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Prozess um Anschläge von Waldkraiburg

Die Bewohner des Waldkraiburger Brandhauses machen vor Gericht emotionale Aussagen

Das verheerende Feuer in Waldkraiburg hat bei den Opfern tiefe seelische Wunden hinterlassen, die auch Monate danach noch spürbar sind.
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Das verheerende Feuer in Waldkraiburg hat bei den Opfern tiefe seelische Wunden hinterlassen, die auch Monate danach noch spürbar sind.

Mit Zeugenaussagen der Bewohner des Brandhauses ist der Prozess gegen einen 26-jährigen IS-Anhänger am Montag (22. März) am Oberlandesgericht weitergegangen. Nach einer Anschlagsserie auf Geschäfte türkischstämmiger Besitzer muss er sich wegen mehrfachen versuchten Mordes und zahlreicher weiterer Delikte verantworten.

Waldkraiburg/München – Eigentlich hätten sie die Feuernacht im April vergangenen Jahres gerne vergessen. Doch der Prozess gegen einen IS-Anhänger aus Waldkraiburg wühlte alles noch einmal auf. Am Montag wurden vor dem Staatsschutz-Senat am Oberlandesgericht (OLG) München weitere Geschädigte vernommen. Eine 64-Jährige verglich den Anschlag des 26-Jährigen auf den Gemüseladen mit dem Wiesn-Attentat von 1980.

„Es war wie eine Bombe“, beschrieb die ältere Dame die Explosion. Die Detonation habe sie am ganzen Körper gespürt, wie damals in München. Ihre beiden Ziervögel seien völlig durcheinander gewesen, sie habe die Tiere erst einmal beruhigen müssen. Die 64-Jährige kam mit einer Rauchgasvergiftung davon, die Tiere blieben unverletzt. Doch danach begann für die Frau eine Wohnungs-Odyssee mit Behelfsunterkünften und Monteur-Wohnungen. Seit September habe sie eine Bleibe, wo sie sich beschützt fühle. Nachts allerdings wache sie oft um die Anschlags-Uhrzeit auf.

Lesen Sie auch: En lauter Hilferuf: Wie es im Waldkraiburger Brandhaus weitergeht

Schlafprobleme seit dem Anschlag von Waldkraiburg

Als gezeichnet vom Anschlag beschrieb sich eine 60-Jährige. Die äußerlich robust wirkende Frau schilderte massive psychische Probleme. Sie könne nicht mehr schlafen, leide unter Anfällen von Hyperventilation. „Wenn die Sonne untergeht, werde ich unruhig“, sagte sie und fügte hinzu: „Beim Einschlafen steht mein Körper wieder auf. Ich zittere und atme schwer, als hätte ich einen 100 Meter-Lauf hinter mir.“

Dabei war sie in ihrer Wohnung geblieben, auch wenn es über Monate kein fließend Wasser und keinen Strom gegeben hatte. Abends habe sie Wasser aus dem Keller geholt und den Strom mittels einer langen Kabeltrommel in ihre Wohnung gelegt. „Es wurde überreagiert“, behauptete sie mit einem Hinweis auf den Bürgermeister und den Verwalter, die angeblich stets beteuert hätten, dass die Wohnungen unbewohnbar geworden seien.

Mehr zum Thema: 10 Monate nach dem Anschlag von Waldkraiburg kehren Bewohner in das Brandhaus zurück, aber einige Probleme bleiben

Von einem Knall geweckt

In der Nacht, in der sie vom Knall geweckt worden war, hatte sie sich noch geistesgegenwärtig angezogen. „Ich habe mich zur Ruhe gezwungen“, erinnerte sie sich vor Gericht. Vor zwei Jahren, bei einem Schwelbrand im Haus, sei sie Hals über Kopf ins Freie gelaufen und hätte draußen frierend gestanden. Dieses Mal schaute sie sogar nach ihren Katzen, die vor Schreck unter dem Bett verschwunden waren. Die 60-Jährige konnte sie hervorlocken, verfrachtete sie in die Katzenkörbe und wartete auf die Feuerwehr.

Die führte die Frau mit einer Fluchthaube über dem Kopf nach unten. Die Katzenkörbe, geschützt durch eine Decke, schleppten die Feuerwehrler mit ins Freie.

Kritisch äußerte sich die Frau zu den Renovierungskosten. Angeblich sollten die Wohnungsbesitzer aus eigener Tasche 375 000 Euro bezahlen. „Niemand weiß, wofür das ausgegeben wurde“, sagte die 60-Jährige verärgert. „Es wurden Sachen erneuert, die gar nicht kaputt waren“, behauptete sie. Tatsächlich hatten die Sanierer Kosten für Renovierungsarbeiten in Höhe von weit über einer halben Million Euro veranschlagt.

Gezahlt wurde von der Versicherung laut einer Auflistung nur ein Bruchteil. Das zumindest ging aus einer Aufstellung hervor, die eine andere Geschädigte dem Gericht überreichte. Die Frau war mit ihrem Mann erst jetzt am Wochenende in ihre Wohnung zurückgekehrt. Der 46-Jährige konnte mehrere Wochen nicht arbeiten. „Man hat halt immer eine Unruhe in sich“, berichtete er. Der Prozess dauert an.

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