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Islamisten-Prozess von Muharrem D.

Ist Bombenleger von Waldkraiburg schuldfähig? Psychiater gibt Verantwortung weiter

Muharrem D. will vor der Tatnacht eine „grüne Pille“ genommen haben. Nachweisen lässt sich der Drogeneinfluss aber nicht.
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Muharrem D. will vor der Tatnacht eine „grüne Pille“ genommen haben. Nachweisen lässt sich der Drogeneinfluss aber nicht.

Ist Muharrem D. schuldfähig? Das Gutachten im Prozess gegen den Waldkraiburger Bombenleger war mit großer Spannung erwartet worden. Doch der Psychiater legte sich nicht fest und schob den Schwarzen Peter dem Gericht zu.

Waldkraiburg/München – Der Bombenleger von Waldkraiburg ist ein schizophren kranker Mensch. Seine Wahnvorstellungen rührten von einer undifferenzierten Erkrankung her, verstärkt wurde sie durch jahrelangen Cannabis-Missbrauch. Das sagte gestern ein psychiatrischer Sachverständiger im Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) München.

Ob der 26-Jährige schuldunfähig war, als er in der Nacht zum 27. April 2020 einen Brandsatz in einen Gemüseladen in Waldkraiburg warf, machte der Gutachter von der zusätzlichen Einnahme einer synthetischen Droge abhängig. Die lässt sich aber nicht mit Gewissheit nachweisen.

Drogeneinfluss lässt sich nicht nachweisen

Muharrem D. hatte von einer „grünen Pille“ gesprochen, die er vor dem Anschlag genommen haben will. Die Wirkung stellte sich angeblich erst nach sechs Stunden ein. „Das macht keinen Sinn“, sagte der Psychiater.

Bei einer grünen Pille handele es sich in der Regel um Ecstasy. Diese Partydroge wird genommen, um auf der Tanzfläche das Gefühl der Stärke und des verschmelzenden Gemeinschaftsgefühl zu bekommen. „Die Aussage ist nicht sehr wahrscheinlich“, behauptete der Sachverständige.

War dem Angeklagten bewusst, dass er Menschenleben gefährdet?

Damit schob er dem Gericht den „Schwarzen Peter“ zu. Der Senat um den Vorsitzenden Jochen Bösl muss nun entscheiden, ob die Steuerungsfähigkeit aufgehoben war oder nicht. Und so versuchten die Richter den Psychiater festzunageln, ob der 26-Jährige wahrgenommen hatte, dass sich in dem Gebäudekomplex über dem Gemüseladen zahlreiche Wohnungen befanden, Wohnungen, in denen nachts aller Voraussicht nach Menschen schliefen.

Mehr zum Anschlag in Waldkraiburg lesen Sie hier

Doch der Experte berief sich ein ums andere Mal auf auf das krankheitsbedingt eingeengte Denken des Angeklagten und die Möglichkeit der Wahrnehmung, nicht aber auf tatsächlich Wahrgenommenes. Das bereitete den Richtern etwas Kopfzerbrechen, denn für das Urteil bedarf es stets nachgewiesener Fakten.

Doch der Gutachter ließ sich nicht festlegen. Der Angeklagte habe seinen Job als Hilfsarbeiter ausüben können, und er habe auch wahrgenommen, dass er Feuer legte und dass dieses Feuer übergreifen könnte, doch es bestehe die Möglichkeit, dass er die Menschen und ihre Gefährdung ausblendete. Diese Wahrscheinlichkeit sei umso größer, je mehr die Möglichkeit steige, dass der Angeklagte sich zusätzlich mit einer synthetischen Droge betäubt hätte.

Gutachter: D. sollte in Psychatrie bleiben

„Das sind zwei Hypothesen. Ich kann Ihnen nicht sagen, welche die Richtige ist“, meinte der Wissenschaftler. „Der entscheidende Punkt ist doch, dass es nachvollziehbar ist, dass seine Gedanken aufgrund der Erkrankung so eingeengt sind, dass er Teile der Realität ausgrenzt“, hakte der Richter nach.

Das wollte der Experte so nicht stehenlassen: „Er realisierte, dass da Menschen drin sind, hatte das aber aktiv nicht im Blick“, erklärte er.

Eindeutig sprach er sich aber für einen gesetzlich geregelten Verbleib des 26-Jährigen in der Psychiatrie aus. Ob das Gericht nun das Strafmaß reduziert, weil es aufgrund der Psychose von einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit ausgeht, muss es in seinem Urteil entscheiden.

Am Donnerstag beginnen die Plädoyers

Ab kommenden Donnerstag sollen aber zunächst einmal die Bundes-Anwälte und vermutlich die Nebenkläger plädieren. Am Freitag folgen die Verteidiger und das Letzte Wort des Angeklagten, sofern der sich nicht seinen Anwälten anschließt.

Wie bereits mehrfach berichtet, hatte Muharrem D. im Frühjahr 2020 mehrere Anschläge auf Geschäfte und die Moschee in Waldkraiburg verübt. Seine Sympathie zum islamischen Staat, aber auch sein Türkenhass sollen ihn dazu gebracht haben. Beim schwersten Anschlag auf einen Gemüseladen in Waldkraiburg wurden zahlreiche Bewohner in höchste Gefahr gebracht. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.

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