Alles wieder auf Anfang

  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Da wären wir also wieder: Schulen und Kindergärten sind geschlossen und während der Begriff Homeschooling Eltern längst flüssig über die Lippen kommt, hakt es im Alltag in vielen Familien um so mehr.

Was im März wie ein Abenteuer erschien, ist schier ein Ding der Unmöglichkeit: Rechenaufgaben erklären, Tränen trocknen, parallel dazu telefonieren und Artikel schreiben. Wenn es keine Tiefkühlpizza sein soll, macht sich das Mittagessen auch nicht von allein. Beim Homeschooling und Homeoffice geht alles gleichzeitig und wild durcheinander – das kostet Kraft und zerrt an den Nerven. Auch wenn man weiß, was einen erwartet, einfacher wird es deshalb nicht.

„Mama, du bist keine gute Lehrerin“, hat mir mein Sohn zum Vorwurf gemacht. Das schmerzt, aber es stimmt doch. Wie kann ich eine gute Lehrerin sein, wenn gleichzeitig das Telefon klingelt und der Aufmacher bis mittags fertig sein soll? Gelernt habe ich schließlich auch etwas anders.

Mittlerweile bin ich schon so lange im Homeoffice, dass mich meine Redaktionskollegen ohne die täglichen Videokonferenzen wahrscheinlich nicht mehr erkennen würden. Die Räume im eigenen Haus kenne ich dafür umso besser. Über die Monate bin ich mit meinem Büro durchs Haus gezogen, aus dem Kinderzimmer hat mich zuletzt meine Tochter verbannt. Es sei nicht böse gemeint, aber sie sei gerne allein in ihrem Zimmer.

Und da bin ich nun wieder: am Küchentisch. Wo ich nicht einfach die Tür hinter mir schließen kann, wenn ich in Ruhe telefonieren möchte. Wo ich mittags erst mal meinen Laptop zuklappen muss, damit die Familie gemeinsam essen kann. Wo ich abends nicht mehr sitzen will, weil der Rücken schmerzt.

Gelenke kreisen lassen, Muskeln dehnen und die Sitzpositionen am Stuhl wechseln: Die Übungen der Pilates- und Fitnesstrainerinnen nehme ich dankbar an und rolle abends gleich mal meine etwas verstaubte Sportmatte aus. Aber auch im Home-Studio steht die Tür offen und meine sechsjährige Tochter neben mir.

Wenigstens muss ich nicht auch hier Lehrerin sein: Meine Tochter gibt klar vor, welche Übungen zu tun sind. So macht die 24-Stunden-Familie Spaß.

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