Allen Unkenrufen zum Trotz: Waldkraiburger Familie setzt sich für Amphibienschutz ein

„Unkenhaben mich schon als Kind fasziniert“, sagt Landwirt Martin Brunnhuber. Mit seiner Partnerin und den Kinder hat er Unkenbecken in der Nähe einer Rinderweide in Pürten eingegraben und damit spezielle Laichgewässer für diese stark bedrohte Amphibienart geschaffen. Zahn

„Unken haben mich schon als Kind fasziniert“, sagt Martin Brunnhuber. Zusammen mit seiner Familie hat der Pürtner Landwirt nun spezielle Laichgewässer für diese stark bedrohte Amphibienart geschaffen.

Waldkraiburg – Gerade die Gelbbauchunke hat unter dem Klimawandel schwer zu leiden. Denn ihre Kaulquappen können nur in periodisch austrocknenden Pfützen und Tümpeln aufwachsen, da sie in Dauergewässern von Fischen oder Libellenlarven aufgefressen werden. Doch wenn das Frühjahr trocken ist und auch sommerliche Gewitter kaum auftreten, gibt es nicht genug Pfützen für die Unke.

Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand

Dank der Vermittlung der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, erhielt Familie Brunnhuber nun drei spezielle Unkenbecken aus Beton, die in einer Senke neben einer Rinderweide eingegraben werden. Weitere natürliche Gewässer will Martin Brunnhuber im Umfeld anlegen. „Wir wollen auf unserem Hof viele Pflanzen- und Tierarten der bäuerlichen Kulturlandschaft fördern“, betont seine Partnerin Elisabeth Hintereder. „Unsere Feriengäste sollen sehen, wie Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen können.“

Unkenwannen für die Kaulquappen

Finanziert wurden die Becken über das Projekt „Allen Unkenrufen zum Trotz“, das Teil des „Bundesprogramms Biologische Vielfalt“ ist (www.gelbbauchunke-bayern.de). Da ein großer Teil der Weltpopulation der Gelbbauchunke in Deutschland vorkommt, hat auch Bayern für dieses Tier eine ganz besondere Verantwortung. Der Bund Naturschutz ist einer der Träger dieses Projektes, das sich über mehrere oberbayerische Landkreise erstreckt.

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„Wir wollen ausprobieren, wie sich diese seriell angefertigten Becken bewähren“, so Andreas Zahn, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. Im Sommer erlauben die „Unkenwannen“ das Aufwachsen der Kaulquappen und im Herbst lassen sie sich in kurzer Zeit leeren und können so den Winter über austrocknen, was den Ansprüchen der Unke entgegen kommt.

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Ziel der Naturschützer ist es, mit diesen Becken den Unkenbestand wieder so zu erhöhen, dass er auch in Trockenperioden nicht ausstirbt und die Umgebung von allein neu besiedeln kann. „Auf lange Sicht brauchen wir aber wieder viel mehr natürliche Auenlandschaften, in denen Unkentümpel durch die Dynamik der Fließgewässer von allein entstehen“ meint Zahn.

Auf dem Brunnhuberhof hoffen jetzt alle, dass sich die seltenen Unken in den neuen Laichgewässern heimisch fühlen und im Sommer ihre leisen Rufe erschallen lassen.

Das Projekt „Allen Unkenrufen zum Trotz“

Sechs oberbayerische Landkreise beteiligen sich mit dem groß angelegten Projekt „Allen Unkenrufen zum Trotz“ am Erhalt der Gelbbauchunke. Die Amphibie steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Gefördert wird das Projekt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt sowie durch den Bayerischen Naturschutzfonds.

Insgesamt fließen in fünf Jahren 670 000 Euro in verschiedene Maßnahmen, so dass sich die Bestände der Gelbbauchunke bis zum Ende der Laufzeit am 30. Juni 2021 möglichst erhöht haben werden. Da ein großer Teil der Weltpopulation der „Bombina variegata“ in Deutschland vorkommt, hat Deutschland für dieses Tier eine ganz besondere Verantwortung.

Kleine Gewässer, Quelltümpel, Viehweiden, aber auch Pfützen und wassergefüllte Fahrspuren: Hier fühlt sich die Gelbbauchunke wohl, hier legt sie ihre Eier ab. Doch durch Trockenlegungen und Straßenbauten sind diese Laichgewässer immer weniger geworden, und in der Folge auch die Tiere. Ziel ist es nun, neue Lebensräume zu schaffen, Biotope aufzubessern und zu vernetzen, um die Unkenwanderung wieder zu ermöglichen. Dazu braucht es engagierte Grundeigentümer und Kiesabbauunternehmen sowie Privatpersonen, die die Laichgewässer freiwillig erhalten und pflegen. Forst-, Land- und Wasserwirtschaft sollen ebenso eingebunden werden, wie Gemeinden und Schulen. Mit im Boot sind auch das Wissenschaftszentrum Weihenstephan mit der TU München und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die mit ihrem Fachwissen zum Gelingen des Projekts beitragen.

Träger des Projektes „Allen Unkenrufen zum Trotz“ sind die Landkreise Altötting, Frei-sing und Neuburg-Schrobenhausen, der Bund Naturschutz in Bayern mit seinen Kreisgruppen Altötting, Erding, Freising, Mühldorf, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen. Die Landkreise Altötting, Freising, Neuburg-Schrobenhausen sowie der Bund Naturschutz in Bayern haben zum Zweck der Umsetzung des Projektes eine Trägergemeinschaft gebildet, für die der Landkreis Freising die Geschäftsführung übernommen hat.

Weitere Infos: www.gelbbauchunke-bayern.de http://biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/allen-unkenrufen-zum-trotz.html

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