Ein Leben für die Gewerkschaft

Am Anfang war ein Streik: Richard Fischer aus Waldkraiburg ist seit 50 Jahren im DGB

50 Jahre im DGB: Als Azubi bei der Firma Netzsch schloss sich Kreisvorsitzender Richard Fischer der Gewerkschaftsbewegung an, in der er verschiedene haupt- und ehrenamtliche Aufgaben übernahm.
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50 Jahre im DGB: Als Azubi bei der Firma Netzsch schloss sich Kreisvorsitzender Richard Fischer der Gewerkschaftsbewegung an, in der er verschiedene haupt- und ehrenamtliche Aufgaben übernahm.
  • Hans Grundner
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Einmal Gewerkschaftler, immer Gewerkschaftler. Das gilt ganz gewiss für Richard Fischer. Der Waldkraiburger, der an der Spitze des DGB-Kreisverbands Mühldorf steht, ist seit einem halben Jahrhundert dabei. Am Anfang war ein Streik.

Waldkraiburg – Grade 15 war er, als er eine Lehre bei der Firma Netzsch begann und sich gleich unbeliebt machte. Herbst 1970: Richard Fischer begann seie Lehre als Maschinenschlosser bei der Firma Netzsch. Zusammen mit anderen traute er sich, was damals undenkbar war: Die Lehrburschen streikten – weil sie mit den Ausbildungsmethoden nicht einverstanden waren.

Brotzeit holen war ihm zu wenig

Vor allem Brotzeit holen für die Arbeiter und tagelang die Werkhalle zusammenkehren, auf solche Ausbildungsmethoden wollte sich der junge Richard Fischer nicht verlassen. Da nahm er lieber nach einem Streik eine ordentliche Strandpauke samt Einschüchterung in Kauf. „Das war die erste Erfahrung in der Auseinandersetzung mit einer Betriebsleitung und der Einstieg in die DGB-Karriere.

1970 war eine Hochzeit der Gewerkschaftsbewegung, die damals viele Mitglieder und Erfolge bei Tarifverhandlungen vorweisen konnte. Lohnerhöhungen von bis zu 15 Prozent waren im Wirtschaftsaufschwung möglich. „Es gab einen enormen Nachholbedarf auf Arbeitnehmerseite, deren Kaufkraft damit gestärkt wurde“, so Fischer, der viele ehrenamtliche und hauptamtliche Funktionen bei der Gewerkschaft ausübte.

Fischer: Gewerkschaften sind heute so notwendig wie damals

Auch wenn sich die Zeiten geändert haben, die Gewerkschaften sind nach Fischers Überzeugung heute so notwendig wie damals. Mittlerweile gehe es darum, Arbeitnehmerrechte in Prozessen der Technisierung, Automatisierung und Digitalisierung zu vertreten, soziale Härten auszugleichen, die Fischer auch in Folge der Corona-Krise befürchtet, und das Gleichgewicht in der Gesellschaft zu wahren.

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Das sei ihm immer wichtig gewesen in seinen Gewerkschaftsfunktionen und in der Betriebsratstätigkeit. Nach seinem Engagement in der Gewerkschaftsjugend bei den Metallern folgte der Dienst in der Landesstelle, eine Ausbildung bei der Akademie der Arbeit, der Einsatz bei der IG Bau-Steine-Erden in Rosenheim. Richard Fischer wird DGB-Geschäftsführer in Landshut, später in Rosenheim.

„Für mich war es immer wichtig, etwas für andere zu tun und zu erreichen“, so Fischer bei einer DGB-Jubiläumsfeier vor Kurzem in Waldkraiburg. „Und ich hab vieles hingekriegt.“

Dem Extremismus die Stirn bieten

Die Arbeit in den Betrieben und für die Arbeitnehmer ist nur eine Seite seines Engagements. Der 65-Jährige seit vielen Jahren in der SPD aktiv, Stadt- und Kreisrat, ehemaliger Zweiter Bürgermeister und seit Mai stellvertretender Landrat.

Gerade als Gewerkschaftler sei ihm der Einsatz gegen politischen Extremismus, gegen NPD, Republikaner und neuerdings AfD, aber auch gegen linksextreme Ideologien wichtig. „Dagegen bin ich immer angegangen.“

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In diesen Auseinandersetzungen hat er zuletzt vor allem aus der rechtsextremen Ecke allerhand aushalten müssen. Ja, er machte sich Sorgen wegen der Wahlerfolge der AfD in Bundestag und Landtagen, sagt er. „Wir müssen mit Argumenten dagegen halten und aufzeigen, dass diese Kräfte auf Populismus setzen und keine Lösungen bieten.“ Dann, so Fischers Hoffnung, könnten sich Bürger, die mit diesen Gruppen sympathisieren, wieder den demokratischen Parteien zuwenden.

Zuerst jüngster, dann dienstältester Regionsgeschäftsführer bei der IG BAU

„50 Jahre beim DGB – das ist extrem lang“, sagt der amtierende oberbayerische Regionsgeschäftsführer Günter Zellner bei der Feier. Fischer habe 1970 „Aufbruchsarbeit“ geleistet. Seinerzeit sei er der jüngste Regionsgeschäftsführer gewesen – später der dienstälteste. Der DGB brauche Menschen wie ihn, „Menschen, die die Organisation bewegen“ und die Gewerkschaftsarbeit als Dienst an anderen verstehen.

Natürlich würde er heute jedem 15-jährigen Azubi zum Eintritt in die Gewerkschaft raten, so wie ihm damals Erwin Schmitzberger, neben Walter Kraus ein wichtiger Wegbegleiter. Auch wenn der 65-Jährige den Eindruck hat, dass die Menschen „oberflächlicher geworden sind“, so machen ihm die jungen Leute, die heute wieder DGB-MItglied werden, Hoffnung.

Im nächsten Jahr gibt er den DGB-Kreisvorsitz ab

Im nächsten Jahr will Fischer den Kreisvorsitz in jüngere Hände legen. Der Gewerkschaftsidee und dem DGB wird er aber sicherlich treu bleiben, mit Leib und Seele.

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