WALTER MAIER STELLT IM BISCHOF-NEUMANN-HAUS AUS

Alles rund ums Thema Beichte

Walter Maier vor dem Beichtstuhl in der Kraiburger Marktpfarrkirche St. Bartholomäus, einer von insgesamt 80 Beichtstühlen, die er für die Ausstellung fotografiert hat. Eine der vielen Raritäten in seiner Beichtzettel-Sammlung ist ein Zettel zum Andenken an den Kriegsbußtag 1915. hg
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Walter Maier vor dem Beichtstuhl in der Kraiburger Marktpfarrkirche St. Bartholomäus, einer von insgesamt 80 Beichtstühlen, die er für die Ausstellung fotografiert hat. Eine der vielen Raritäten in seiner Beichtzettel-Sammlung ist ein Zettel zum Andenken an den Kriegsbußtag 1915. hg

Hunderte Stunden hat sich Walter Maier mit dem Thema Beichte befasst, rund 1000 Beichtzettel gesammelt, viele alte und neuere Beichtstühle fotografiert und sich zur geschichtlichen Entwicklung der Beichte in der einschlägigen Literatur kundig gemacht. Die Ergebnisse präsentiert er in dieser Woche in einer Ausstellung im Bischof-Neumann-Haus.

Waldkraiburg – Er ist weder Archivar noch Historiker, nicht Volkskundler noch Religionswissenschaftler. Walter Maier aus Waldkraiburg haben es die alten Sachen angetan, die langsam verschwinden und verloren gehen, oft ganz im Stillen, unbemerkt. Als gelernter Kunstschmied, der sich viel mit Grabkreuzen beschäftigt hat, hat er Zugang zu diesen Themen.

Der 75-Jährige, der später Werkzeugmacher war, sich zum technischen Zeichner fortbildete und eine Ingeniersausbildung machte, hat die Geschichte vor gut drei Jahrzehnten zu einem Hobby gemacht, das er immer intensiver betrieb. Damals wohnte er noch in Reichertsheim. Zu einem Jubiläum des Trachtenvereins recherchierte er über die Vereinsgeschichte, unter anderem im Salzburger Diözesanmuseum und in der Staatsbibliothek in München. Bei seinen Recherchen sei er drauf gekommen, so Maier, dass in Reichertsheim die 1200-Jahr-Feier ansteht. Als Ende der 80er-Jahre gefeiert wurde, stellte er eine große Ausstellung über die Geschichte der Landwirtschaft und der handwerklichen Berufe auf dem Dorf zusammen.

Damals wurde seine Sammlerleidenschaft erst so richtig geweckt. Er stieß bei Bauern auf Sterbebilder-Sammlungen und dieses Thema hat ihn nicht mehr los gelassen. Nahezu 10 000 Bilder hat er bis heute zusammengetragen, 42 Ordner voll, fast alle katalogisiert. 2006 hat er sie in einer Ausstellung in Ramsau gezeigt.

Und nicht nur auf Sterbebilder, auch auf andere alte „Schätze“ wurde er damals aufmerksam: Beichtzettel. Seit dem Mittelalter (ab 1440) gibt es diese Papiere, die nicht nur für den Beichtenden ein Nachweis waren, dass er seiner österlichen Pflicht nachgekommen war. Bis herauf ins 21. Jahrhundert hat Maier Beispiele für diese Funktion des Beichtzettels gefunden.

Lange Zeit war der Beichtzettel aber zugleich religiöses und politisches Kontrollin strument, zunehmend ab der Gegenreformation bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Wer nicht mit dem Beichtzettel seine katholische „Rechtgläubigkeit“ nachweisen konnte, dem drohten nicht nur kirchliche Strafen, sondern im schlimmsten Fall auch der Ausschluss von Handel und Gewerbe, sogar der Landesverweis und die Einziehung des Vermögens.

So weit zurück reichen die tausend Beichtzettel, die Walter Maier in seiner Sammlung hat, allerdings nicht. Beichtzettel aus über zwei Jahrhunderten können im Original und auf Fotos betrachtet werden. Spezielle Stücke darunter, Beichtzettel zu speziellen Anlässen, wie Hochzeit und Erstkommunion, von Wallfahrts- und von Kriegsbeichten.

Erst im 15. Jahrhundert entstehen die Beichtstühle, wie sie noch heute in vielen Dorfkirchen stehen. Walter Maier hat ungefähr 80 Fotos von alten und neuzeitlichen Beichtstühlen, meist aus dem Landkreis, gemacht. Auch sie wird er im Bischof-Neumann-Haus zeigen.

Und als nächstes hat er sich vorgenommen, die Geschichte dieser Beichtstühle zu erfassen. „Das würde mich noch interessieren“, sagt er.

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