Alles im grünen Bereich

Alles im grünen Bereich! Keine Frage, das Fazit drängt sich auf für die Podiumsdiskussion der Landjugend in St. Erasmus.

Die Bürgermeisterkandidaten vermittelten stellenweise den Eindruck, als wollten sie im Lauf des Wahlkampfs jeden Baum im Stadtgebiet umarmen.

Na ja, jeder brachte das auf seine Weise zum Ausdruck. Je nach Temperament. Bürgermeister Robert Pötzsch nüchtern wie immer, staubtrocken, frei nach dem Motto: Grüngürtel erhalten, Brachen entfalten! Kämpferisch mit Nachdruck sein Stellvertreter Richard Fischer, der wie kein anderer Mitbewerber auf Distanz zum amtierenden Stadtoberhaupt ging, als wollte der Sozi der CSU an diesem Abend das Wadlbeißer-Image streitig machen. Während Wolfgang Nadvornik, ganz Vertreter der neuen CSU, die mit der alten CSU nichts am Hut haben will, das Ziel propagierte, einst als grünster schwarzer Bürgermeister aller Zeiten in die bayerische Geschichte einzugehen.

So überzogen das manchmal wirkte: Es ist aus der Distanz betrachtet ganz gut so. Denn es beweist: Die Kommunalpolitiker und alle, die es werden wollen, haben gemerkt, was die Stunde geschlagen hat. Ein leichtfertiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen geht gar nicht mehr.

Noch etwas ist wichtig: Öko-radikale, ideologische Positionen, die von anderen wichtigen Gesichtspunkten absehen und einer Blockade jeglicher Entwicklung gleich kämen, vertritt keiner der Kandidaten. Bei allen Bekenntnissen zum Baum. Da sollte sich niemand etwas vormachen. Auch das ist gut so.

Wachstum ja, aber nicht um jeden Preis. Das hört sich prima an. Interessant wird es natürlich erst, wenn es bei ganz konkreten Projekten zum Schwur kommt. Soll dieses Baugebiet entwickelt oder jene Gewerbegebietserweiterung abgelehnt werden? Und warum? Die Kandidaten, vor allem jene, die noch nicht Verantwortung tragen, weil sie nicht in politischen Gremien sitzen, da eindeutig festzunageln, ist weiteren Veranstaltungen vorbehalten.

Das hat der muntere Diskurs in St. Erasmus nicht leisten können. Ansonsten war der Bewerber-Check der Landjugend ein guter, durchaus informativer Einstieg in die heiße Phase des Kommunalwahlkampfs.

Einen eindeutigen Sieger hat das Rededuell nicht gebracht, allenfalls eine Überraschung. Ausgerechnet der junge Valentin Clemente (FDP), von dem die meisten am wenigsten erwartet hatten, krasser Außenseiter, zumal nach der Kemmerich-Keule seiner peinlichen Parteifreunde in Thüringen, hat sich erstaunlich gut in dieser Runde geschlagen. Diesen Eindruck haben wohl viele Zuhörer mitgenommen.

Das größte Aufsehen hat wieder einmal Wolfgang Nadvornik erregt. Mit seiner Ankündigung, der Landjugend, die heuer im Oktober ihr 50-jähriges Jubiläum feiert, als Bürgermeister das Banner für die Fahnenweihe zu zahlen. Da geht’s dem Vernehmen nach um gut und gerne 8000 Euro. Keine Frage, der CSU-Kandidat hebt mit solchen Aktionen den Unterhaltungswert des Wahlkampfs. Und er polarisiert. Viele schütteln den Kopf, lachen drüber, manche ärgert das. Es wird sich zeigen, was das an der Wahlurne bringt. Und mit welcher Summe er bis zum 15. März in der Kreide steht. Andere Vereine haben auch Fahnen...

Viel Stoff für den Saftladen. Die Kommunalkabarettisten können sich die Hände reiben. Und stehen zugleich vor einer großen Herausforderung: Was sollen sie da noch draufsetzen?

Weil das vermutlich nicht nur Kleinkunstfreunde interessiert und ein regelrechter Run auf die Karten erwartet wird, macht man sich im Haus des Buches Sorgen. Am nächsten Dienstag geht der Kartenvorverkauf los. Und damit der normale Betrieb in der Stadtbücherei am Vormittag nicht ganz zum Erliegen kommt, gibt’s erst ab 12 Uhr Tickets. So wie im Haus der Kultur. Dann verteilt sich der Andrang wenigstens auf zwei Schalter. Und der Kartenvorrat für sechs Vorstellungen ist auch endlich. Also, alles im grünen Bereich!

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