten. Eine Arbeit, die er nicht alleine stemmt: „Das gesamte Team hat eine vorbildliche und hervorragende Arbeit geleistet.“

Der VdK Waldkraiburg hat derzeit rund 850, meist ältere Mitglieder. Über 50 waren zu der Versammlung in die Taverne Korfu gekommen. Sie gedachten der 92 Mitglieder, die seit 2019 verstorben sind, lauschten den Tätigkeitsberichten, entlasteten die bisherige Vorstandschaft, wählten ohne Aussprache und einmütig die neue. Und sie folgten der Ehrung der langjährigen Mitglieder: Von den 100 zu Ehrenden waren zehn vor Ort.

„Gut, dass es den VdK gibt“, würdigte Zweiter Bürgermeister Anton Kindermann (CSU) die Arbeit des Waldkraiburger Sozialverbandes. „Wir brauchen den Verein. Sie legen den Finger in die offenen Wunden und helfen den Bürgern.“

Dieses Lob gibt Mikolajetz zurück: „Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist hervorragend. Was wir an Unterstützung bekommen, ist unbeschreiblich.“ Seien es die Beratungsräume im Rathaus, die zweimonatlichen Besprechungen mit Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) und seinen Stellvertretern sowie die Zusammenarbeit mit der Verwaltung.

Dadurch wurde zum Beispiel bei einem Kindergarten eine Therapietreppe auf den Weg gebracht, wurde der VdK auf eine Familie hingewiesen, deren Herd kaputt war und die sich keinen neuen leisten konnte. „Das haben wir dann bezuschusst“, sagt Mikolajetz.

Lesen Sie auch: „Mittagessen fällt aus“: Wie hart Menschen aus Waldkraiburg von steigenden Preisen getroffen werden

Die Stadt werde auch Schritt für Schritt behindertengerechter. „Überall, wo Bauarbeiten sind, werden die Straßen entsprechend umgebaut“, lobt Mikolajetz und warnt vor überzogenen Erwartungen: „Wir dürfen die Ansprüche nicht überstrapazieren. Wir müssen sehen, was machbar ist und was nicht.“

Die neue Vorstandschaft: (von links) Dr. Herbert Schwarz (Beisitzer), Janusz Puto (Kassier), Carola Marshall (Frauenbeauftragte), Mark Marshall (Beisitzer), Christina Müller (Schriftführerin), Wolfgang Mikolajetz (Vorsitzender), Rudolf Siegmund (Zweiter Vorsitzender). Krankheitsbedingt fehlt Jugendbeauftragter Alexander Pfasch.

Auch wenn der VdK rege ist und hilft, wenn er gerne in Anspruch genommen wird, so kämpft auch er mit dem zunehmenden Mangel an Ehrenamtlichen. „Wir bauchen immer Menschen, die mithelfen“, sagt Schriftführerin Christina Müller. „In den letzten drei Jahren sind drei Mitglieder der Vorstandschaft verstorben.“ Jede helfende Hand ist willkommen.

„Nicht immer nur fordern“

„Man kann nicht immer nur fordern. Wir sind eine Solidargemeinschaft“, unterstreicht Mikolajetz. „Wenn jemand etwas braucht, dann steht es ihm auch zu.

Es gibt aber auch viele, die nur an sich denken und nichts beitragen wollen. Das darf nicht sein.“ Sonst funktioniere unsere Gesellschaft nicht mehr; dann werde die soziale Lage noch schlechter. „Die Zeit ist extrem hart.“

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