Taskforce Fachkräftesicherung

Am Beispiel der Mühldorfer Firma ODU: Taskforce geht neue Wege beruflicher Weiterbildung

Daniel Gass, der sich mit Hilfe der „Taskforce Fachkräftesicherung“ zur Fachkraft Lagerlogistik weiterqualifiziert hat, kommissioniert Ware im Palettenlager von ODU.
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Daniel Gass, der sich mit Hilfe der „Taskforce Fachkräftesicherung“ zur Fachkraft Lagerlogistik weiterqualifiziert hat, kommissioniert Ware im Palettenlager von ODU.
  • Frank Bartschies
    vonFrank Bartschies
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Strukturwandel und Digitalisierung stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen. Die „Taskforce Fachkräftesicherung+“ unterstützt die Unternehmen bei der Weiterqualifizierung von Mitarbeitern unterstützt. Die Mühldorfer Firma ODU hat das Angebot bereits mehrfach genutzt.

Mühldorf – „Wissen ist der entscheidende Vorsprung im globalen Wettbewerb“, konstatierte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), bei einem Online-Besuch. Deshalb unterstütze sein Verband das Weiterbildungsengagement von Firmen, ein Angebot „so attraktiv wie nie zuvor“. Finanziert würden die Maßnahmen, die das Qualifizierungschancengesetz ermögliche, mit Mitteln der Bundesagentur für Arbeit (BfA).

„Wissen ist der entscheidende Vorsprung im Wettbewerb“, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Bayerischen Wirtschaft.

Motivation muss vom Mitarbeiter ausgehen

Gerlinde Dilg, Leiterin Personalmanagement bei ODU, betonte die verbesserten und nachhaltigen Einsatzmöglichkeiten für Mitarbeiter mit zusätzlicher Qualifikation und die stärkere Bindung dieser Mitarbeiter an das Unternehmen. Die Motivation für eine Qualifizierungsmaßnahme müsse aber vom Mitarbeiter kommen, der Betrieb entscheide dann nach Gesprächen mit dem Vorgesetzten des Bewerbers sowie der Ermittlung des zukünftigen Fachkräftebedarfs des Unternehmens über die Weiterqualifizierung.

Bei ODU betrifft dies vor allem die Bereiche Lagerlogistik und Maschinenführer. Insgesamt fünf Qualifizierungsmaßnahmen habe das Unternehmen in Kooperation mit der „Taskforce Fachkräftesicherung+“ im vergangenen Jahr genutzt, so Christine Kasmannshuber von der Personalentwicklung. Seit 2012 fördere ODU auf diese Weise die Mitarbeiter mit entsprechender Unterstützung durch externe Zuschüsse und Fördermittel. Darüber hinaus biete das Unternehmen weitere Qualifizierungen ohne externe Beteiligung an.

Freitag freigestellt – Samstag Fortbildung

Mitarbeiter Daniel Gass (28) hat sich zum Fachlageristen und anschließend zur Fachkraft Lagerlogistik weiterbilden lassen. Er habe sich für die mehrstufige Maßnahme entschieden, um sich seinen Arbeitsplatz zu sichern und die Anforderungen im Umfeld seiner bisherigen Tätigkeit besser kennenzulernen, erzählt er. Für die Fortbildung wurde er freitags vom Betrieb freigestellt, am Samstag hat er sich in seiner Freizeit fortgebildet. Der Online-Unterricht während der Pandemie habe gut funktioniert. Ein Jahr und neun Monate haben die beiden Maßnahmen in Anspruch genommen.

Eine Chance bei Kurzarbeit

Als „leuchtendes Beispiel“ dafür, dass diese Initiative funktioniert, stellte Klaus Beier von der Regionaldirektion Bayern der BfA, die Firma ODU dar. Weiterbildung sei unerlässlich für die Anforderungen von Strukturwandel und Digitalisierung. „Die Dinge, vor denen wir stehen, sind schwierig, aber auch eine Chance, daran zu wachsen“, so Beier. Er rät, die derzeitige Kurzarbeiterphase für Weiterqualifizierungen zu nutzen. In diesem Fall übernimmt während der Kurzarbeit die BfA die Sozialversicherungsbeiträge für die sich fortbildenden Arbeitnehmer bis zum Jahresende 2021.

Die Angebote der Weiterbildung gelten aber für alle Unternehmen, unabhängig von möglicher Kurzarbeit, so Bertram Brossardt. Entscheidend sei die Frage, welche Berufsprofile in der Zukunft benötigt würden. In einigen Bereichen wie zum Beispiel der Autoindustrie oder Luft- und Raumfahrttechnik würden einige Berufsbilder in der Zukunft wegfallen.

Zehnköpfige Service-Einheit

Die „Taskforce Fachkräftesicherung+“, die Unternehmen bei der Weiterqualifizierung ihrer Mitarbeiter unterstützt, ist eine zehnköpfige Service-Einheit, so Tabea Hoffmann, Gesamtkoordinatorin der Taskforce. Ins Leben gerufen von der vbw und der Staatsregierung, kooperiert sie mit vbw und BfA. Die Taskforce unterstützt Firmen bei der Fachkräftesicherung durch Bedarfsanalyse, Beratung zur Qualifizierung von Beschäftigten sowie zur Förderung, bei der Vermittlung von Fachkräften und bei der Digitalisierung.

In einem ersten Schritt wird für die Weiterqualifizierung ein Bildungsziel definiert, dann ein Bildungsprodukt ausgewählt und das passende Förderinstrument ermittelt. Nach Auskunft der vbw ist die Beratung kostenfrei und kann von allen bayerischen Unternehmen genutzt werden. In den vergangenen zwei Jahren hatte die Taskforce laut Hoffmann Kontakt zu über 1650 Unternehmen aller Branchen und bearbeitete 400 Weiterbildungsanfragen.

Die Firma ODU

Die Firma ODU stellt Steckverbindungen her und liefert maßgeschneiderte Lösungen im Bereich der Kontakttechnologie für Industrieelektronik, Medizintechnik, Mobilität, Mess- und Prüftechnik sowie Militär-, Sicherheits- und Kommunikationstechnik. Das 1942 von Otto Dunkel, dem Erfinder des Drahtfederkontakts, gegründete Familienunternehmen unterhält weltweit fünf Werke mit 2300 Mitarbeitern – 1300 davon in Mühldorf.

ODU hat 2019 laut Robert Klemisch von der Geschäftsleitung einen Jahresumsatz von 210 Millionen Euro erwirtschaftet, der im vergangenen Jahr nochmals um drei bis vier Prozent habe gesteigert werden können. Die Produktpalette umfasse 90.000 Artikel, mit denen 5500 Kunden bedient werden. Die Firma mit einer Fertigungstiefe von 75 Prozent stelle teilweise die benötigten Spezialwerkzeuge und -maschinen zur Fertigung der Produkte selbst her, weshalb auf allen Ebenen ein hoher Grad an Fachkräften vonnöten sei.

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