WEGEN FALSCHPARKENS ZUR KASSE GEBETEN

Anlieger des Olmützer Wegs in Waldkraiburg ärgern sich über Strafzettel

Auf den Zentimeter genau habe die Politesse die Restdurchfahrbreite im Olmützer Weg abgemessen. Die vorgeschriebenen 3,10 Meter schafft Lorin Bal auch mit eingeklapptem Außenspiegel nicht. Er ist trotzdem sauer über den Strafzettel, denn noch nie habe es Probleme bei der Durchfahrt von Fahrzeugen gegeben.
+
Auf den Zentimeter genau habe die Politesse die Restdurchfahrbreite im Olmützer Weg abgemessen. Die vorgeschriebenen 3,10 Meter schafft Lorin Bal auch mit eingeklapptem Außenspiegel nicht. Er ist trotzdem sauer über den Strafzettel, denn noch nie habe es Probleme bei der Durchfahrt von Fahrzeugen gegeben.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
    schließen

Anlieger des Olmützer Wegs in Waldkraiburg ärgern sich über Strafzettel, weil sie in der engen Straße die vorgegebene Durchfahrtbreite von 3,10 Meter nicht frei gelassen haben. Die Stadt zeigt sich davon unbeeindruckt und kündigt verschärfte Kontrollen an.

Waldkraiburg – Kurz vor Ostern wurden sie wegen Falschparkens zur Kasse gebeten: Anwohner des Olmützer Weges, die in der engen Straße nicht die vorgeschriebene Restdurchfahrbreite von 3,10 Meter frei gelassen hatten und deshalb 15 Euro zahlen mussten. Ihr Ärger über die Strafzettel ist bis heute nicht verraucht.

An der Position der Stadt ändert er nichts. Das Rathaus kündigt aufgrund der „zahlreich festgestellten Verstöße“ nicht nur in der Olmützer Straße, sondern in allen Wohngebieten mit ähnlicher Parksituation verschärfte Kontrollen an.

Mit dem Ausziehband nachgemessen

„Ich steh in der Küche und mach mir einen Kaffee. Da sehe ich, wie jemand an meinem Auto steht und mit einem Ausziehband herummisst“, erinnert sich Lorin Bal an den Einsatz der kommunalen Verkehrsüberwachung. „Ich bin sofort raus.“ Aber allzu viel war da nicht mehr zu bereden.

Die Entfernung von seinem 1er-BMW bis zum Bordstein auf der anderen Fahrbahnseite erreichte nicht die vorgegebene Restdurchfahrbreite von 3,10 Metern. Das schaffe er selbst dann nicht, wenn er den Außenspiegel einklappe und ganz nah an den Bordstein fahre, sagt Lorin Bal.

Stadt befürchtet, das Rettungseinsätze beeinträchtigt werden

Dieser Abstand sei aber erforderlich, damit größere Fahrzeuge ohne Behinderung und überhöhte Unfallgefahr an anhaltenden Autos vorbeifahren können und insbesondere Rettungseinsätze von Feuerwehr und Rettungsdiensten nicht beeinträchtigt werden.

Das teilt die Stadt in einer Stellungnahme mit. Der Wert von 3,10 Meter ergibt sich aus der in Deutschland geltenden maximalen Fahrzeugbreite zuzüglich eines Abstands von jeweils 25 Zentimetern auf jeder Seite.

Anlieger: Bislang hat es keine Beanstandungen gegeben

Diese Vorgabe hielten neben dem Auto des 21-Jährigen auch der Mercedes seiner Eltern, der „wegen eines Einkaufs nicht in der Garage, sondern für kurze Zeit mit eingeklapptem Spiegel auf der Straße stand“, sowie vier weitere Fahrzeuge nicht ein. Allein beim kleinen Nissan Micra einer Nachbarin sei nichts beanstandet worden, so Bal.

Anwohner: Statt Strafzettel hätte Hinweise gereicht

Ein weiterer Nachbar, Adi Schäftlmaier, musste nur deshalb keinen Strafzettel zahlen, weil er grade nicht da war. Schäftlmaier ärgert sich dennoch fürchterlich über die Kontrollen. Noch nie habe es Probleme gegeben.

„Wenn die Müllabfuhr ohne Probleme durchkommt, dann kommt auch die Feuerwehr durch.“ Im Übrigen sei die Vorgabe unrealistisch. „Jedes normale Auto ist heute etwas breiter.“ 38 Jahre, so lange lebt Schäftlmaier in der Straße, habe es keine Beanstandungen gegeben.

Das könnte Sie auch interessieren: Pflegedienst im Einsatz: Strafzettel für falsches Parken – muss das sein?

Vor zwei Jahren habe ihm dieselbe Politesse einen Strafzettel verpasst, weil er gegen die Fahrtrichtung parkte. „Das sehe ich ein, aber damals hat sie sich nicht an der Durchfahrbreite gestört. Ist denn jetzt plötzlich alles anders?“ Als unverhältnismäßig kritisiert der Waldkraiburger deshalb das Vorgehen der Verkehrsüberwachung, sofort Strafzettel auszustellen. „Ein Hinweis hätte genügt.“

Stadt will Kontrollen verschärfen

Die Mitarbeiterin des Zweckverbands, dem die Stadt seit 2007 die Verkehrsüberwachung übertragen hat, habe sie an die Stadt verwiesen, sagen die Kritiker. Bei Fragen zum Vorgehen sei der Zweckverband der richtige Adressat, spielt das Rathaus den Ball zurück.

Stadt appelliert an Anwohner

Am Ziel, besondere Engstellen zu beseitigen und die Sicherheit der Anwohner zu gewährleisten, hält die Stadt fest. Das Ordnungsamt habe wiederholte Anwohnerbeschwerden zum Anlass genommen, die Parksituation in Wohngebieten mit hohem Parkdruck und engen Straßen mit wenig Abstellflächen über einen längeren Zeitraum genau zu beobachten. Die Stadt appelliert an die Anwohner rücksichtsvoll zu parken, um Bußgelder oder den Einsatz von Abschleppdiensten zu vermeiden.

Mehr zum Thema

Kommentare