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Andere mögen Kriege führen

  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Wem gehört das Stauwehr in Reit? Diese Frage, die die ganze Region bewegt, ist endlich geklärt.

100 Jahre nach dem Bau des Kraftwerks Töging-Jettenbach war es Zeit, dass die Aschauer und ihr Bürgermeister aufzeigen, wie falsch es war, die Anlage damals nach Jettenbach zu benennen.

Schließlich lag das Wehr zwar näher an der kleinen Toerring-Hofmark, stand aber schon beim Bau auf dem Boden der Gemeinde Fraham. Liegt ergo seit deren Eingemeindung auf Aschauer Hoheitsgebiet. Keiner wollte Notiz davon nehmen. Das ignorante Festhalten an der „Wehranlage Jettenbach“, die freche Geschichtsfälscherei ist jetzt vorbei.

Im nahen Waldkraiburg, vor einem Jahrhundert noch ein weißer Fleck auf der Karte, kann man nur staunen über so viel Selbstbewusstsein. Dabei versteht die Aschauer niemand besser als ihre Nachbarn im Osten. Denn den Verweis auf die Geschichte kennen die Waldkraiburger, seit es Waldkraiburg gibt. Und können ihn nicht mehr hören. Dass die größte Stadt im Kreis kein eigenes Notariat hat? Historische Gründe. Im Mittelalter stand hier Wald, kein Gericht. Und dass es fast 20 Jahre dauerte, bis der Bahnhof den Namen der Stadt trug, in der er liegt? Genau, die Geschichte...

Warum es keine Behörde gibt? Die überregionale Verkehrsbeschilderung bis heute so tut, als gebe es 25 000 Waldkraiburger nicht? Und offizielle Karten so aussahen, als wollten sie den Status Quo von 1937 fortschreiben? Muss man da noch fragen?

Ach, ja. Wir gönnen es Aschau, sind nur ein bisserl neidisch. Einen Partner wie den Verbund, den könnte halt auch Waldkraiburg ab und zu brauchen. Der österreichische Stromriese, dem das Wehr wirklich gehört, handelt die höchst komplexe Namensfrage mit Gespür für Geschichte und Gegenwart. Nach dem Umbau soll das Bauwerk „Wehr Jettenbach-Aschau“ heißen, ein Teil „Kraftwerk Reit“, ein anderer „Triebwerk Jettenbach“. Wie salomonisch! Frei nach dem berühmten Wort, das den Habsburgern eine glückliche Veranlagung nachsagt, möchte man rufen: Andere mögen Kriege führen, Du, glücklicher Verbund, stifte Frieden. Kürzer: Mit dem Verbund müsste man verheiratet sein.

Das härtere Ringen um den Namen des Wehrs steht den Aschauern noch bevor. Und – auch dafür spricht langjährige Waldkraiburger Erfahrung – sie haben schlechte Karten. Nichts ist nämlich hartnäckiger als Tradition. Da muss man nicht das Beispiel der aktuellen Gender-Diskussion bemühen.Weiß irgendjemand in der Stadt, wie der amerikanische Chemie-Betrieb an der Teplitzer Straße derzeit heißt? Die Lowi kennt jedes kleine Kind, noch aus den 1950er-Jahren. Und vom „Super 2000“ ist regelmäßig die Rede, obwohl es das seit dem letzten Jahrhundert nicht mehr gibt.

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