Der typische Einzelgänger: Wer ist dieser mutmaßliche Bombenleger von Waldkraiburg?

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Mit Dreitagebart und mit nachdenklichem Blick: So zeigt sich der mutmaßliche Täter der vier Anschläge von Waldkraiburg auf Profilen in sozialen Netzwerken.
  • Josef Enzinger
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  • Markus Honervogt
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Wer ist der Mann, der in den vergangenen Wochen rund um Waldkraiburg nicht nur die türkische Gemeinde, sondern eine ganze Region in Angst und Schrecken versetzte? Der vier Anschläge beging und mit 23 funktionstüchtigen Rohrbomben offenbar Schlimmeres vorhatte? Eine Annäherung.

Waldkraiburg – Als dringend tatverdächtig gilt der Polizei 25-Jähriger Waldkraiburger, der bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt haben soll. Nach OVB-Informationen handelt es sich dabei um Muharrem D., einen Deutschen, dessen Eltern aus der Türkei stammen.

Mal intellektuell mit Brille, mal zurückhaltend lächelnd

Wie tickt der mutmaßliche Brandstifter aus Waldkraiburg? Über sein Privatleben ist nicht sehr viel bekannt, doch in seinem öffentlichen Instagram-Account ist ersichtlich, dass es sich bei Muharrem D. offensichtlich um einen gläubigen Muslim handelt.

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In erster Linie Selfies finden sich seit August 2019 in seinem Account, die ihn stets nachdenklich zeigen, anständig gekleidet. Mal intellektuell mit Brille, mal zurückhaltend lächelnd. Mit Dreitagebart und längerem Bartwuchs. Offenbar hat er einen Faible für Kampfsport, zwei Bilder zeigen ihn mit einer gemischten Trainingsgruppe, Frauen und Männer auf einem Bild sowie in Aktion mit Boxhandschuhen.

Muharrem D. hat offenbar ein Faible für Reggaemusik

Er mag wohl Reggae-Musik, Graffittis in Regenbogenfarben finden sich auf seinem Account, darunter auch ein Musikvideo von Alpha Blondy, ein ivorischer Reggae-Weltstar, Sohn eines Christen und einer Muslimin, der bei einem Festival im niederländischen Hertme den Song „Sebe Allah“, ein Loblied auf Allah singt.

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Vor knapp vier Wochen postet er ein Video, das jemanden dabei zeigt, wie er ein Badezimmer unter Wasser setzt, es einer Generalreinigung unterzieht und dabei fast knöcheltief im Wasser steht. In den türkischen Hashtags ist dabei vom Ramadan zu lesen.

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In den darauffolgenden Wochen postet er dann immer wieder bis Ende April Texte aus dem Koran, dazwischen eine Quizfrage, wer denn die erste muslimische Frau gewesen sei – allerdings alles ohne irgendeine Reaktionen.

Ermittler durchleuchten das Leben des mutmaßlichen Täters

Während sich aus den Profilen in sozialen Netzwerken das Bild eines Einzelgängers zeichnet, gibt die Polizei noch keine weiteren Erkenntnisse über den mutmaßlichen Attentäter von Waldkraiburg bekannt, der am Freitag (8. Mai) in Mühldorf am Bahnhof verhaftet wurde. „Er wird noch vielfach befragt werden, und es wird eine zeitlang dauern, bis alles beleuchtet ist“, sagte Polizeisprecher Martin Emig auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Auch zur Frage, welche Rolle Mitbewohner und Bekannte bei den Taten gespielt haben könnten, verwies Emig auf den Ermittlungsstand vom Sonntag: „Es gibt keine Hinweise auf Hintermänner oder Mittäter.“ Offen bleibt auch, wo Muharrem D. den Sprengstoff besorgt hatte und wie gefährlich die Rohrbomben waren. „Sie werden derzeit beim Landeskriminalamt untersucht“, sagte Emig.

Sprengstoffe bei Arbeitgeber entwendet?

Es besteht aber offenbar der Verdacht, die Sprengstoffe könnten aus der Firma stammen, in der Muharrem D. nach OVB-Informationen zuletzt beschäftigt war: ein Chemiebetrieb in der Region, über die er über eine Zeitarbeitsfirma gekommen war.

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